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01.10.2010 11:20 #1Stuttgart 21 - Die Bäume fallen
Jetzt stelle ich dieses Thema doch mal im Forum zur Diskussion, es interessiert mich, wie man andernorts über das Thema Stuttgart 21 denkt. Vielleicht habt ihr gestern die Bilder im Fernsehen und Internet gesehen: Ab 1. Oktober waren die ersten ca. 30 Bäume zum Fällen freigegeben und heute nacht Punkt 1 Uhr kamen die Harvester zum Einsatz. Eine Freundin war die ganze Nacht im Park und schrieb per SMS, dass die Bäume sofort in den Häcksler kamen, das Geräusch war unbeschreiblich und die Demonstranten haben nur noch geweint. Zuvor sind die Leute von Robin Wood mit Wasserwerfern aus den Bäumen "geschossen" worden, durch den Einsatz von Reizgas, Pfefferspray und Wasserwerfer gab es über 300 Verletzte und das bei einer friedlichen Demonstration (eine Sitzblockade ist nach meinem Verständnis auch friedlich). Auf fluegel.tv könnt ihr die Lifestreams sehen.
Versteht man eigentlich im Rest von Deutschland, was uns Stuttgarter die alten Parkbäume bedeuten? Auch in anderen Großstädten gibt es doch Parkanlagen von historischem Wert, die für die Stadtbevölkerung im Sommer sehr wichtig sind. In Stuttgart ist jedenfalls für die nächsten 10 Jahre wohl damit Schluss.
Birgit
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01.10.2010 11:56 #2AW: Die Bäume fallen
Hallo Birgit,
habe es heute morgen mit traurigen Augen verfolgt wie die Bäume den Maschienen zum Opfer vielen.
Mein Gedanke war in dem Moment schade das sich Bäume nicht wehren können und die Bagger angreifen!
Was mich wirklich verärgert hat war wie brutal gegen die Demonstranten vorgegangen wurde, sogar gegen die Kinder , da sagte man doch noch glatt heute morgen in den Nachrichten das die Eltern selber Schuld seien wenn sie Kinder zu solchen Demonstrationen mitnehmen und sie auch noch in die erste Reihe stellen würden?!
Darf man in diesem Land gar nichts mehr????????????????????ß
Nichtmal friedlich demonstrieren ohne zu befürchten gleich verletzt zu werden?
Ich bekomme echt Angst wenn ich sehe wie die Regierungen vorgehen, was passiert da erst wenn mal bei uns ein großer Generalstreik kommt wegen den ganzen Einsparungen z.B.?
Aber genau mit solchen Aktionen versucht man ja die Massen schon im Vorfeld einzuschüchtern.
Schade finde ich das die Menschen immer noch nicht viiiiiiiiiel mehr zusammenhalten und das nicht 100.000 Menschen mehr sich dort hinbegeben haben aus der Umgebung um einmal zu zeigen wir das Volk haben auch eine Meinung und wollen das man uns ernst nimmt den wir wählen Euch!
Die machen doch alle was sie wollen ohne Rücksicht auf Verluste!
Ich habe mitlerweile so eine Wut in mir das .... schreib es lieber nicht!
Schade das man die Bäume nicht wenigstens umsiedeln konnte in einen neuen Park.
Vielleicht könnt ihr ja die Kraft nutzen die Ihr zur Verteidigung leider vergebens aufgebracht habt und eine neue Parkanlage aufbauen.Geändert von Stupsi (01.10.2010 um 12:04 Uhr)
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01.10.2010 11:58 #3AW: Die Bäume fallen
Hallo Birgit,
Das ganze Polizeieinsatz ist m.M.n. unangemessen gewesen.
Erst wo es in die nationale Medien gekommen ist, wussten wir alle so gut wie nichts von die Wiederstand gegen diese Projekt. Warum ist es so häufig das erst wenn's zu spät ist der Wiederstand sich formiert??
LG,
Mark
Der dafür ist daß die Bürger in viele Angelegenheiten direkt entscheiden sollen.
