Palmen winterfest machen

Palme im WinterNoch bis vor einigen Jahren waren mediterrane Bäume hierzulande beinahe undenkbar. Bedingt durch die Klimaveränderungen in unseren Breiten, die durch höhere Durchschnittstemperaturen, der ansteigenden Neigung zu starken Regenfällen sowie längeren Trockenperioden gekennzeichnet sind, finden auch Palmengewächse in Deutschland immer mehr Liebhaber. Demgegenüber steht die gesicherte Voraussage der Meteorologen, nach der die Winter in Deutschland hart und kalt bleiben, wie bisher bekannt. Die Familie der Palmengewächse kennt mehr als 2.600 Arten. Zu den bekanntesten Vertretern zählen Dattel-, Hanf- und Yucca-Palmen, die auch unter mitteleuropäischen Klimaverhältnissen prächtig

gedeihen und ein Blickfang in jedem Garten sind. Während die Palmen in ihrer ursprünglichen Heimat als hochwertiges Baumaterial und teilweise als Grundstoff in der Lebensmittelherstellung Verwendung finden, werden sie in Deutschland fast ausschließlich als dekoratives Zierelement im Garten, auf Terrassen aber durchaus auch in Wohnräumen genutzt.

Auf die richtige Pflege kommt es an

Welche Palmenart ist optimal für unser Klima?

Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen Zimmer- bzw. Kübelpflanzen und es gibt solche Exemplare, die in den Erdboden ausgepflanzt werden. Bei allen drei Varianten wird empfohlen, vorzugsweise auf winterharte Palmengewächse zurückzugreifen, die unter Umständen über das ganze Jahr im Freien aufwachsen können. Hanf-, Honig- und Nadelpalmen haben in unseren Breiten recht gute Chancen, einen durchschnittlichen Winter unbeschadet zu überstehen, eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht. Grundsätzlich werden winterharte Palmen in drei Gruppen unterteilt:
  • Frostharte Arten ( -6 bis -12 °C)
  • Bedingt winterharte Arten ( -10 bis -15 °C)
  • Winterharte Arten (-14 bis unter -16 °C)
Als ein weiterer wesentlicher Faktor für ein erfolgreiches Überwintern gelten auch die Dauer und Anzahl der möglichen Frostperioden. Relativ gute Aufzuchtergebnisse konnten bisher bei folgenden Palmenarten festgestellt werden:
  • Blaue Hesperidenpalme (-8 bis -10 °C)
  • Wollige Geleepalme (-8 bis -13 °C)
  • Vulcano Zwergpalme & Blaue Zwergpalme (bis -15 °C)
  • Chilenische Honigpalme (-12 bis -16 °C)
  • Nadelpalme (-14 bis -24 °C)
  • Kumaon Hanfpalme (-13 bis -18 °C)
Die Pflanze sollte beim Kauf einen Mindestdurchmesser von 50 cm und ein Alter ab vier Jahren haben.

Den richtigen Standort wählen

Die besten Ergebnisse werden erreicht, wenn die junge Palme langsam an den künftigen Standort gewöhnt wird. Nach dem Kauf sollte sich die Pflanze zunächst einige Wochen an das Standortklima gewöhnen, ehe sie ausgepflanzt wird. Danach darf sie für ein bis zwei Wochen im Kübel an einem halbschattigen Standort verbringen und langsam an direktes Sonnenlicht gewöhnt werden.  Pflanzenvlies kann dabei gut vor der Mittagssonne schützen und macht die Palme resistent gegen Sonnenbrand. Der finale Standort liegt idealerweise möglichst nach Süden ausgerichtet und nah am Haus, die Wetterseite sollte gemieden werden. Die ideale Zeit zum Auspflanzen der Palme liegt zwischen (frostfreiem) März und Juni, bei milder Witterung sind auch die Herbstmonate dafür noch gut geeignet. In jedem Fall sollte noch genügend Zeit bleiben, dass die Pflanze sich an ihrem neuen Standort einleben kann und die Möglichkeit hat, neue Blätter und Wurzeln zu entwickeln. Palmen lieben gut drainierte und lockere Böden, die nicht übermäßig tonhaltig bzw. sandig sein sollen. Optimal für ein gesundes Wachstum ist ein nährstoffreicher Boden mit einem PH-Wert zwischen 5,3 und 7,5.

Maßvolles Düngen bringt die besten Aufzuchtergebnisse


Viel hilft nicht viel, gilt besonders für die Düngung der unterschiedlichen Palmenarten, die ausschließlich während der Vegetationsperiode erfolgen soll. Ideal ist dabei ein handelsüblicher

Dünger für
Blattpflanzen der Phosphor, Stickstoff und Kalium enthält. Die besten Ergebnisse werden mit einem Mischungsverhältnis von 8-6-8 oder 8-6-10 erreicht. Falls der PH-Wert nicht im "Grünen Bereich" ist, darf zusätzlich und in Abhängigkeit vom Härtegrad des Gießwassers, mit Kalk angereichert werden. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass bisher kaum eine Pflanze wegen fehlender Düngung eingegangen ist, sondern eher wegen einer Überdosis an Nährstoffen.

Palmen schneiden, aber wann?

