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22.10.2011 19:19 #126AW: Die Libyer...
sicher, sicher, das ist doch eigentlich selbstverständlich. Ich musste nur gerade an Osama denken, wie der wohl aussah nach seiner Hinrichtung? Die Amerikaner waren halt schlau genug, die Leiche schnell verschwinden zu lassen.
Im Spiegel von dieser Woche ist ein sehr interessantes Interview mit dem Psychologen Steven Pinker "Dämonen und Engel", es geht um die Rolle von Gewalt in der Geschichte der Zivilisation. Er beschreibt seine Theorie, dass Gewalt in unserer Zeit massiv zurück gegangen ist im Vergleich zu früheren Zeiten und belegt es eindrucksvoll mit Zahlen. Auf die Berliner U-Bahnschläger angesprochen, antwortet er so: Die Menschen drehen durch wie man so sagt, und wissen hinterher gar nicht mehr zu erklären, was über sie gekommen ist. Solche Ausprüche kommen praktisch nur in der Gruppe vor. Niemand ist davor gefeit......
Die reißerische Berichterstattung dagegen steht natürlich auf einem anderen Blatt, aber wahrscheinlich geht es mit den Journalisten genauso durch?!!??
Natürlich mit denen von der Bildzeitung um so mehr, wer weiß unter was für Bedingungen die Armen arbeiten müssen!
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22.10.2011 21:19 #127AW: Die Libyer...
Habe gerade Nachrichten gesehen. Nun gehe ich davon aus, dass nicht dieses verwackelte Video von gestern gemeint ist, sondern die Zur-Schau-Stellung der drei Leichen in dem Kaufhauskühlraum.
Trotzdem bin ich der Meinung, dass man nicht nach Wild-West-Manier ehemalige Diktatoren ohne ordentliches Gerichtsverfahren bestrafen darf. Lynchen schon mal gar nicht. Das hätte auch in der Situation von einer ordentlichen Führung verhindert werden müssen.
Wie funktioniert das eigentlich mit den Clans/Familien/Stämmen in den arabischen Staaten? Immer wieder hört man, dass jetzt diese oder jene Familie an der Macht ist. Solange das dort Usus ist, wird sich mit Demokratie nicht viel abspielen.
Parteien? Fehlanzeige.
Zunächst muß sich Libyen erst einmal eine Verfassung geben, die Parteienbildung ermöglicht. Ansonsten bleibt es dabei, dass rivalisierende Stämme die Macht ausüben wollen.
Hat sich schon mal irgend jemand in Libyen dazu geäußert? Wer sind die Anführer der Rebellen? Woher kommen sie? Was ist ihre demokratische Grundausrichtung?
Nur zu sagen, dass in spätestens 8 Monaten demokratische Wahlen sein sollen, ist ein bißchen wenig. Wer soll gewählt werden? Der nächste Diktator mit Großfamilie im Hintergrund?
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23.10.2011 11:26 #128AW: Die Libyer...
die 8 Monate sollen (hoffentlich) reichen, damit sich überhaupt Parteien bilden können, denn das gabs ja bis jetzt nicht.
Ich finde die Bilder auch grauslig, aber wenn ich lese, dass viele Libyer sich gar nicht trauten sich den Rebellen anzuschliessen, weil sie dachten der Gadaffi kommt nochmal zurück und wütet dann noch schlimmer denn vorher, dann ist es wohl wirklich nötig, dass das Volk die Leichen anschauen kann, um zu glauben dass er echt tot ist.
Jörg Ambruster hat im ARD vor 2 Tagen oder so etwas gesagt, das mich sehr beeindruckt hat. Er meinte, die libysche Übergangsregierung habe das geschickt gemacht. Sie hätten immer wieder versucht, die Gadaffi-Treuen zum Umschwung zu überreden, anstatt sie einfach zu verteufeln und zu sagen "ihr seid der Feind". Deswegen sei die Chance, dass sich alle vielleicht doch noch friedlich zusammenraufen viel grösser als anderswo. Denn da gab weniger Beleidigungen und pauschale Schuldzuweisungen als üblich in solchen Situationen.
Diese Überlegung hat mir eingeleuchtet. Tönt logisch. Und Geld werden sie auch haben, wenn sie es geschickt anstellen, wegen dem Öl.
Ich drücke den Libyern die Daumen dass sie den Turnaround schaffen!
P.S. nun dürfen wir ob der vielen neuen Bilder und Informationen aus Libyen bitte Ostafrika nicht vergessen!!! Da sterben die Leute vor Hunger zehntausendweise...
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31.10.2011 12:12 #129AW: Die Libyer...
die Geschichte wiederholt sich irgenwie..........
http://www.welt.de/politik/ausland/a...ch-allein.html
Xena ist entsetzt....die armen Frauen
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31.10.2011 18:06 #130AW: Die Libyer...
