AW: Braune Blätter an Minze
Datscha befindet sich 120 Kilometer süd-östlich von der Stadt Kirov. Ist ein reines Datschagebiet. Ohne Geländewagen ist das Gelände nur schwer zu durchqueren. Neben einigen Elchen gibts reichlich Hasen. Im Winter bedingt durch Nahrungsmangel muss man alles attraktive abdecken. Wintermonate sind sehr sehr hart und zu einsam. Alleine geht das ohnehin nicht. Keine Nachbarn, da ja hauptsächlich Datschagebiet. Zerrt an Kräftereserven. Nur als unerfahrener Großstädter kann man sich überhaupt auf sowas freuen. Leute, wie ich, die das durchgemacht haben sagen "Nie mehr!" Ich habe zwei Winter dort verbracht, das zweite mal hab ich mich dazu nur überreden lassen, weil ich/wir die Datscha so gut isoliert haben und paar Bequemlichkeiten errichtet haben, die selbst den Winter etwas romantisch erscheinen lassen. Transformator wurde mittlerweile gesponsert, somit gibts bald Strom für die paar Häuser und damit Fernseher (denke mal, man kann empfangen). Das Klo und null Duschmöglichkeit sind das Hauptproblem. Plus die Sorge, die man ja doch hat - man denke nur an einen Notfall, wie Asthmaanfall, Knochenbruch, Herzinfarkt, Einbruch oder Brand - bis da jemand kommt - nur der Gedanke daran ist schlimm.
Heimweh? Klar! Deshalb kein Winter mehr dort! Aber im Sommer gibts keinen besseren Ort zum Entspannen und Krafttanken. Ihr glaubt gar nicht, wie das ist: Tagsüber an der Datscha bauen (innen wurde vieles verbessert, gerade Isolierung, Ästhetik), den Acker bearbeiten in Harmonie mit der Natur/Wildnis zu sein. Abends e bissel Radio/Weltempfänger (Batterie) anzuhören. Deutsche Sender, oder einfach ne CD und bei alter Heimatmusik zu entspannen. Gegrilltes zu essen und en Glas Rotwein. Also für mich ist das ein Traum, wie der Urlaub in der Türkei, der ja auch dazu gehört.
Bin ja jetzt zur Zeit in Prag, danach wieder in Berlin. Heisst nicht mehr ganzjährig dort. Wahrscheinlich wird draus eh ne Sommerbleibe. Also eher ein Grillspass. Wenn auch ein sehr aufwendiger. Das heisst werde dieses Jahr nichts mehr anpflanzen. Das war alles zu viel für mich, trotz reichlich Unterstützung und Gesellschaft. Mein Körper macht das einfach nicht mehr mit.
Ist alles wie mit dem Essen: alles in Maßen und abwechslungsreich gestalten. Man kann nicht in völliger Einsamkeit in der Wildnis jahrelang verbringen. Also ich kanns nicht.
Hoffe Fragen beantwortet zu haben. Ach ja und ich bin 54, meine Frau, wie auf einem Photo zu sehen, ist gleichalt. Auf den Bildern ist lediglich mein Sohn zu sehen (Markus Junior), der mich ebenso begleitet, wie dem seine Freundin und paar Freunde.
P.S. Bären soll es auch geben, doch ich hab noch keinen einzigen gesehen. |