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21.11.2006, 20:24
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#1 (permalink)
| | | Noch ein Gedicht Der Gärtner träumt
Was hat die Traumfee in der Wunderbüchse?
Vor allem ein Gebirg von bestem Mist!
Dann einen Weg, auf dem kein Unkraut wüchse,
Ein Katzenpaar, das keinen Vogel frißt.
Ein Pulver auch, mit dem bestreut alsbald
Blattläuse sich in Rosenflor verwandeln,
Robinien jedoch zum Palmenwald,
Mit dessen Ernte wir gewinnreich handeln.
O Fee, und mache daß uns Wasser flösse
An jedem Ort, den wir bepflanzt, besät;
Gib uns Spinat, der nie in Blüten schösse
Und einen Schubkarrn, der von selber geht!
Und eines noch: ein sicheres Mäusegift,
Den Wetterzauber gegen Hageltücken,
Vom Stall zum Hause einen kleinen Lift,
Und jeden Abend einen neuen Rücken
Hermann Hesse  | |
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29.11.2006, 17:50
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#2 (permalink)
| | Moderator
Registriert seit: 23.03.2005 Ort: Gießen
Beiträge: 670
| AW: Noch ein Gedicht Hallo,
da das hier mal ein Gedichttread ohne bestimmtes Thema ist,
möcht ich euch mal das Gedicht meines Unterganges zeigen...
(Kursarbeit Deutsch...Nicht fertig geworden...So´n Schrott...) Margarete Hannsmann (geb. 1921): Könnt ihr noch Wetterbuchen liefern?
Aber es werden Menschen kommen
denen das zeitauf zeitab
der Fabriken gleichgültig ist
sie wollen nicht auf Märkten einkaufen
aber sie fragen
nach dem Millionen
Jahre alten Wind
ob ihr noch Vögel
Fische
Füchse
Sumpfdotterblumen
aufgehoben habt
wenn anderswo
alle Wälder zerstückelt sind
alle Städte über die Ränder getreten
alle Täler überquellen vom Müll
Könnt ihr noch Wetterbuchen liefern?
einen unbegradigten Fluß?
Mulden ohne schwelenden Abfall?
Hänge ohne Betongeschwüre?
Seitentäler ohne Gewinn?
habt ihr noch immer nicht genug
Einkaufszentren in die Wiesen gestreut
Möbelmärkte zwischen Skabiosen
nicht genug Skilifte ohne Schnee
Nachschubstraßen für Brot und Spiele
Panzerschneisen hügelentlang
Fichtenschonungen auf der Albheide
wenn ihr die Schafe aussterben laßt
stirbt der Wachholder
(Hannsmann, Margarete: Im Gedächtnis der Erde geprägt. Swiridoff, Schwäbisch Hall 1973)
LG, Stephanie |
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29.11.2006, 18:32
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#3 (permalink)
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Registriert seit: 08.04.2006
Beiträge: 2.405
| AW: Noch ein Gedicht Hi Stephanie!
Sehr schönes Gedicht, das die Alb treffend beschreibt. Ich las die Tage im Museum Würth anlässlich der Attersee-Ausstellung dieses:
HERBSTLICHT
Drunt in des Halses Wurzeln
Haust mein Fabrik, mein Keim
Und herbstens wenn ich schände
Tritt Gott durchs Knopfloch ein
Spitzohrig trauben Schäume
Das Herz jetzt weit, sehnt zart
Der Adern Bucht voll Träume
Mein reißend Fleisch schwillt hart
Im Zopfgeschmack kreist Zunge
Der Strand heißt zuckend Land
Ja herbstens wenn ich schände
Ins Blut selbst krallt die Hand
Glänzt Fleisch, wundfrisch von Bräuten
Gleich Korn in Sonn wird Glut
Von Almen Glocken läuten
Solch Licht mein Herz tut gut
Bye
-John
__________________ Fülle Deine Tage mit Leben, nicht Dein Leben mit Tagen. |
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29.11.2006, 19:52
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#4 (permalink)
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Registriert seit: 16.04.2006
Beiträge: 1.325
| AW: Noch ein Gedicht - klingt lüstern, Mr Robie!  Welcome back, dear!