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01.10.2010 12:04 #4AW: Die Bäume fallen
Da ich kein Fernsehen habe,hab ich das Ganze nur am Rande mitverfolgen können.
Mir persönlich tut es immer weh,wenn gesunde Bäume für irgendeinen architektonischen Schwachsinn gefällt werden.
Wir hier in Dresden haben da reichlich Erfahrung gesammelt - die Waldschlößchenbrücke ist da ein trauriges Beispiel.
Wo Profit gewittert wird,bleibt die Natur auf der Strecke und diejenigen,die dagegen protestieren,sind leider zu wenige.
LG Gräubchen
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01.10.2010 12:25 #5
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AW: Die Bäume fallenHallo zusammen,
ja - warum hat man oft den Eindruck, dass die Bürger zu spät reagieren?
Ich denke im konkreten Fall wurde dieses Projekt lange Zeit doch eher lokal (also im Großraum Stuttgart) wahrgenommen. Obwohl ich immerhin in BaWü zu Hause bin (ganz am östlichen Rand), habe ich nicht so recht mitbekommen, wie weit die Planungen fortgeschritten sind. Vorallem habe ich nicht mitbekommen, was dieses Projekt im Einzelnen bedeutet - meist wurde nur über die horrenden Kosten berichtet.
In meinen Augen haben aber sehr viele Bürger sehr wohl durch ihre Wahl-Kreuzle deutlich gemacht, dass sie gegen dieses Projekt sind (schaut euch doch mal die Verschiebungen im Stuttgarter Gemeinderat bei der Wahl 2009 an). Das reichte aber leider nicht, da bei diesem Projekt die beiden großen Volksparteien auf derselben Seite stehen. Ich habe übrigens erst durch den Ausgang der Kommunalwahlen gemerkt, dass es dort wirklich brodelt.
Mich macht es echt hilflos, dass man hier als Bürger so wenig Macht hat. Die Abstände zwischen den Wahlen sind für solche Entscheidungen meist zu groß. Man denke z.B. an den Landtag, der wurde 2006 gewählt. Damals redete man noch wenig über Stuttgart21, zumindest nicht als konkretes Projekt, es erschien eher noch wie eine Planung. Wenn jetzt im März 2011 wieder eine Wahl ansteht, dann ist irgendwie "alles zu spät". Auf der anderen Seite müssen die Legislaturperioden schon ausreichend lang für eine kontinuierliche Arbeit sein. Helfen könnten in meinen Augen tatsächlich nur so extra Bürgerentscheide bei solchen Mammutprojekten - wobei auch da das Timing sicherlich eine knifflige Angelegenheit ist (sehr früh interessiert es zuviele Leute noch nicht - später kann es halt auch schon zu spät sein).
Lieben Gruß
Orlaya
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01.10.2010 12:37 #6AW: Die Bäume fallen
@ orlaya - in Dresden gabs so einen Bürgerentscheid.....
den Bäumen hat er nicht geholfen.
Ich glaube,es gibt einfach noch zu viele Leute,die zu bequem sind etwas zu tun.
Mein Bier,mein Fernseher,mein Heim....
LG Gräubchen
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01.10.2010 12:48 #7AW: Die Bäume fallen
Oh ja der Polizeieinsatz war unangemessen. Aber es ist schon traurig, dass irgendwelche Krawallmacher solch friedlich angedachte Demonstrationen nutzen, um Zusammenstöße zu provozieren und leider trifft es dann immer die Falschen. Aber mich haben die Bilder von Wasserwerfern und Tränengas auf Kinder und Rentner doch sehr erschreckt und nachdenklich gemacht. Was kann man tun, dass friedliche Demonstrationen auch wirklich friedlich bleiben
, dass Caoten keine Chancen haben sich hier auszutoben?
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01.10.2010 12:59 #8AW: Die Bäume fallen
Dass die Bäume fallen würden, war ja schon klar, Proteste hin oder her. Sobald wirtschaftlichen Interessen ein Stück Grün im Weg steht, kommt es weg. War so, ist so.
Was ich aber noch schlimmer finde: Habe die Bilder der Räumung in den Nachrichten gesehen und dachte: Das ist nicht bei uns, nicht hier in Deutschland.
