Hallo kleine Waldfee,
die Grimmschen Kinder- und Hausmärchen in 3 Bänden, glaube, Auflage von 1939 mit einem mächtig schrägen Vorwort, dem Zeitgeist gemäß.
Der Einband ist blaugrau marmoriert, Leinenrücken, billiges, verbräuntes Papier.
Warum? Die schwarz-weiß Illustrationen von Otto Ubbelohde
http://www.philosophia-online.de/maf...belohde_CD.htm
konnte ich so schön mit Filzer kolorieren und es war in Geheimsprache geschrieben, Fraktur
http://www.suetterlinschrift.de/Lese...e/Fraktur1.htm
Die habe ich mir mit 7 Jahren, zuerst laut buchstabierend, angelesen.
Ich kannte alle Märchen auswendig und wußte jeden Titel, den man in einer Kindersendung 'Kasper und Rene' erraten sollte.
Jahrzehnte später, als auf der Kunstakademie nach den Künstlern gefragt wurde, die einen am meisten beeindruckt oder beieinflußt hätten, wäre mir fast - ganz naiv und ehrlich - auch Otto Ubbelohde rausgerutscht; habe es natürlich unterdrückt und mir etwas anderes aus den Fingern gewrungen, mit mehr adäquatem intellektuellem Imponierpotential.
Dennoch, sie haben bei mir einen deutsch- und Heimatgefühl prägenden Eindruck hinterlassen. Wenn ich z.B. in MeckPomm auf eine in der Sommerhitze flirrende, sandstaubige Dorfstraße gerate, Lindenbläume und Feuerwehrteich, Kinder mit einem Handtuchknäuel unter dem Arm und einem Stück Hefekuchen auf der Faust auf dem Weg zum Badesee, Rauchwalben zwitschern pfeilschnell vorbei - dann habe ich das Gefühl, mich in eine alte, urdeutsche Ubbelohde-Illu verlaufen zu haben, so idyllisch!
Ich war als Steppke auch jahrelang der Meinung, im Wald gäbe es Pilze, Räuberhöhlen, tollwütige Füchse und Lebkuchenhäuser, die man genauso suchen und finden können müßte wie Pilze. Ich wußte auch, daß die alte, krumme Frau im Dorf mit dem angstmachenden Truthahn nur eine Hexe sein konnte.
Habe die Bücher natürlich antiquarisch wieder gekauft.
So viel ausdauernde Liebe und Malwut haben meine Kinderfreunde nicht ausgehalten!