Bezüglich ihrer Beschneidung sind Palmen, insbesondere solche, die im Freiland aufwachsen, sehr pflegeleicht. Gelbe Spitzen oder Fächer sollen erst dann abgeschnitten werden, wenn sie völlig vertrocknet sind. Jedes Wedel, das entfernt wird, mindert die Kraftreserven der Pflanze, die sie unter anderem für die Überwinterung dringend braucht. Die einzige Ausnahme bilden Zweige, die durch Frost geschädigt wurden oder Blätter, die von Pilzen befallen sind.

Schädlingsentfernung ist bei Palmen besonders wichtig

Als gefährliche Feinde, besonders der jungen Palmenpflanzen, gelten die roten Spinnen sowie Spinnmilben, die bei längerem Befall für ein Absterben sorgen können. Zuverlässige Abhilfe schaffen hier ausschließlich chemische Mittel, die bis zu einer Gesamtdauer von sechs Wochen gespritzt werden. Blatt-, Schild- oder Schmierläuse sind dagegen harmlos und lassen sich leicht mit einem scharfen Wasserstrahl abspritzen oder werden von Hand abgesammelt.

Schutzmaßnahmen zum erfolgreichen Überwintern

Während die Überwinterung von Zimmerpalmen keine nennenswerten Probleme machen, ist für Kübelpflanzen ein nicht zu warmer und nicht zu dunkler Kellerraum oder das Treppenhaus der ideale Standort während der Frostperiode. Etwas mehr Sorgfalt ist bei der Aufzucht im Freiland erforderlich. Oberste Priorität: Der Wurzelballen darf keinesfalls vollständig Durchfrieren, während den oberirdischen Pflanzenteilen auch langfristiger und starker Frost kaum etwas ausmacht. Bewährt hat sich ein Winterschutz aus Luftpolsterfolie, der über die gesamte Pflanze gezogen wird. In besonders kalten Regionen kommen auch temporäre Gewächshäuser zu Einsatz, die sich zusätzlich mit einer Heizung ausstatten lassen. An frostfreien Tagen sollten diese Schutzmaßnahmen allerdings wieder gelockert werden, da sich ansonsten ein Pilzbefall oder Fäulnis an einzelnen Pflanzenteilen bilden kann. Auf Düngung kann während dieser Zeit getrost verzichtet werden und auch die Bewässerung sollte äußerst maßvoll erfolgen.

Winterpalmen und winterharte Palmen

Die meisten Palmen kann man im Sommer in den Garten stellen, ohne dass die direkte Sonneneinstrahlung der Pflanze schadet. Für gewöhnlich werden die Palmen im Winter wieder im Haus untergebracht. Anders verhält es sich bei Winterpalmen. Durch die Kultivierung unterschiedlicher Pflanzenarten ist es auch möglich, diese Exemplare im Freien überwintern zu lassen. Das ist praktisch und erspart viel Arbeit, da Palmen sehr groß werden können und dadurch nicht einfach zu transportieren sind.

Auch bei winterharten Palmen gibt es jedoch einiges zu beachten. Grundsätzlich sollte die Pflanze einen windgeschützten Standort erhalten. Der Stamm wird um die Baumscheibe herum mit Rindenmulch abgedeckt. Dadurch können Wärme und Feuchtigkeit gespeichert werden. Auch Palmen, die in Pflanzenkübeln kultiviert werden, sollten an geschützten Standorten überwintern. Der Kübel kann zusätzlich mit Folie isoliert werden. Oberirdische Pflanzenteile kann man in Jute oder Schutzflies einhüllen.

Weitere Palmensorten in Kübeln überwintern

Vorzugsweise bestehen die Pflanzenkübel aus frostresistenten Materialien. Palmen, die den nötigen Winterschutz erhalten, können bis zu -20 Grad Celsius im Freien überwintern. Für die Beschleunigung des Wachstums empfiehlt sich ein spezieller Palmendünger, da die Pflanzen besondere Nährstoffansprüche haben. Spezialdünger sind genau auf diese Bedürfnisse abgestimmt und unterstützen dadurch eine optimale Versorgung der Pflanze. Ob Fächerpalmen, Bambuspalmen oder Hanfpalmen, Winterpalmen erfreuen sich zunehmend allgemeiner Beliebtheit.

Auch unter den Yucca Palmen gibt es winterharte Arten. Die Yucca filifera gehört zu den beliebtesten Yuccaarten und verträgt bis -8 Grad Celsius. Ein Winterschutz ist jedoch keine Garantie für das unbeschadete Überwintern im Garten. Die Wurzeln der Palmen sind sehr empfindlich, wobei Kübelpflanzen besonders gefährdet sind. Aufgrund des geringen Erdvolumens können sie schneller durchfrieren und sollten daher besonders gut geschützt werden.alt

Fazit

Insgesamt gesehen ist der Aufwand, den eine Palme für ihre erfolgreiche Aufzucht und Überwinterung benötigt kaum größer, als er für andere Pflanzen im Garten erforderlich ist. Lohn dieser Arbeiten ist in jedem Fall eines der herrlichsten und imposantesten Gewächse, die unsere Natur den Menschen bietet und, die sich in Tausenden von Jahren immer wieder selbst geheilt haben.