So, wie ich erkennen konnte, waren da doch gar keine Randalos, sondern Leute ohne vorhandenes Gewaltpotential. Ältere Menschen, Mütter mit Kindern. Normale Bürger halt.
Den Polizisten mache ich gar keinen Vorwurf, ist deren Job. Aber kann man denn politisch wirklich so ungeschickt sein, einen derartigen Einsatz mit solcher Härte anzuordnen?
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01.10.2010 13:03 #9
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AW: Die Bäume fallenGrauenhaft, ich könnte heulen - 300 Jahre alte Bäume!
Im ganzen Land müssten die Leute demonstrieren, denn letztendlich werden die vielen Milliarden Unkosten für das Mammutprojekt auf ALLE abgewälzt!
Alle Steuerzahler werden zur Kasse gebeten - überall!
Für solche monströsen Vorhaben wird Geld locker gemacht - aber die Kinder der HartzIV Familien kriegen keine Schulbeihilfe mehr, um sich Füller und Hefte zu kaufen.
In diesem Land haben nur noch die GEIER etwas zu sagen!
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01.10.2010 13:14 #10
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AW: Die Bäume fallenHallo zusammen,Was kann man tun, dass friedliche Demonstrationen auch wirklich friedlich bleiben
, dass Caoten keine Chancen haben sich hier auszutoben?
ich muss vorausschicken, dass ich nicht vor Ort war, meine Informationen also nur aus den Medien habe.
Aber waren dort wirklich Chaoten am Werk, die eine ansonsten friedliche Demonstration zu dem gemacht macht, was wir gestern sehen mussten? Man kann so schnell behaupten, dass einige Demonstranten die Polizei angegriffen hätten und nur deshalb Wasserwerfer undCo. eingesetzt wurden...
nur muss man befürchten, dass es im konkreten Fall eben nicht wirklich so war -> Ministerium zieht Meldung über Steinewerfer zurück.
@gräubchen: Ja, das kann ich mir schon gut vorstellen. Es käme aber mit Sicherheit auf die Fragestellung beim Bürgerentscheid an. Wenn nämlich gefragt wird "Sind sie für den Bau von Stuttgart21" dann wären die Faulen indirekt auf Seiten der Gegner.
Ganz grundsätzlich bin ich der Meinung, dass solch weitreichende Projekte explizit von den Bürgern 'genehmigt' werden sollten. Es geht ja nicht nur um die Bäume, bei den horrenden Kosten befürchte ich, dass nicht nur meine Kinder (heute 15 und 12) an den Schulden zahlen müssen, sondern auch noch deren Kinder...
Lieben Gruß
Orlaya
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01.10.2010 13:15 #11AW: Die Bäume fallen
Bei dieser Geschichte lief ganz arg viel falsch.
Dass der Bahnhof und die Gleisanlagen saniert werde müssen, um den ganzen Verkehr weiterhin abwickeln zu können, ist-- soviel ich weiß --- gänzlich umunstritten, bei Gegner und Befürworter! Und die Pläne hörten sich am Anfang auch recht gut an. Ebenso schienen die Kosten überschaubar. Doch so nach und nach wurden immer mehr Details bekannt, die m.E. mit Sorgfalt bis dahin verschwiegen wurden. Inzwischen scheint überall der Wurm drin:
-die Kosten explodieern,
-die versprochene Zeitersparnis ginge gegen Null, wenn man die alten Gleise anständig gewartet hätte,
-dass Bäume gefällt werden müssten, hat am Anfang niemand an die große Glocke gehängt,
-dass man in Zukunft nur noch höchstens 2 1/2 Minuten zum Ein.- und Aussteigen hat, wurde kürzlich erst aufgedeckt.
-um Kosten zu sparen, möchte man an der Sicherheit sparen, das widerum ist noch nicht einmal beantragt
-die Signalanlagen und Oberleitungen im Tunnel sind noch nicht einmal mit eingerechnet. Denn wenn eine moderne Anlage reinkommt, müssen duie meisten Züge umgerüstet werden.(das wurde erst diese Woche bekannt).
