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Alt 03.11.2007, 22:43   #8 (permalink)
niwashi
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Standard AW: darfs ein strähnchen mehr sein?

mein heutiger Gang zu meiner Lieblingsfriseurin war nicht ungewöhnlich. Gehe ich doch seit 23 (!) Jahre zur selben Stylistin. Damals noch ein Laden, der in einige kleine Räume untergliedert war und eher als Punk-Zentrale durchging denn als Haarstudio. Aus Konzessionsgründen (war damals das Ausgießen von Kaffee offiziell noch nicht erlaubt) befand sich am Eingang das Cafe als Alibifunktion für das Gewerbeaufsichtsamt!

Inzwischen eines der ersten Adressen für ausgefallene temporäre Kopfbedeckung in der Alpenmetropole sind die Wände rausgerissen und das Cafe nur mehr rudimentär als Theke mit der 4-köpfigen Espressomachine vorhanden.
Gut, die Einrichtung ist immer noch stylisch: Interieur von Philipp Starck, wechselnde Ausstellungen verschiedener Künstler zwischen den faltenverstärkenden Spiegeln (die mich ehrlich gesagt aber weniger stören - die Falten, mein ich) und ein auf den Putz gepinseltes Bild über die halbe Decke ... herrlich zum Meditieren kurz vor dem Einschlafen beim Kopfwaschen.

Um mich herum genau diese Aliens, die auch Phila im Rückspiegel des Grauens aumachte. Interessanterweise sollen dieses grellen Neonfarben einmal gedecktes mahagoni-kirschrot sein mit Strähnchen im Mon-cheri-Auberginen-Ton.

Die Haarwäsche, die ich aus organisatoreischen Gründen nach dem Zuschnitt bekomme, wird in der Mitte des Raumes zelebriert, immer mit der gleichdoofen Frage der Azubis "geht die Wärme so?" dabei wissen die ganz genau, dass es mir so ziemlich egal ist, ob es kalt oder heiß ist ... komm ja schließlich spätestens nach vier Wochen wieder, meistens nach 14 Tagen zum faconieren. Dafür bekommt sie aber trotzdem ihren Zwickel, schafft sie es doch - wie all die anderen Vorgängerinnen auch - meine Kopfhaut mit Gänsehaut zu bedecken und mich in den Schlaf zu wiegen. Ist wohl eher eine Kopfmassage als Haarwäsche - ein Traum!

Schon seit den Anfängen verweigert meine Frseurin den Gebrauch von Scheren beim Kürzen meiner Haare. Stattdessen wird mit elektrischen Langhaarschneidern mein Haupt in Form geshaved! Auch hier gilt, je mehr Gänsehaut umso besser der Friseurgenuß. Ich kenn sie inzwischen alle ... ob deutsche Wertarbeit oder japanische Präzisionsschneidmaschinen ... alle haben eines gemeinsam: das einschläfernde Summen um meine Ohren ... im Gegensatz zum penetranten Summen des Bohrers beim Zahnarzt - bei dem ich übrigens nicht einschlafen kann.

Ich erinnere mich, als ich mir Schachbrettmuster in den Hinterkopf fräsen und 20cm lange blonde Kunsthaarsträhnen in die echten schweißen ließ. Daher beneide ich diejenigen nicht, die sich für einige €100.- den ganzen Kopf mit Echthaar in einen Rastatempel verwandeln. Heute gehts da schneller ... in einer halben Stunde ist alles fein säuberlich auf ein Minimalmaß reduziert, die Haaransätze ausrasiert und die Koteletten als Nervenkitzel mit einem richtigen Rasiermesser in Form geschnitzt. Die Tussi, die vorne ihre Naturlangweilebraun in meterlanges Kunstblond eintauschte, wird wohl noch bis zum abend hier aushalten müssen ... gibt es so viele Zeitschriften?

Apropos Zeitschriften ... dieses Mal hab ich wenigsten gleich mein Architekturmagazin bekommen ... das letzte Mal mußte ich mir CQ geben ... wie langweilig ist doch die Welt! Ich hätte mir auch Ellé reinziehen können oder Cosmopolitain, aber da ziehe ich doch Clever & Smart eher vor ... wenn mein AD oder A&W mal nicht da sein sollten!

Heute bitte nicht rasieren! Ja, ab und zu gönn ich mir den Luxus und versuche mich als potentieller Blutspender - vergebens. Sie können es eben - kann ich empfehlen!

Nach dem Schnitt noch die Haarreste rauswaschen und Haarwasser einmassieren ... endgültig eingeschlafen, wenn nicht das Handtuch die Endrunde einläuten würde: Föhnen und Waxen (die Haare und nicht die Beine).

Der obligatorische Blick in den Kontrollspiegel "und? paßt´s?" ... naja bei 1-3cm Haarlänge muß es wohl, würde ja nicht mal mehr für eine Haarverlängerung reichen ... das Blondinchen hat doch eh schon alle verbraucht!

Ja schön! ushiro (sorry, hinten) so schön kurz, da kann mir niemand mehr an den Haaren ziehen ... fein wie ein Chinchilla ... raus auf die Straße ... 4°C ... oha ne Haarverlängerung wäre dann doch besser gewesen ...

niwashi, dessen Lieblingsfilm "Der Mann der Friseuse" von Patrice Leconte ist ...
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Man soll Denken lehren, nicht Gedachtes. ( Cornelius Gustav Gurlitt 1850-1938 )
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