Nutzgarten selbst anlegen und gestalten - Tipps

Die Anlage eines Nutzgartens sollte man im Vorfeld sorgfältig planenEinen Nutzgarten anzulegen, bietet zahlreiche Vorteile. Knackig frisches Gemüse, Obst und nach Bedarf zu erntende Kräuter bereichern den eigenen Speiseplan. Zudem können Wasser und organische Düngemittel sparsamer eingesetzt werden, als bei rein dekorativ bepflanzten Gärten. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel. Wer richtig plant, muss im Nutzgarten auch nicht viel Aufwand betreiben, um schnell hohe Erträge einzufahren. Die folgenden Tipps und Hinweise zum Anlegen des Nutzgartens können dabei helfen.



Planung

Entscheidend für die erfolgreiche Gestaltung eines Nutzgartens ist in erster Linie die umfassende vorherige Planung. Diese hilft nicht nur bei der sinnvollen Aufteilung des vorhandenen Platzes, sondern auch bei der folgenden Pflanzenauswahl. Zudem kann sie typische Fehler verhindern, die sich auf dem Papier noch ganz einfach korrigieren lassen - später im Garten jedoch reichlich Aufwand und Zeit erfordern würden. Dementsprechend sorgfältig sollte die Planung des Nutzgartens durchgeführt werden. Die folgenden Punkte und Tipps sollten beim Anlegen des Plans beachtet werden:
  • Maßstabsgetreue Skizze anfertigen, die bereits vorhandene Elemente wie Bäume und Wege enthält
  • Bodentyp und -Qualität sowie Lichtverhältnisse der Bereiche berücksichtigen und eintragen
  • Inspiration und Rat kann bei Gartennachbarn eingeholt werden
  • Platz für Wege zwischen den Beeten, Kompost und bei Bedarf brachliegende oder tierfreundlich verwilderte Flächen einplanen
Pflanzenwahl

Gerade neue Gartenbesitzer oder Hobbygärtner, die ihre grüne Ecke von Zier- auf Nutzpflanzen umstellen, nehmen sich in der anfänglichen Euphorie reichlich vor. Obstbäume und Beerensträucher werden im Dutzend angeschafft, Samen der verschiedensten Gewächse beutelweise herbeigetragen. Berücksichtigt wird dabei nicht, wie groß der Aufwand zur richtigen Pflege der Pflanzen ist. Ebenfalls vernachlässigt wird häufig, dass nicht alle Gewächsarten als direkte Nachbarn geeignet sind. Besser ist es, anfangs auf wenige Pflanzenarten zu setzen, die besonders pflegeleicht sind. Auf diese Weise lassen sich sichere Erfolge erzielen und der Aufwand bleibt überschaubar. Die Vielfalt kann im Anschluss immer noch ausgebaut werden, wenn der praktische Aufwand realistischer einschätzbar ist.

Obstbäume

Obst aus eigenem Anbau ist nicht nur lecker und gesund, es gehört auch zu den pflegeleichten Nutzpflanzen. Zumindest, wenn die Arten für den Nutzgarten passend ausgewählt werden. Diese Tipps können dabei helfen:
  • Obstbäume bilden einen wichtigen Bestandteil des Nutzgartensfür schnelle Erträge auf Buschbäume, Halbstämme und Säulenobst setzen
  • für besonders große Ernten, auch bei Selbstbefruchtern, mindestens zwei oder drei Exemplare der gleichen Sorte pflanzen
  • resistente Züchtungen wählen, um den Aufwand klein zu halten
  • für langfristige Erträge und Bäume, die Schatten spenden, Hochstämme pflanzen
Wer ausreichend Platz hat, sollte sowohl Gewächse für den schnellen Ertrag als auch die bewährten und urtümlichen Hochstämme zugleich pflanzen. Bis die Hochstämme erste nennenswerte Ernten einbringen, muss so nicht auf Obst verzichtet werden. Beginnen die Hochstämme sich wirklich zu bewähren, sind die anderen Baumformen hingegen meist am Ende ihrer ertragreichen Phase angekommen, da sie deutlich kurzlebiger sind.

Beerensträucher

In jedem Nutzgarten wunderbare Bereicherungen und dazu noch einfach in der Pflege sind die meisten Beerensträucher. Nach dem Pflanzen können sie fast auf sich allein gestellt werden, der Aufwand ist bei zahlreichen Sorten überraschend gering. Ebenso wie der Platzbedarf. Empfehlenswerte Sorten sind:
  • Aronia
  • Goji
  • Josta
  • Himbeere
  • Stachelbeere
  • Schwarze, weiße und rote Johannisbeere
  • Brombeere
Zudem können die folgenden Tipps helfen:
  • stachelarme Sorten wählen, das vereinfacht die Ernte
  • resistente Zuchtformen reduzieren Aufwand und den Einsatz von