-man weiß nicht, inwieweit das zweitgrößte Mineralwasserreservoir Europas dadurch geschädigt wird
-bei der letzten Bürgermeisterwahl sprachen sich die Grünen zugunsten der CDU aus, nachdem ausgehandelt wurde, dass diese eine Bürgerentscheid herbeiführen sollten. Nach der Wahl war davon nicht mehr die Rede, das wäre nach der Satzung gar nicht möglich.
Das sind nur ein paar Punkte, die mir spontan jetzt einfallen. Das kann man bestimmt verlängern.
Man fühlt sich durch diese jetzt bekannt gewordenen Sachverhalte nur belogen, betrogen und hintergangen.
Das mit den Kindern und Jugendlichen stimmt so nicht. Diese waren auf einer genehmigten Demo: Bildung statt Bahnbau. Als sie von den Aktivitäten im Schloßgarten hörten, wichen sie von ihrer genehmigten Route ab und stürmten in den Park.
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01.10.2010 13:17 #12AW: Die Bäume fallen
Also ich finde die ganze Angelegenheit mal wieder absolut typisch. In Deutschland wird von morgends bis abends von Umwelt- und Klimaschutz geredet, aber wenn es dann darauf ankommt, werden mal eben 282 zum Teil, mehrere hundert Jahre alte Bäume (man muss sich diese Anzahl mal wirklich vor Augen halten) abgeholzt. Frei nach dem Motto, Umwelt und Naturschutz ist gut und wichtig, aber jetzt haben wir erst mal die Wirtschaft anzukurblen und können uns nicht um solche Spielereien kümmern.
Ich fand jedenfalls die Bilder ganz schrecklich. Nun ist zwar die Rede das angeblich für Ersatz gesorgt wird, aber mal ehrlich, wie ersetzt man eine mehrere hundert Jahre alte Kastanie, die schon gepflanzt wurde, bevor an einen gesamtdeutschen Reich überhaupt zu denken war, geschweige denn sage und schreibe 282 davon? Und das alles für angeblich 17.000 neue Jobs. Wobei natürlich kein Mensch ernsthaft diese Angaben überprüfen geschweige denn nachweisen kann. Selbst wenn ... wieviel Jobs liegen dank Hartz IV eh wieder nur im Niedriglohnbereich? Und das alles für eine Hochgeschwindigkeitsstrecke, die, rentabel hin oder her, eigentlich doch kein Mensch braucht. Als Bahnpendler steht man sich jeden Morgen im Zug die Beine in den Bauch, hat permanent mit Verspätungen und Problemen zu rechnen, Deutschland hat hinten und vorn kein Geld und nur Schulden aber die Bahn baut milliardenteure Prestige-Strecken. Kann ich alles überhaupt nicht nachvollziehen.
Ausserdem bin ich entsetzt was die Brutalität des Polizeieinsatzes betrifft. Aber das ist vermutlich eine Frage des Standpunktes.
In der DDR hätte man mit Sicherheit von völlig unverhältnismässigen staatlichen Polizeiterror gesprochen, heutzutage ist das lediglich Antwort der Polizei auf Randalierer, Unruhestifter und Gegner jeglichen menschlichen Fortschrittes.
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01.10.2010 14:16 #13AW: Stuttgart 21 - Die Bäume fallen
Also dass es woanders nicht wahrgenommen wird, ist falsch. Schon seit Wochen geht das Thema "Stuttgart 21" durch die Medien. Sogar in Norwegen!!!
Finde die Aktion zum Ko.... Und wenn man damit nachts 01:00 Uhr beginnt Bäume zu fällen, hat das für mich schon kriminelle Ausmasse. Nachts arbeiten doch die Einbrecher, Mörder und anderes Gesindel ....
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01.10.2010 14:45 #14AW: Stuttgart 21 - Die Bäume fallen
Aufpassen! Krankenhauspersonal, Taxifahren, Tankwarte und Zugführer arbeiten Nachts. Richter und Rechtsanwälte übrigens auch
Generell gebe ich - ganz wertfrei - zu bedenken, dass es für jedes Planvorhaben Gesetzmäßigkeiten gibt, die hier offensichtlich eingehalten wurden. Natürlich ist es das gute Recht und Ausdruck unserer Demokratie, dagegen zu demonstrieren. Die Frage, die sich jeder Demonstrant aber hier stellen muss ist, warum er nicht schon vorher die Rechtsmittel ausgeschöpft hat?