__________________ Grüne Grüße - Lazy |
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29.11.2006, 19:55
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#5 (permalink)
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Registriert seit: 01.07.2006 Ort: Rhein-Main Gebiet
Beiträge: 975
| AW: Noch ein Gedicht Aber holla die Waldfee! ich hätts nicht treffender ausdrücken können, Lazy!
__________________ Man muß noch etwas Chaos in sich haben um einen tanzenden Stern gebären zu können (F.Nietzsche) |
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29.11.2006, 20:06
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#6 (permalink)
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Registriert seit: 08.04.2006
Beiträge: 2.405
| AW: Noch ein Gedicht Zitat:
Zitat von Lazy Gardening - klingt lüstern, Mr Robie!  Welcome back, dear! | Ma Chère,
ja, das kann man sagen. Wobei der Autor in einer Endlosschleife per Video zu sehen und zu hören war und eher den Eindruck eines selbstgefälligen Schwätzers machte.
Immerhin schreibt er schöne Gedichte und malt bunte, dekorative Bilder. Das ehrt ihn.
Viele Grüße
-John
__________________ Fülle Deine Tage mit Leben, nicht Dein Leben mit Tagen. |
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29.11.2006, 20:08
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#7 (permalink)
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Registriert seit: 08.04.2006
Beiträge: 2.405
| AW: Noch ein Gedicht Hi Cil!
Ich habe besonders lange über diese Wendung nachgedacht: "herbstens wenn ich schände".
Bisher noch kein Ergebnis. Brauch wohl dringend ein Upgrade für das müde Teil zwischen meinen Ohren.
Bye
-John
__________________ Fülle Deine Tage mit Leben, nicht Dein Leben mit Tagen. |
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29.11.2006, 20:34
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#8 (permalink)
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Registriert seit: 16.04.2006
Beiträge: 1.325
| AW: Noch ein Gedicht - mit eben der Wendung ging es mir auch so. Geschändet ist am stärksten.
Ich war versucht die heftigsten Kernsätze herauszunehmen und untereinander zu setzen.
Hm, Herbstlicht schändet Jugend, Schönheit, Leben - wenn man das Bild schwarz-dunkel-stürmisch-vernichtend aufzieht. Sozusagen Kompost - hihi.
"Drunt in des Halses Wurzel..." hat allerdings die fast die (Naiv-Negativ-) Qualität der "Schlesischen Nachtigall", die sich im Frühling Schnittlauch unter's Rührei mischt - und es auch noch besingt.
Eins ist sicher: Immer noch genüsslicher zu interpretieren als Stephis Waterloo, das ist echt gemein!
Bei mir war bei Gedichtinterpretation - lang, lang ist's her - immer alles drin, von 5er bis 1er Noten.
Weiss hier irgendjemand, was ein "Zopfgeschmack" ist? Fettige Haare und alt etwa?
__________________ Grüne Grüße - Lazy |
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30.11.2006, 09:17
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#9 (permalink)
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Registriert seit: 08.04.2006
Beiträge: 2.405
| AW: Noch ein Gedicht Hi Lazy! Zitat: |
Weiss hier irgendjemand, was ein "Zopfgeschmack" ist? Fettige Haare und alt etwa?
| Ich vermute eher, dass die Zunge des Poeten im Nacken einer Frau kreiste, dort schmeckt es - bei unparfümierten Frauen - nach Hefezopf.
Nun suche ich mal die "Schlesische Nachtigall" ...
Bye
-John
__________________ Fülle Deine Tage mit Leben, nicht Dein Leben mit Tagen. |
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