    Schutzmitteln
  • für Erträge im ersten Standjahr die Sträucher im Herbst auf vorbereiteten Boden pflanzen
  • auf ausreichend Abstand zwischen Reihen und Pflanzen achten, damit die Ernte vereinfacht beziehungsweise überhaupt vollständig möglich wird
Gemüse

Die Zutaten für den knackig frischen, grünen Salat vollständig aus dem eigenen Nutzgarten ernten - für viele ein Traum. Der durchaus nicht unerfüllt bleiben muss. Der Platz für Gemüsebeete muss beim Anlegen des Nutzgartens berücksichtigt werdenWiederum gilt aber, zumindest bei den Arten, lieber in Maßen als in Massen. Besonders pflegeleichte Gemüsepflanzen, die daher ideal für Anfänger oder Hobbygärtner mit wenig Zeit sind, umfassen:
  • Bohnen und Erbsen
  • Salat
  • Kohlrabi und andere Kohl-Arten
  • Kürbis
  • Zucchini
  • Zuckermais
  • Radieschen und Rettich
  • Karotten
  • Mangold
  • Zwiebeln und
    Knoblauch
Auch Tomaten und grüne Gurken gehören dazu, wenn ein Gewächshaus vorhanden ist. Zudem sollten wiederum resistente Sorten gewählt werden. Zu beachten ist weiterhin:
  • Der Platzbedarf und Pflanzabstand, Kohlrabi wächst bei zu kleinen Abständen deformiert, Zucchini breitet sich rasant aus
  • Dauer bis zur Ernte und Aussaatzeitpunkt, um die Erträge staffeln zu können
  • Herrschendes Klima und Eignung der Gemüsepflanzen dafür, um Misserfolge zu vermeiden
Wer sich unsicher ist, sollte immer mal einen Blick in die Gärten der Umgebung werfen. Hierbei fällt schnell auf, was üppig wächst und gedeiht oder vor sich hin kümmert. Eigene Experimente lohnen sich natürlich trotzdem, sollten aber zunächst auf kleiner Fläche durchgeführt werden.

Kräuter

Kräuter sind nicht nur aromatische Gewürze und schöne Dekorationen, sie sind durch die enthaltenen Vitamine auch ausgesprochen gesund, können als Basis für Tees dienen oder in der natürlichen Medizin eingesetzt werden. Dementsprechend dürfen sie im Nutzgarten einfach nicht fehlen. Sie sind in der Regel sehr pflegeleicht und haben meist einen geringen Platzbedarf. Wichtig ist es, ihnen je nach Bedarf das richtige Substrat zu gönnen. Normale Gartenerde ist für viele nicht geeignet. Zusätzlich ist es günstig, die Kräuter im Nutzgarten erhöht zu pflanzen, beispielsweise in Kübeln oder Hochbeeten. Spiralen als Kräutergarten sind zwar dekorativ, erlauben aber keinen einfachen Zugriff. Ernte und Pflege sind so erschwert. Tipp: Einige Kräuter, wie beispielsweise die Goldmelisse, wirken aufgrund ihrer ätherischen Öle abstoßend auf manche Schädlinge. Als natürlicher Schutz können sie daher auch verteilt in den Nutzgarten gepflanzt werden.

Mit Hochbeeten lässt sich ein Nutzgarten gezielt aufwertenHochbeete

Stundenlanges Bücken im Beet geht schnell auf den Rücken, Hochbeete schaffen hier Abhilfe. Die Erhöhung hat zudem den Vorteil, einige Schädlinge fernzuhalten. Für Schnecken und Mäuse sind die Pflanzen beispielsweise dann nicht mehr allzu einfach zu erreichen. Der Boden erwärmt sich schneller durchgängig und die Gewächse können einfacher abgedeckt werden. Besonders für empfindliche Pflanzen sind die Hochbeete im Nutzgarten daher ideal. Weitere Vorzüge sind:
  • einfache Befüllung mit speziellem Substrat
  • Aussaat und Bepflanzung können durch die schnellere Erwärmung früher erfolgen
  • durch Möglichkeit der Abdeckung als Gewächshaus- oder Tomatenzelt-Ersatz verwendbar
  • kann bei empfindlichen Pflanzen zur Überwinterung besser isoliert werden
  • gezieltes, wassersparendes Gießen
Gewächshaus

Durch ein Gewächshaus im Nutzgarten kann die Vielfalt der Pflanzen vergrößert werden, dazu muss das Gewächshaus nicht einmal beheizt werden. Wer den Nutzgarten gerade erst neu anlegt, kann darauf noch verzichten. Auch danach muss jedoch nicht gleich aufwendig gebaut werden. Statt eines Modells aus Glas kann ein Gewächshaus aus Folie für die Vorzucht oder die Kultur empfindlicher Pflanzen verwendet werden.