Natürlich schmerzt es den Naturfreund in mir, wenn Jahrhunderte alte Bäume in hoher Stückzahl abgeholzt werden müssen. Und es ist höchst bedauerlich, wenn ein wichtiger, zentraler Stadtpark für 10 Jahre nicht oder nur noch eingeschränkt nutzbar ist. Allerdings, mit Veränderungen muss man nun mal leben. Ich würde meine Energie jetzt eher darauf verschwenden, dafür zu sorgen, dass später wieder entsprechend aufgeforstet wird.
demokratische Grüße
Tono
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01.10.2010 15:49 #15AW: Stuttgart 21 - Die Bäume fallen
Hallo Tono,
da fällt mir spontan der Brief von OB Schuster ein, den er an Kinder geschrieben hat, die gegen das Projekt waren: Natürlich wird wieder angepflanzt, da wo jetzt die Gleise sind für den Kopfbahnhof, es werden sogar mehr Bäume angepflanzt als jetzt gefällt werden. Die Gegener haben diesen Brief im Netz auseinandergenommen: Angepflanzt wird natürlich erst, wenn die Bauarbeiten beendet sind und die Züge unterirdisch fahren, also frühestens in 10 Jahren, wenn nicht noch später. Also kann ja jeder für sich mal überlegen, wie lang so ein Bäumchen braucht um ein Baum zu werden. Ich werd das mit Sicherheit nicht mehr erleben.
Aber letztendlich geht es hier nicht um mich und tatsächlich auch nicht um die Bäume und noch nicht mal um den neuen Bahnhof, sondern darum, dass die Bürger jetzt hautnah mitbekommen haben, wie Sie hierzulande behandelt werden. Nach den Protestaktionen in den 70er und 80er (bes. in der DDR) lief ja nichts mehr, man suhlte sich in Politikverdrossenheit. Dass jetzt ausgerechnet in dem erzkonservativen BaWü die Leute aufgewacht sind, weil es sie jetzt vor der eignen Haustür betrifft ist das Erstaunliche. Ich kenne junge Leute, die früher noch nie auf einer Demo waren und jetzt seit Anfang des Jahres jeden Montag und Freitag dabei sind, das muss man sich mal vorstellen! Wir können tatsächlich nichts ändern, auch nicht mit demokratischen Mitteln, es sei denn alle alten Omas und Opas und Wirtschaftsleute und Manager und Firmen- und Fabrikbesitzer usw. machen bei der Wahl plötzlich ihr Kreuzchen bei den Grünen, was unwahrscheinlich ist. Eine Bürgerbefragung wurde 2007 schon abgeschmettert, Tatsache ist, dass in BaWü eine Bürgerbefragung noch nie stattgefunden hat und faktisch gar nicht durchführbar ist. Es wird wie eh und jeh über unsere Köpfe hinweg entschieden und deswegen gehen die Leute auf die Straße, aber kapiert haben das die Politiker wohl noch nicht.
Birgit
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01.10.2010 16:35 #16AW: Stuttgart 21 - Die Bäume fallen
Jepp ... guter Einwand. Fragt sich ob diese ganzen Rechtsmittel im Ernstfall tatsächlich ausreichen würden oder ob die Möglichkeiten der rechtlichen Einflussnahme in Deutschland nicht doch eher Alibifunktion für einen angeblich demokratischen Staat haben. Man möge mich berichtigen, aber ich habe noch niemals gehört das in Deutschland ein umstrittenes Grossprojekt jemals gestoppt worden wäre. Um Jahre oder sogar Jahrzehnte verzögert, abgemildert oder verändert schon, aber noch niemals wirklich komplett verhindert. Beim Neubau des Braunschweiger Stadtschlosses war es genau das Gleiche. Demos über Demos aber am Ende wurde doch der gesamte Stadtpark, ganz ähnlich wie in Stuttgart plattgemacht. Oder eine Autobahn bei Braunschweig. 20 Jahre Demos und Gerichtsklagen und am Ende wurde die Autobahn doch mitten durchs Naturschutzgebiet gebaut. Ich glaube da könnte man eine Endlosliste aufzählen.
