Koniferen schneiden - Tipps zum Rückschnitt

Koniferen schneiden - Tipps zum Rückschnitt

Wenn die Pflanzen im Garten zu groß werden, müssen sie beschnitten werden, denkt der junge Gärtner. Nein, nicht immer, kann man da nur sagen!

koniferen flManche Pflanzen reagieren sogar mehr als ungehalten auf einen Rückschnitt. Wie viele Koniferen:

Welche Gehölze gehören zu den Koniferen?

Die Koniferen oder Nadelhölzer werden botanisch als Coniferales, häufig auch Pinales bezeichnet. Es handelt sich um die größte heute noch lebende Gruppe der Nacktsamigen Pflanzen, deren Samen nicht durch Fruchtblätter

geschützt sind, sondern in Zapfen heranreifen. Zu den Coniferales gehören:
  • die Araukariengewächse (Araucariaceae),
  • die Kopfeibengewächse (Cephalotaxaceae),
  • die Zypressengewächse (Cupressaceae),
  • Kieferngewächse (Pinaceae - Kiefern und Fichten),
  • die Steineibengewächse (Podocarpaceae),
  • die Schirmtannengewächse (Sciadopityaceae)
  • und die Eibengewächse (Taxaceae)
Sie unterscheiden sich in ihrem Aufbau in nicht wenigen Punkten von dem der Laubbäume. Zum Beispiel sind die Kronen der Koniferen ganz anders geformt, nicht nur weil die Äste der Nadelhölzer zur Spitze hin aufwärts wachsen.

Die meisten Koniferen wachsen auch monopodial, verzweigen sich also mit ihren Seitenzweigen von einem Hauptstamm aus. Dieser Hauptstamm bildet eine durchgehende Achse. Er hat ein sogenanntes Meristem an der Spitze, ein Gewebe aus undifferenzierten Zellen, das Wachstum durch Zellteilung ermöglicht. Dieses Spitzenmeristem wächst akroton. Mit dem Begriff Akrotonie wird eine Wachstumsform bezeichnet, die das Wachstum im oberen Teil fördert. Die tiefer liegenden Triebe und alle Triebe, die sich nahe am Hauptstamm bilden, bleiben in ihrem Wachstum zurück.

Bei den Koniferen wächst in besonderem Maße das Spitzenmeristem, das den Trieb vom Vorjahr jedes Jahr etwas weiter in die Höhe entwickelt. Insgesamt führt der akrotone Wuchs zu der typischen Form der meisten Koniferen: Ein gut wachsender Haupttrieb, der in der Mitte der Pflanze in die Höhe strebt, ansonsten verstärkte Trieb- und Blattbildung im gesamten äußeren Bereich der Pflanze, im lichtschwachen Inneren wird die Intensität der Verzweigung durch die Akrotonie reduziert.

Im unteren Bereich wachsen ganz außen neue Triebe, je höher es geht, desto näher am Hauptstamm befinden sich die außen neu entstehenden Triebe, bis ganz oben die einsame Spitze senkrecht emporwächst. Das ergibt eine Kegelform, die außen grün ist und innen keine neuen Äste bekommt.

Koniferen schneiden

koniferen2 flGenau diese Wuchsform ist der Grund, warum die meisten Koniferen kaum beschnitten werden sollten. Wenn Sie die Spitze kappen, wird die Konifere überhaupt nicht mehr
größer, der untere (andersfarbige) Bereich des gekappten Triebes ist genetisch nicht mehr auf Wachstum programmiert. Diese erstaunliche Tatsache können Sie sich aber auch zunutze machen, indem Sie Ihre Konifere bewusst in einer bestimmten Höhe für immer bremsen. Sie sollten allerdings bedenken, dass Sie damit die natürliche Wuchsform für immer unmöglich machen, der Wuchs, der sich nun entwickelt, könnte Ihnen nicht gefallen.

