Dachbegrünung - naturnahe Gründächer

Dachbegrünung - naturnahe Gründächer extensive DachbegrünungEine Dachbegrünung - so sie denn fundiert durchgeplant ist - bietet dem Hausbesitzer bei verschiedensten Dachformen mancherlei Nutzen. So kann sie beispielsweise der ursprünglichen Dachdeckung Schutz vor Witterungseinflüssen oder mechanischer Beschädigung durch herabstürzende Äste gewähren. Zudem helfen dachbegrünende Pflanzen mit ihrer zusätzlichen Isolationsschicht beim Einsparen von Heizenergie. Damit der Schuss nicht nach hinten losgeht, müssen Gründächer aber stets auch naturnah gestaltet werden - es dürfen also ausschließlich Pflanzen zum Einsatz kommen, die sich unter regionalen Gegebenheiten gerne selbst ansiedeln. Doch

ist auch ein wenig Vorsicht bei manchen "pflegeleichten" Pflanzen geboten.

Ein Dach einfach "überwuchern" lassen? Nein, das führt oft zu Schäden

Wer auf schnellwüchsige Klimmer wie den Efeu setzt, um sein Dach "automatisch" begrünen zu lassen, setzt leider auf die falsche Karte. Efeu mag tatsächlich ganze Fassaden und auch Dächer in wenigen Jahren vollständig erobern - aber er bringt auch äußerst unliebsame Erscheinungen wie das Eindringen in Fugen von Schieferplatten oder Dachpfannen mit sich und sorgt somit für teure Folgeschäden. Eine geregelt kontrollierbare Dachbegrünung muss anders angelegt werden.

Der korrekte Untergrund der Dachbegrünung weist die Pflanzen in ihre Schranken

Bei leer stehenden Abbruchhäusern ist häufig zu beobachten, dass sich anspruchslose "Pioniergehölze" wie die Birke durch Samenflug schadhafte, mit vermodertem Laub angefüllte Dachstellen aussuchen, um Wurzeln zu schlagen. Letztere dringen dann in durchfeuchtete Balken des Dachstuhl-Trägerwerks vor. Bei der beabsichtigten Dachbegrünung gilt es also zunächst, einen durchwurzelungssicheren Untergrund auf die Deckung aufzubringen, der aber zugleich auch eine atmungsfähige Drainageschicht einschließt, damit sich kein Stauwasser bilden kann. Dies würde nämlich für typische pflanzliche Bewohner karger Untergründe - wie etwa Mauerpfeffer, Thymian, Haus- und
Dachwurz - schnell den Tod bedeuten.

Bei der Dachbegrünung ist auch die Statik zu beachten

Pflanzen benötigen bei aller Anspruchslosigkeit einen Nährboden, auf dem sie gedeihen können. Das bedeutet eine zusätzliche Dachlast, die sowohl beim Neubau als auch bei der Altbau-Sanierung beachtet werden muss. Hält die vorberechnete Statik des Gebäudes die Begrünung aus? Auch die Abrutsch-Sicherung des Begrünungsuntergrundes bei Schrägdächern darf nicht vernachlässigt werden. Es dauert einige Zeit, bis naturnahe "Grünpolster" auf dem Dach ein so stabiles und verflochtenes Wurzelwerk entwickelt haben, dass sie richtig fest sitzen. Wird das bei der Planung - etwa bei Satteldächern - vernachlässigt, sind oft alle Begrünungsversuche umsonst.

Ständige Kontrolle des begrünten Dachs auf unerwünschten "Zuwachs" ist erforderlich

Gründach: extensiv bewirtschaftetSelbst ein fachgemäß geplantes "Gründach" bleibt auf Dauer leider nicht "wartungsfrei". Bereits erwähnte "Pionierpflanzen" - die häufig Tausende von winzigen, federleichten Samen über den Wind verbreiten - sorgen nicht selten dafür, dass sich ungebetene Keimlinge unter die Dachbegrünung mischen. Wird das sorgsam begrünte Dach nicht in regelmäßigen Zeitabständen - zumindest jedes Jahr im Frühsommer - gewissenhaft auf derartigen "Anflug" untersucht und rechtzeitig davon befreit, werden die "Gastkeimer" rasch zu einer Plage, die sich nur unter massivem Zerrupfen der bereits etablierten Dachbegrünung wieder entfernen lassen. Der ständige - für Nicht-Fachleute auch bisweilen recht kostenintensive - Pflegeaufwand eines naturnahen Gründachs ist leider ein "Haken" an dieser prinzipiell lobenswerten Dachgestaltung. "Naturnähe" bei der Dachbegrünung bedeutet eben leider auch immer, dass der

sorgfältige Bepflanzungsplan von der Natur drumherum einfach nicht beachtet wird - konkurrenzstarke Wildkräuter oder Gehölze entdecken begrünte Dächer als willkommenen neuen Lebensraum.

Die wichtigsten Tipps zur Begrünung eines Dachs in Kürze
  • Eignung der Dachform und Statik für die Aufbringung einer Begrünung prüfen
  • Erforderliche Schutzmaßnahmen des Untergrundes bei Schrägdächern berücksichtigen, um Abrutschen der Erstbepflanzung zu vermeiden
  • In Zusammenarbeit mit einem Fachmann Pflanzen auswählen, die anspruchslos Hitze und Kälte überstehen und wenig Nährboden brauchen
  • Eventuelle Folgekosten für kontinuierliche Pflegemaßnahmen naturnaher Dachbegrünung zur Entfernung von unerwünschtem "Anflug" von Wildgewächsen einkalkulieren
Grün auf dem Dach ist ökonomisch und ökologisch sinnvoll - doch nur, wenn die Planungsstrategie rundum passt!