Nun ja, das sagt sich so einfach. Rechnen wir doch einfach mal an Hand meines Alters durch. Ich bin nun 45. Wenn in 10 Jahren die Baumassnahmen beendet sein werden, bin ich 55 Jahre. Wenn ab diesen Zeitpunkt sagen wir mal 10 - 30 jährige Bäumchen gesetzt werden dann sind die 20 Jahre später wenn ich 75 Jahre alt bin gerade mal ein Bruchteil so gross wie die Bäume die nun abgeholzt wurden. Ich kann es drehen und wenden wie man möchte, das geht einfach nicht auf. Wenn ein derartiger Park plattgemacht wird, dann ist er mindestens für die nächsten Jahrzehnte verloren. Oder anders gesagt, jeder Bürger der in meinen Alter ist, wird in seinen Leben in Stuttgart an dieser Stelle nie wieder einen solchen Park vorfinden.Natürlich schmerzt es den Naturfreund in mir, wenn Jahrhunderte alte Bäume in hoher Stückzahl abgeholzt werden müssen. Und es ist höchst bedauerlich, wenn ein wichtiger, zentraler Stadtpark für 10 Jahre nicht oder nur noch eingeschränkt nutzbar ist. Allerdings, mit Veränderungen muss man nun mal leben. Ich würde meine Energie jetzt eher darauf verschwenden, dafür zu sorgen, dass später wieder entsprechend aufgeforstet wird.
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01.10.2010 16:36 #17AW: Stuttgart 21 - Die Bäume fallen
Das ist schon richtig. Aber um diese Zeit Bäume fällen? Schon merkwürdig, oder?
Gesetzmässigkeiten? Wer legt die eigentlich fest? Die Natur hat Gesetzmäßigkeiten, denen sie folgt. Die Menschen greifen dort immer wieder ein.
Ein Beispiel aus Norwegen gefällig?
Hier wurde geplant, in den Lofoten nun ebenfalls nach Öl zu bohren. .... Es wurde demokratisch abgeschmettert.
Über den Geiranger Fjord - Weltkulturerbe - sollen nun Hochspannungsleitungen gespannt werden. Bäume müssen dafür gefällt werden. Das ist zur Zeit bei uns ein großes Thema .... Alles für den Menschen? Wohl kaum ....
Du siehst, auch hier gibt es Probleme und .... man sucht nach Lösungen.
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01.10.2010 17:34 #18AW: Stuttgart 21 - Die Bäume fallen
Hallo,
was mich interessiert ist die Frage, welcher Politiker in BW die Direktive fuer die Polizei ausgegeben hat, extrem hart gegen Demonstranten vorzugehen. Etwa nach dem Motto: 'Tut ihnen weh, und sie werden es das naechstemal lassen.'
Ich kann mir nicht vorstellen, dass von sich aus so viele Polizeikraefte gleichzeitig so menschenverachtend agieren.
Gruesse
Harry
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01.10.2010 18:02 #19AW: Stuttgart 21 - Die Bäume fallen
Hallo Harry,
das ist natürlich an ein paar Fingern auszurechen - diese Rambopolitiker hier, die es fertigbringen, jahrhundertealte Platanen, die so schön waren, dass man mit offenem Mund davor stand, für die die Menschen seit Monaten auf die Straße gehen, einfach mitten in der Nacht mit brutaler Gewalt vor den Augen ebendieser Menschen ausreißen zu lassen und ebenso vor ihren Augen in den Schredder zu stecken - muss ich noch mehr sagen? Wer das kann, dem traue ich alles Schlechte zu.
Frank, es tut mir gut, was du schreibst, genauso sehen wir es hier auch.
Petra, ich hoffe sehr, dass ihr in Norwegen eine andere Demokratie habt wie wir.
