Kalkanstrich gegen Frostrisse - Bäume & Obstbäume

junger ObstbaumIm Januar, wenn die ersten Sonnenstrahlen auf die Bäume treffen, ist es Zeit für einen Kalk-Anstrich (Weißanstrich) gegen Frostrisse der Rinde der Obstbäume. Warum kommt es zu Fristrissen?

Sobald die ersten warmen Sonnenstrahlen auf den Baum und damit die Rinde treffen, wird der Zellsaft in den Zellen der Rinde flüssig. Dieser war im Winter vom Baum zum eigenen Frostschutz eingedickt worden. Nun da er auftaut ist er wieder flüssig. Da die Nachttemperaturen aber stark absinken, gefriert dieser Zellsaft wieder

und dehnt dabei die Zellwände so sehr, dass diese aufplatzen, da das Volumen beim Übergang von Wasser zu Eis zunimmt und die Zellwände dem entstehenden Druck nicht standhalten können.

Dies kann nachhaltige Folgen haben:
  • Eindringen von Schädlingen in die Rinde
  • Wasserfluss wird unterbrochen
  • Krankheitsentwicklung in den Sprungstellen
Dagegen hilft der Kalk-Anstrich!

Gegen Frostrisse (Frostbrüche) hilft der Kalk-Anstrich. Im Gartencenter erhält man hierfür alle nötigen Dinge. Man rührt sich aus den Mitteln eine flüssige Mischung an und streicht den Stamm des Baumes ein. Dieser wird dann im Frühling wieder abgewaschen und der Baum ist sicher gegen Frost; ein gelungener Frostschutz für den Baum.

ObstbaumDer Weißanstrich kann mehreren Zwecken dienen

Der Weißanstrich oder Kalkanstrich der Baumrinde, der wie schon gesagt dem Schutz des Baumes dient, kann sogar mehreren Zwecken dienen:
  • Die auch als Weißeln bezeichnete Methode des Stammanstrichs wird klassisch zum dem Schutz der Bäume vor Frost vorgenommen.
  • Der weißleuchtende Überzug sorgt dafür, dass die Sonnenstrahlen auf der Rinde weniger Wärme entwickeln, indem er die Sonne reflektiert.
  • Indem der Weißanstrich eine zu frühe Erwärmung des Baumes verhindert, bewirkt er jedoch
    gleichzeitig, dass der Baum später austreibt, was durchaus gewollt sein kann:
  • Ein solcher verspäteter Austrieb kann nämlich manchem Obstbaum aus eigentlich südlicheren Lagen, wie den Marillen z. B., bei uns überhaupt erst das Ansetzen von Früchten ermöglichen. 
  • Denn die Marillen setzen in ihrer Heimat schon sehr früh Blüten an, wenn sie das bei uns tun würden, blieben nach den letzten Nachtfrösten wohl kaum Blüten mehr übrig, die Früchte bilden könnten ...
  • Das wohl am meisten bekannte Rezept sieht vor, Kalk in Wasser anzurühren und auf die Rinde aufzutragen.
  • Es gibt aber auch noch andere traditionelle Rezepte, manche Gärtner rühren auch eine Lehmbrühe mit Wasser, bis sie dickflüssig ist, oder verwenden Tonmehl.
  • Viel interessanter als das eigentliche Grundrezept (Hauptsache hell, damit die Sonnenstrahlen entkräftet werden) sind die weiteren Zutaten, die Sie dem Kalkanstrich beimischen können.
  • Damit können Sie nämlich Ihren Obstbaum auch gleich noch vor anderen Beeinträchtigungen bzw. Gefahren schützen.
  • So können Sie selbst angesetzten oder im Gartencenter erworbenen Schachtelhalm-Extrakt zusetzen, wenn Sie Ihren Obstbaum vor Pilzbefall schützen möchten. 
  • Oder Sie mischen ein wenig Rainfarnpulver in den Kalkanstrich, das vertreibt die Insekten, die in der Rinde überwintert haben und hält so schädlings-empfindliche Bäume gesund.
  • Rainfarn soll sich auch als allgemeines Pflanzenstärkungsmittel bewähren, das für volle Blütenpracht und damit auch für eine reiche Obsternte sorgt.
So wird der Kalkanstrich angemischt und aufgetragen
  • Sie besorgen sich einfachen Sumpfkalk und rühren davon etwa 500 Gramm in einen Eimer Wasser ein (oder kaufen einen Eimer Sumpfkalkfarbe von Kreidezeit.
  • Wenn Sie mehrere Obstbäume versorgen möchten und einen Mörteltrog zur Verfügung haben,

    rechnen Sie knapp 2 kg pro 65-Liter-Mörteltuppe (das sind die kleinen, in die großen mit 90 Liter kommt dann eben ein wenig mehr).
  • Wenn Sie ein wenig Lehm zugeben, soll der Anstrich die Rinde nicht spröde machen, mit ein wenig eingerührtem Tapetenkleister lässt sie sich leichter auftragen.
  • Vor dem Auftragen sollten Sie die Rinde grob abbürsten und so möglichst viele lockere Bestandteile entfernen.
  • Dann nehmen Sie sich einen großen Pinsel der Größe, die Ihre Armkraft erlaubt, und legen los mit dem Kalkanstrich - rundum am Stamm, bis dorthin, wo die erste Verzweigung beginnt.
  • Heute wird übrigens empfohlen, den Stamm des Obstbaumes schon Ende Oktober/Anfang November zu kalken, weil der Weißanstrich auf einen trockenen Stamm aufgetragen werden soll, und das wird immer schwieriger, je weiter der Winter schon fortgeschritten ist.
Wenn Sie noch nie etwas von einem Kalkanstrich gehört haben und sich jetzt fragen, ob das wirklich Sinn macht, kann man wohl nur sagen, ja. Denn diese seit Generationen überlieferte Form des Rinden- und Stammschutzes hilft heute genauso wie früher und trägt im Zweifel dazu bei, dass Sie im Garten ein bisschen weniger Chemie ausbringen. Was das Aussehen angeht - daran gewöhnt man sich, der weiße Baumstamm strahlt sogar eine ganz eigene Ästhetik aus.