Ähnlich störend für das weitere Wachstum wirkt es sich aus, wenn Sie die grünen Seitentriebe zu weit abschneiden: Überall, wo Sie in Bereiche vorstoßen, in denen die Äste schon eine andere Färbung haben, hat die Pflanze ihr Wachstum bereits für immer eingestellt. Sie müssen mit Ihren Schnittmaßnahmen bei Koniferen also immer in dem Bereich bleiben, der noch auf Wachstum ausgelegt ist.

Die Spitzen sollten

deshalb von Anfang an ein- bis zweimal im Jahr wenig beschnitten werden, im Frühjahr und im Spätsommer. Nur so haben Sie eine Chance, zu schnelles Wachstum einzudämmen, ohne kahle Stellen zu produzieren. Die frisch gestutzten Äste sollten nicht direkt von der Sonne beschienen werden, dann könnten sie austrocknen und würden nicht weiterwachsen. Nach dem Schnitt wird die Konifere gut gegossen und gedüngt, damit sie sich schnell erholen kann.

Abweichende Wuchsformen

Natürlich wachsen nicht alle oben als Koniferen identifizierten Nadelgehölze ganz genau so. Die Araukarien entwickeln z. B. anstatt Nadeln breite flache Blätter, ebenso wie die Zypressengewächse und die Steineibengewächse (unter denen die Gattung Phyllocladus anstelle von Blättern flache blattähnliche Kurztriebe, sogenannte Phyllokladien ausbildet).

Bei der Mehrzahl der Nadelgehölze sind die Blätter immergrün, Lärchen (Larix), Sumpfzypressen (Taxodium) und Urweltmammutbaum (Metasequoia) verlieren jedoch ihr Laub im Herbst und sind während des Winters blattlos. Die Kiefer wächst nicht lebenslang als Kegel, sie entwickelt im Alter eine schirmförmige Abflachung. Diese Ausnahmen im Wuchs können auch für die Schnittfähigkeit bedeutsam sein:

Schnittfähige Nadelhölzer

gartenarbeit-gartenkleidung-nadelbaum flSo ist die Eibe als einzige europäische Nadelholzart für ihr gutes Ausschlagsvermögen bekannt, sie wächst also auch nach einem Schnitt weiter. Sie bildet auch innen einen dichten Wuchs aus, weshalb Eiben gut als dichte Sichtschutzhecken gepflanzt werden können. Sie eignen sich sogar für geometrische oder figürliche Formschnitte, was schon in der Renaissance und in zahlreichen Barockgärten gerne genutzt wurde.

Eiben können im Frühjahr kurz vor Beginn des Austriebs beschnitten werden, bei Bedarf aber auch sonst jederzeit (Vorsicht zwischen März und September, Sie könnten brütende Vögel stören).

Auch Kiefern lassen sich gut beschneiden, die Bergkiefer kann z. B. durchaus als Hecke eingesetzt werden. Kiefern können im April kurz vor dem Austrieb beschnitten werden, bei Bedarf vorsichtig nochmals im Juni oder September oder im Winter während der Ruhephase. Kiefern sind als anspruchslos und gutwüchsig bekannt.

Zu den Kieferngewächsen gehört auch die Fichte, die aber generell nur sehr schlecht nachwächst nach einem Schnitt. Dennoch wird die Fichte als Hecke eingesetzt, weil sie das ganze Jahr blickdicht ist, sie wirft ihre Nadeln im Winter nicht ab. Das recht schnell wachsende Nadelgehölz eignet sich z. B. als kostengünstiger Sichtschutz für große Grundstücke.

Sie sollte dann regelmäßig beschnitten werden, wobei Sie nadelholzgerecht immer ein paar Zentimeter der grünen Triebe stehen lassen sollten. Wenn Sie tiefer schneiden, erreichen Sie den Bereich, der den Wuchs bereits eingestellt hat, Sie schneiden sich also ein Loch in die Hecke, das nie mehr zuwachsen wird. Am besten wird die Fichtenhecke nach dem zweiten Austrieb beschnitten, der im Herbst erfolgt (der erste Austrieb liegt im Frühjahr). So müssen Sie nur einmal jährlich schneiden, nach diesem zweiten Austrieb wächst die Fichte auch nicht mehr viel.