Mein Sohn (11) der mit uns die Bilder heute morgen im Fernsehen die Nachrichten gesehen hat, fragte mich heute, als ich eine verblühte Rose abknipste: Haben Pflanzen eigentlich auch Nerven? Was fühlen sie?
Meine Tochter (13) Warum machen die das, wenn es die Leute doch nicht wollen, wieviele müssen noch demonstrieren?
Ich weiß langsam keine Antworten mehr.
Birgit
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01.10.2010 18:26 #20AW: Stuttgart 21 - Die Bäume fallen
Wie ich schon sagte, in Braunschweig war es genau das Gleiche. Dort wurde vor einigen Jahren das alte Braunschweiger Stadtschloss wiederaufgebaut. Dieses Schloss war, ähnlich dem Berliner und dem Dresdner Stadtschloss 1945 komplett ausgebrannt und wurde Anfang der fünfziger Jahre abgerissen. Ja die wenigen Aussenmauern wurden komplett abgerissen, sowas gibt es nicht nur unter Ulbricht, unter Adenauer ging das ganz genauso.

Jedenfalls hat sich an dieser Stelle der Schlosspark entwickelt. Das gesamte Areal wurde abgeholzt und das Schloss wieder aufgebaut. Übrigens nur die Fassade, das Innere beherbergt ein Einkaufszentrum. Und dafür hat man einen ganzen Park plattgemacht.
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01.10.2010 19:26 #21AW: Stuttgart 21 - Die Bäume fallen
Auch wenn sehr viele mit Engagement gegen Stuttgart 21 sind, so muss ich ehrlich zugeben, dass ich nicht glaube, dass sie bei einem Volksentscheid gewinnen würden. Denn
1. gibt es auch eine starke Bewegung pro Stgt 21,
2. ist es vielen Leuten egal,
3. sind einige unentschlossen,
4. sagen sehr viele: Jetzt ist schon so viel Geld dafür verbraten worden und man müsste Milliarden € Konventionalstrafen zahlen, wenn alles gestoppt würde, dann sollen sie es doch bauen.
Bei uns gehen die Linien auch durch die ganze Familien mit allen Facetten. Vom Demonstrant bis hin zum Befürworter.
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01.10.2010 22:20 #22AW: Stuttgart 21 - Die Bäume fallen
Hallo Frank
Ich mag dich heute mal berichtigen....
2006 sollte in Hamm ein riesiger See angelegt werden.
Nachdem der Bürgermeister "SEINEN" Traum vorgestellt
hatte, gab es natürlich Befürworter und Gegner für das
Projekt.
Nach endlosen Diskussionen ließ der Herr Bürgermeister
jedoch freiwillig seine Bürger abstimmen:
Klick hier >>> Bürgerentscheid - Beispiel Hamm
Klick hier >>> Nabu - Hamm/Westf.
Es tat ihm zwar sehr leid, aber er akzeptierte
die Entscheidung sofort.
Seitdem war der Lippesee auch nie wieder ein
Thema....!!!
Über Stuttgart 21 habe ich schon, als das Thema
eigentlich noch gar nicht soooo spruchreif war,
einen Bericht auf einem Modelleisenbahn-Video
gesehen.
Die damaligen Visionen hörten sich gar nicht so
schlecht an, was den eigentlichen, neuen Bahnhof
betrafen.
Klar würde es teurer werden, als den Kopfbahnhof zu
renovieren, aber nach dem damaligen Bericht hielten
sich die Kosten in Grenzen.
Daß dafür ein Park mit alten Bäumen gerodet werden
mußte, daß man sich um die Kosten um ein zigfaches
verrechnen würde, daß der alte Bahnhof komplett
abgerissen werden sollte.....davon war damals keine
Rede....