Komisch. Als ich hörte, dass Gadaffi tot ist, war ich richtig erschrocken. Dabei war es doch vorhersehbar.
Mein zweiter Gedanke war: Hoffentlich haben sie ihn erschossen - und nicht scheibchenweise ins Jenseits befördert, wie er es jahrzehntelang mit seinen Opfern hat machen lassen.
Ich habe inständig gehofft - für beide Seiten - dass es ein kurzes Sterben war.
Es ist ihr Diktator und ich finde, er wurde in Anbetracht der Umstände geradezu großmütig und gnädig eliminiert (falls es nicht "nur" ein Querschläger war).
Nicolae und Elena fehlen mir auch nicht sonderlich.
Wo sollen die demokratischen Parteien herkommen? Und sind sie die Lösung? Eine Wahlmänner-"Demokratie" unter Lobby-Einfluss nach hiesigem Vorbild? Eine CDU, die in realiter von christllich nicht die Bohne hält, oder eine SPD, die mit sozial nix anfangen kann, oder eine FPD, die aus rückgratlosen Parvenüs besteht? Eine gewisse Dekadenz und Unechtheit lässt sich dem gesammelten, volksfernen, inzüchtigen Parteienkonvolut nicht absprechen, oder?
Da denke ich doch mehr mit Dennis Meadows, der vor Kurzem vor der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ gesprochen hat.
Und hinterher im Deutschlandradio. Tacheles.
MfG
Vita
P.S.: Es handelt sich bei Lybien um eine überwiegend muslimische Gesellschaft (s. die moderate Einschätzung des lybischen Vize in der NZZ). Die Scharia ist "von - bis". Ein Volk MUSS sich entwickeln dürfen; auch und gerade vor seinem ureigenen Hintergrund. Es gibt in der jetzigen Situation keine vorgefertigte Standard-Lösung westlicher Prägung (das zu postulieren, wäre chauvinistisch).
In Tunesien haben die Islamisten - nach 50 Jahren des Verbots und der Unterstützung des großen, armen Teils der Bevölkerung!! - 40% errungen. Das ist im grünen Bereich. Wären es 80 oder 90%, wäre es kritisch.
DAS ist Demokratie. Das, was jetzt dort passiert. That's life.Geändert von Vita (31.10.2011 um 20:49 Uhr)
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31.10.2011 21:57 #131AW: Die Libyer...
Ich hoffe auch, dass es so ist.
Denn:
Wie wir alle wohl wissen, ist Krieg eine blutige Metzgerarbeit. Es gibt grausame Geschehnisse, die man sich kaum in den schlimmsten Phantasien und Kopfgeburten ausmalen könnte und möchte. Und schlimmere. Und es sterben unvermeidlich immer Zivilisten.
Die Details haben wir alle nicht gesehen. Wir wurden geschont.
Wir waren uns diesmal alle einig: Dieser Krieg ist berechtigt. Er ist moralisch gerechtfertigt. Die faule Pflaume fällt vom Baum.
Wir haben in der Berichterstattung juvenile Helden mit handgebastelten Panzerfäusten auf flott sausenden Pick-ups gesehen. Ein lärmender Ausflug in die Wüste, der mit etwas Glück nicht zu lange dauerte, um unpopulär zu werden.
Keine quellenden Gedärme. Entweder stille Verletzte oder nicht zu blutige und entstellte Tote.
Das passiert erstmalig in der Geschichte. Dass alle mit Zensur einverstanden sind, weil sie moralisch von der Berechtigung eines Krieges überzeugt sind.
Wenn es nicht mehr Kriegsgräuel gab und gibt, als z.Z aufgedeckt werden (N24), dann fallen die Opfer unter "Geschichte". Menschen werden in großen Zusammenhängen leicht zu "relativen, mathematischen" Größen.
Verluste.
In Ruanda z.B. waren die Gräuel verheerender und die Tutsi-Frauen bauten dennoch das Land auf. Zusammen mit den Hutu. Welche Chance hätten sie auch sonst nach einem Völkermord gehabt? Genau diese Chance bietet der Wahnsinn, den Wiederaufbau.
Das ist übrigens ziemlich "zynisch" - oder: That's llfe!
Vita, manchmal sehr müde
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31.10.2011 23:14 #132
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03.11.2011 20:37 #133AW: Die Libyer...
JA, nochmals JA, wir können ja nur hoffen dass die Richtigen die Inititiative ergreifen, die Chance bekommen und auch packen!!! Frauen sind da in der Regel besser drin (näher am Leben?) und haben auch mehr Ausdauer.
Ich bleibe optimistisch... auch wenn ich manchmal auch müde werde das zu bleiben
glg susu




