Im Februar Obstbäume verschneiden - Obstbaumschnitt

grober ObstbaumschnittJe nach Witterung kann man bereits Ende Januar bis Mitte Februar die Obstbäume verschneiden. An einem frostfreien schönen Tag kann der Schnitt durchgeführt werden. Wenn die Schnittstellen allerdings feucht werden und beginnen zu üblutenü, sollte vom Verschneiden abgesehen werden, denn dann schadet man dem Baum unter Umständen zu sehr.

Die richtige Zeit für den Obstbaumschnitt

Früher war der Winterschnitt in der Ruhephase des Baumes eine feste Regel, an die sich alle Fachleute hielten. Die Fachleute, die diese

Regel aufgestellt hatten, waren jedoch die Bauern, die sich um den Schnitt der Obstbäume kümmern mussten, lange bevor es Hausgärten und städtische Baumpfleger gab. Die Baumpfleger im privaten Garten und in der Parkanlage übernahmen diese Regel, ohne nach dem Grund zu fragen: Die Bauern schneiden schon Jahrhunderte Obstbäume, die werden es wissen.

Der Bauer hatte aber einen ganz entscheidenden Grund, warum er seine Bäume in der Ruhephase schnitt: Dann war auch das meiste restliche Wachstum seiner Landwirtschaft in der Ruhephase, er hatte also Zeit. Unmöglich für ihn, während der Erntezeit z. B. auch noch die Obstbäume zu beschneiden!
 
auch junge Obstbäume verschneidenInzwischen haben sich Fachleute näher mit dem besten Schnittzeitpunkt beschäftigt, und der liegt nicht unbedingt in der Zeit, in der die Bäume noch nicht ausgeschlagen haben. Denn bei einem solchen Winterschnitt können die Bäume auch nicht sehr gut die zum Wundverschluss benötigte Kallus-Masse produzieren, sie können die Wunden also nicht richtig verschließen. Wenn die Wachstumszeit beginnt, will der Obstbaum diese Verluste, die er quasi ohne Gegenwehr hinnehmen musste, durch hektisches Wachstum ausgleichen, dazu werden dann zahlreiche dünne und meist keine Früchte tragende Wassertriebe ausgebildet.

Es kann Sinn machen, genau einen solchen Austrieb anzuregen, z. B. wenn Sie einen völlig verwachsenen Baum gründlich korrigiert haben und nun möchten, dass er eine neue Grundsubstanz an Ästen ausbildet, aus denen dann die Zweige ausgewählt werden, die in den nächsten Jahren zum Tragen herangezogen werden sollen.

Für den Regelfall empfiehlt sich jedoch ein Schnitt im
Frühling, wenn die Vegetation bereits wieder angelaufen ist. Pfirsichbäume profitieren z. B. von einem Schnitt im späten Frühjahr, Sie fördern damit die Ausbildung vieler kurzer Triebe, die alle Früchte tragen werden. Zu früher Schnitt ließe lange Triebe erscheinen, die später unter der Last der Früchte abbrechen würden.

Für nicht am einjährigen Holz tragende Obstbäume wird ein noch späterer Schnittzeitpunkt empfohlen: Diese Bäume sollten Sie im Sommer schneiden, dann sehen Sie genau, was weg muss, und der Baum steht voll im Wachstum, er hat genug Kraft, um die Wunden schnell zu verschließen.

Die Grundregeln für den Obstbaumschnitt

Unabhängig von der Fruchtausbildung des Obstbaumes gibt es ein gewisses Grundmuster, das Ihnen bei der Auswahl der zu entfernenden Äste hilft:
  • Jeder Obstbaum soll im Idealfall eine Form erreichen, die in etwa einem Dreieck ähnelt, oder einer Pyramide.
  • Dabei sollten Sie die Rangordnung der Äste definieren: Vom senkrecht wachsenden Mitteltrieb sollten in gleichmäßigen Abständen zunächst kräftige Haupttriebe abgehen.
  • Von diesen Hauptästen aus dürfen sich die weiteren Triebe verzweigen, in die richtige Richtung und in gleichmäßigen Abständen.
  • Diese weiteren Triebe

    werden Leitäste genannt, wenn Sie in ziemlich gleicher Höhe in alle Richtungen abgehen, steht der Obstbaum in der "Saftwaage”.
  • Sie entfernen jeweils alle neuen Triebe, die diesem idealen Wachstum nicht entsprechen. 
  • Das sind die Triebe, die sehr eng an einem der Leitäste oder dem Mitteltrieb wachsen und diesen so Kraft nehmen.
  • Auch nach innen wachsende Triebe, die unter Lichtmangel leiden würden, werden weggenommen. 
  • Von zwei dicht nebeneinander wachsenden Trieben muss einer weichen, der in möglichst idealem Abstand zum übergeordneten Ast wachsende Zweig bleibt.
  • Insgesamt geht es um Auslichtung, die Krone des Obstbaumes darf nicht zu dicht zuwachsen, dazu muss jedes Jahr etwa die Hälfte der Astmasse weggeschnitten werden.
  • Dabei werden immer zuerst alle beschädigten, kranken oder toten Zweige entfernt
  • Wenn Sie die Triebe ansonsten in der Rangfolge ihres Alters entsprechend kürzen, verjüngen Sie den Obstbaum zugleich.
Sonderfall - der Schnitt des vernachlässigten Obstbaumes

Bei uns werden schon recht lange Obstbäume in Hausgärten kultiviert, es ist also nicht unwahrscheinlich, dass Sie es mit einem lange vernachlässigten Baum zu tun bekommen, bei dem eine Pyramidenform schon lange nicht mehr erkennbar ist. Ein solcher Baum braucht und bekommt einen vorsichtigen Verjüngungsschnitt, mit dem Sie ihn im Laufe mehrerer Jahre wieder in eine angemessene Grundform bringen. Seien Sie nicht zu rabiat, je zahlreicher Sie Äste entfernen, desto wilder wird der alte Baum Triebe dagegensetzen. Sie dürfen aber auch nicht zaghaft sein, wenn ein wirklich dicker Ast weg muss, dass sollte das sofort geschehen, viele Winztriebe in künstliche Pyramidenform zu schneiden hilft dem alten Baum nicht viel.

Diese kurze Abhandlung sagt natürlich noch nicht alles über den Obstbaumschnitt, Kernobst wird z. B. ein wenig anders beschnitten als Steinobst. Ganz unerfahrene Frischgärtner tun aber ohnehin gut daran, wenn sie sich in den ersten Jahren irgendwann die Zeit nehmen und einen Kurs über den Obstbaumschnitt besuchen, bei dem viele Fragen direkt von einem erfahrenen Fachmann beantwortet werden.

Erfahren Sie hier wie man Obstbäume richtig verschneidet.