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Zitat von stefwi Hallo Marry,
klingt nach einer interessanten Alternativen, um den enormen Anfall an Rasenschnitt zu verarbeiten. Ich habe schlechte Erfahrungen mit der Kompostierung von Rasenschnitt, zumal ich Regenwurmkompostierung betreibe und frischer Rasenschnitt sehr viel Wärme produziert. Auch die Verwendung von rasenschnitt als Mulchmaterial ist nur bedingt empfehlenswert. Ich würde mich für die unter 3. dargestellte Technologie interessieren. Gibt es spezielle empfehlenswerte Milchsäurebakterienkulturen?
Viele grüße
StefWi |
Hallo StefWi,
ja, Rasenschnitt ist so eine Sache als Kompostmaterial - es bilden sich schnell Schimmelnester. Für die Fermentation hat Rasenschnitt dagegen ein sehr gutes CN-Verhältnis und ist damit ein leichtes Material.
Hier jetzt schon einmal eine kurze Info zu dem Gewünschten - habe heute was wenig Zeit und wenn etwas unklar ist, bitte nachfragen.
Fermentation in einer Speziellen Tonne (oben unter 3.)
Im Vorfeld 2 wichtige Informationen dazu:
1. die Behältergröße sollte dem Bedarf entsprechen - es macht wenig Sinn für einen sehr kleinen Garten ein riesiges Wasserfass oder eine Mülltonne umzubauen. Es sei denn, man stellt komplett auf diese Umsetzungsmethode um. Handlicher und wohl eher dem "normalen" Bedarf gerecht sind da 30 bis max 60 Liter Eimer oder Fässer.
2. In dieser Tonne wird der Sud aufgefangen - sie hat keinen Bodenanschluss. Dieser Sud sollte möglichst frisch abgezapft werden, damit das Milieu in der Tonne nicht kippt. Der Sud ist ebenfalls frisch zu verwenden. Stark verdünnt dient er als Flüssigdünger bzw. zum Impfen der Böden oder auch als Spritzmittel bei Pflanzenkrankheiten wie zum Beispiel Pilzbefall. Der Sud enthält Milchsäurebakterienkulturen und deren Abbauprodukte (Vitamine der B-Gruppe mal als Beispiel genannt). Der PH-Wert sollte bei deutlich unter 4 liegen. Bei einer Verdünnung von ungefähr 1 : 200 ist man dann im neutralen Bereich. Rhododendren und auch Rosen vertragen Spritzungen von 1 : 50 (mal als Anhaltswert). Pflanzen mit zarteren Blättern sollte man entsprechend verdünntere Lösungen spritzen.
Bei Pilzerkrankungen auch den Boden drumherum gießen (1: 50) - somit verdrängt man pathogene Pilze, die als Sporen auf oder im Boden vorhanden sind.
Aufbau der Tonne:
Fester Außenbehälter = z. B. gut verschließbarer Eimer oder Maischefass
Der Außenbehälter wird mit einem Ablaufhahn (so tief wie möglich) versehen.
Im Außenbehälter wird ein Sieb (Kunststoffplatte, z. B. Untertopf für Blumentöpfe oder Ähnliches, mit Löchern versehen - max 5 mm im Durchmesser) eingesetzt. Hierbei ist darauf zu achten, dass unter dem Sieb ein Freiraum bleibt, damit sich der Sud dort sammeln kann. Man kann z. B. kleine Stücke eines Kunststoffrohres mit Kabelbindern am Sieb befestigen und hat somit kleine Füßchen. Das Sieb sollte möglichst gut passen - damit nicht seitlich Füllmaterial in den Leerraum fallen kann.
Damit das Füllgut beschwert werden kann und möglichst wenig Luftsauerstoff bekommt, nimmt man eine Tüte oder einen Sack aus Plastik und füllt Sand oder Urgesteinsmehl hinein und legt dies immer oben auf.
Wenn man einen gut schließenden Außenbehälter gewählt hat, ist man damit behältertechnisch fertig.
Der Behälter sollte möglichst dunkel (evtl. mit einem Tuch oder dergleichen überdecken und damit abdunkeln) und eher warm stehen. Die beste Fermentationstemperatur liegt so bei 35 Grad Celsius. Ist es kälter, dauert es eben länger.
Leider finde ich adhoc keine Bilder von meiner Tonne - ich schaue mal, dass ich welche mache.
Befüllung und Fermentation:
Man füllt das organische Material möglichst klein in den Behälter - größere Oberfläche = schnellere Fermentation. Bei Rasenschnitt braucht man nicht mehr zu verkleinern.
Man impft das Einfüllgut möglichst gleichmäßig mit Mikroben. Verdichtet und beschwert und verschließt dann die Tonne möglichst luftdicht.
Nach ein paar Tagen befindet sich der erste Sud im Eimer. So lange, wie Sud entsteht, verbleibt das Fermentationsgut auf jeden Fall in dieser Tonne. Wenn kein Sud mehr entsteht hat man 2 Möglichkeiten:
1. man fermentiert alles in der Tonne durch
2. man verschließt das Fermentationsgut in einem luftdichten Sack und fermentiert es darin durch
Das Material sollte nachdem kein Sud mehr entsteht mindestens 2 - besser 4 Wochen weiter fermentieren. Bei hartnäckigen Sachen (Winden usw.) lieber noch etwas länger.
Schwieriges Material: z. B. Efeu oder Moos wegen der antibiotischen Inhaltsstoffe
Günstig ist ein CN-Verhältnis im Grasschnittbereich - also auch hier gilt: manche Dinge funktionieren nur sehr schlecht allein.
Empfehlenswerte Kulturen:
Mmmh ... Vielfalt bringt Stabilität ... günstig sind sicher die Kulturen, die man auch für die Herstellung von Milchsaurem Gemüse / Sauerkraut verwenden würde.
Im Grundsatz gilt: alle Kulturen, die garantiert keine Giftstoffe als Abbauprodukt liefern, sind willkommen.
Für die Landwirtschaft gibt es fertige Seliermittel und vielleicht findet man dort noch Kulturen-Empfehlungen - ich habe das noch nicht nachgesehen.
Ich selbst nehme ein auf Milchsäurebakterien basiertes Multimikrobenpräparat als Urlösung und Brüte mir dann daraus meine Kulturen. Kosten der Grundsubstanzen ("Urlösung" + Nahrung für die Vermehrung) für 1 Liter vermehrter Mikrobenlösung ca. 1,20 Euro, hinzu kommen noch Kosten für Leitungswasser und Energiekosten (wird 7 Tage lang bei 35 Grad Celsius bebrütet)
Diese "Urlösung" ist ein Bodenhilfsstoff mit Zulassungen für Bioland und demeter und enthält über 80 verschiedene Kulturen - neben der Milchsäurebakterien auch Pilzkulturen und Photosynthesebakterien.
Von meiner selbst vermehrten Mikrobenlösung setze ich dann Verdünnungen an von 1 : 50 für die Impfung des Fermentationsgutes ...
Wenn man mit Buttermilch oder dergleichen impft, kann man nicht wirklich verdünnen, da die Mikrobenanzahl je ml weit geringer ist.
Mehr ein anderes Mal - ich muss mich jetzt sputen ...
LG