Alles Liebe und Gute
UTE.
die um jeden einzelnen Baum weint
http://www.hausgarten.net/gartenforum/63763-post15.html
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01.10.2010 22:38 #23schweden-geliGastAW: Stuttgart 21 - Die Bäume fallen
tja liebe ute, genau das ist der haken. wie pepino schon schrieb....wir wurden belogen und betrogen....vieles wurde einfach verschwiegen.
auch bei uns in der familie gibt es pro und contra stuttgart 21....
wobei die pro seite eher zu der fraktion gehört, die die bereits entstandenen kosten sieht und darum jetzt für den bau ist.
die abholzung des alten baumbestanden heiß keiner gut.
ich bin für die demos, weil ich finde, dass der bürger zeigen muss,
dass er sich über den tisch gezogen fühlt.....vielleicht wäre deutschland reif für das kapitel "volksentscheid"???
der schauspieler walter sittler war heute auch auf der demo, das radio
brachte ein kurzes interview....sittler kritisierte das vorgehen der polizei,
vor allem gegen die jugentlichen....
...was bei uns im auto sofort ein streitgespräch auslöste.
schönen abend noch.
gruß geli
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02.10.2010 00:56 #24AW: Stuttgart 21 - Die Bäume fallen
Du hast teilweise Recht!
Kinder wurden jedoch von ihren Lehrern/innen zum Demonstrieren 'eingesetzt'. also, so meine ich, manipoliert. Ihnen wurde erklärt, wie sie Polizeiautos 'besetzen' können und auf die Reaktion der Polizisten reagieren müssen. Dies weis ich aus sicherer Quelle. Es waren schätzungsweise 2000 Schüler, die so 'benutzt' wurden.
Natürlich 'springt' die Presse und die Bevölkerung darauf an.
Ich hoffe darauf, dass sich die Bürger nicht manipulieren lassen (!!??)
Grüssle
Marie
Ps.: Ich sehe fast täglich, was sich in Stuttgart abspielt
Jetzt weiss ich gar nicht mehr wem ich antworten wollte, hab für meine Antwort zu viel Zeit gebraucht.Geändert von Werder Bremen (02.10.2010 um 01:03 Uhr)
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02.10.2010 01:38 #25ApisticusGastAW: Stuttgart 21 - Die Bäume fallen
Es kann doch alles auf den Punkt gebracht werden: die Stadt, das Land und die Bahn bezahlen immer gleich viel, egal was es kostet. Darum heißt die Devise von dieser Seite: Wir bauen um jeden Preis, koste es was es wolle. Die Preissteigerungen muss der Bund tragen. Wären Stadt, Land und Bahn auch bei Preissteigerungen anteilig in der Pflicht, dann wäre das Projekt schon tot. Neueste Gutachten gehen von realistischen 18 000 Millionen Euro Baukosten aus. Diese Gutachter haben auch schon Stoibers Transrapid realistisch berechnet, worauf die Planungen abgebrochen wurden.
Noch etwas: der neue Stadtteil mitten in der City lässt bei den Stuttgarter Politikern und Wirtschaftsinteressen Goldgräberstimmung aufkommen. Der Stadt geht es nicht um den Bahnhof und die Strecke, nach Ulm, die sehen in der Möglichkeit eines neuen Stadtteils eine Goldgrube für die Stadt. Die Phantasien sind unendlich groß. Dem reichen Stuttgart wird so mit Bundesmilliarden ein neuer Stadtteil ermöglicht. Milliardenschwere Stadtentwicklung durch Bundesmittel. Wird bald der Stuttgart Soli kommen?
Abgesehen von den Kosten des Projekts, die nach oben wohl offen sind, stellt sich noch die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer reinen ICE-Strecke nach Ulm, da für Güterzüge zu steil. Wer würde einen Autobahnneubau nur für PKW-Verkehr befürworten? Ich glaube keiner. Effektiv kommt man für 18 Milliarden Euro nur 26 Minuten schneller als bisher nach Ulm, wobei da täglich auch nur wenige Züge fahren werden.
Die Landesregierung reagiert zunehmend panisch, da die Umfragewerte drastisch in den Keller fahren. Frau Merkel hat es wohl angekündigt: Wahltag ist Zahltag. Das Wahlergebnis der CDU könnte wohl so werden wie der geplante neue Bahnhof: unterirdisch. Die Zeche aber, die zahlen wir alle.
Gruß Apisticus
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