Kompost

Kompost ist ein wunderbarer Dünger und Zusatz zum Substrat, zudem können auf ihm Gartenabfälle sinnvoll entsorgt werden. Im Nutzgarten sollte daher auch Platz für das Kompostieren eingeplant werden. Unterteilt in drei Abschnitte und sicher abgegrenzt kann bereits reifer Kompost verwendet werden, während der frische in Ruhe verrottet und der letzte Bereich zur aktiven Entsorgung dient.

Ungenutzte Flächen

Nach dem Anbau von starkzehrenden Pflanzen sollten Flächen hin und wieder brachliegen dürfen. In dieser Zeit empfiehlt es sich, die Erde beispielsweise mit Rasenschnitt zu mulchen. Der Wuchs von Unkraut wird so effektiv verhindert, der Boden durch die sich davon ernährenden Bodenbewohner belüftet und mit Nährstoffen angereichert. Für den Nutzgarten ergibt sich so in kurzer Zeit wieder ein fruchtbares Beet.

Wilde Ecken im Nutzgarten sind wichtig für NützlingeNützlinge anziehen

Selbst wenn ausschließlich resistente Pflanzen im Nutzgarten angebaut werden, sind Schädlinge und auch einige Krankheiten, die diese übertragen, nicht auszuschließen. Um ein natürliches Gleichgewicht zu begünstigen, sollte ein Bereich im Nutzgarten zur wilden Ecke werden. Weder Rasenmähen noch Jäten ist hier erlaubt, dafür sollten Bienenweiden, Wildkräuter, Gräser und Versteckmöglichkeiten geboten werden.

Wissenswertes zur Anlage eines Nutzgartens

Das anfängliche Planen eines Nutzgartens erfordert detailliertes Vorgehen und einigen Aufwand. Wer hierbei aber durchdacht aufteilt, neben Anbauflächen und Wegen auch Bereiche für das Kompostieren und Nützlinge einplant, kann den folgenden Arbeitsaufwand erheblich verringern. Werden zudem die passenden Pflanzen ausgewählt, lässt die erste reiche Ernte nicht lange auf sich warten.
  • Die anzubauenden Gemüsesorten sollten sich nach dem individuellen Geschmack und dem vorhandenen Platz richten: Sogar auf dem Balkon oder der Terrasse können Salat, ein paar Tomatenstöcke oder Kräuter in Töpfen und Kästen gezogen werden, allerdings ist zu beachten, dass die Pflanzen genügend Sonne bekommen, um den Ertrag und das Wachstum nicht zu verringern.
  • Platz spart man durch den Anbau des Gemüses in Mischkultur, wobei sich Hügelbeete anbieten: Die Anlage dieser Beete bringt zwar einen erhöhten Arbeitsaufwand mit sich, doch halten sie anschließend für ca. 6 Jahre. Hochbeete kommen Leuten, die sich nicht bücken können oder wollen, im wahrsten Sinne des Wortes entgegen. Sie sind eine sehr saubere Anlage, auch wenn sie, aufgrund ihrer Einfassung weniger viel Platz bieten.
  • Bei Frühbeeten ist es erforderlich, Platz zu opfern, aber durch die zahlreichen Nutzungsmöglichkeiten, wie der Anbau empfindlicher Gewächse, die Anzucht der Pflanzen oder der Gemüseeinschlag im Winter, entlohnt dies.
  • Ein Komposthaufen ist in jedem Garten unentbehrlich, ebenso wie eine kleine Ecke für Kräuter. Einige von ihnen blühen sehr schön und  können in ein Staudenbeet integriert werden, ohne dass sie dort als Kräuter bezeichnet werden.
  • Die Abtrennung des Nutz- und Ziergartenbereiches kann durch mehrere Möglichkeiten geschehen. Denkbar sind z.B. Obststräucher, dornlose Brombeerhecken, Ziergehölze, aber auch die im Handel erhältlichen Fertigelemente.
  • Ebenso ist die traditionelle Einfassung mit Buchsbaum, wie sie früher in Klostergärten genutzt wurde, inzwischen wieder beliebt: Für diese kleinen Hecken rund um die einzelnen Bereiche des Gartens eignen sich alle kleinbleibenden Sorten des Buchsbaum. Allerdings benötigt diese Variante etwas mehr Pflege, denn die Hecken müssen regelmäßig geschnitten werden, damit sie dicht werden. Recht einfach und zudem praktisch ist dagegen die Abtrennung durch Wege.
  • Als Wegmaterial eignen sich Pflastersteine oder Kies: Kies hat den Vorteil, dass sich mit ihm besonders einfach geschwungene Wege anlegen lassen, die den Garten nicht so streng wirken lassen. Auch eine Schicht aus Rindenmulch eignet sich als Belag für die Gartenwege. Sie muss allerdings hin und wieder erneuert werden, weil das Material mit der Zeit verrottet. Dies hat jedoch gleichzeitig den Vorteil, dass beim Verrotten der Mulchschicht dem Boden wieder wertvolle Nährstoffe zugeführt werden.