Hallo Chris,
hier meine Erfahrungen zur Begünung eines alten Hauses.
Die Umstände waren fast genauso wie bei Dir - bei mir Lehm im Untergeschoß, in der oberen Etage gemauerte Ziegel. Ich habe mich damals für eine "Selbstkletternde und schnell wachsende Jungfernrebe" entschieden.
Schnellwachsend erschien mir sinnvoll, weil alle Räume in der oberen Etage sonst s...heiß waren und weil sie keine in Spalten eindringende Wurzeln hat, sondern auf der Wand aufliegende Saugnäpfe. Die lassen sich im Notfall auch viel leichter entfernen. Sie sollte sich dann über 2 Hausseiten ausbreiten und die Wände beschatten.
Soweit der Plan!!
Selbstkletternde Jungfernrebe – Wikipedia
Eingepflanzt wurde 1 Pflanze an der Westseite des Hauses.
Im 1. Jahr: starke Wachstumsschwierigkeiten. Sie ist nur ca. 30 cm gewachsen und ich habe die spindeldürren Ranken sogar mit Klebeband an der Hauswand befestigen müssen. Ich dachte, das wird nie was.
Im 2. Jahr: ca. 3m gewachsen, bis in die erste Etage und hat auch zahlreiche Nebenäste bekommen, sie breitete sich trichterförmig nach oben aus, genau wie ich es wollte. Ich war begeistert über das Wachstum und den etwas vorhandenen Schatten an den Wänden. Das starke Wachstum kam aber sicherlich auch, weil ich gewässert habe. Denn dort regnete es nicht hin. Eimerchen mit 5 Lieter Düngerwasser wurde im Pflanzengewusel ebenerdig versteckt und 3 Wollefäden sorgten für ständige Durststillung. Und der Durst war in der Sommerhitze gewaltig.
Im 3. Jahr: Meine Begeisterung ging etwas zurück, denn sie erreichte das Dach und die Südseite. Aber dafür immer mehr Schatten! Schatten!
Im 4. Jahr: Sehr aufwändiger und pflegeintensiver fast WÖCHENTLICHER Schnitt wurde in der Hauptwachstumsphase nötig. Sonst rankten alle Fenster zu. Die Westseite ist wie von mir gewünscht, fast komplett zugerankt und ein ganzer Teil der Südseite auch. Endlich Schatten und man kann sich auch am Tag mal in der oberen Etage aufhalten und nachts gut schlafen.
Im 5. Jahr: Wachstum und Schnitt, Wachstum und Schnitt, aber prima Schatten durch die etwas überhängenden Ranken an den Fenstern.
Im 6. Jahr: Haus verkauft. An einen Junggesellen. Er war total begeistert über die grünen Wände und den so grünen Hof. Ich habe ihm gesagt, daß die schönen grünen Wände sehr, sehr pflegeintensiv sind. Aber ich glaube nicht, daß er mir das so richtig geglaubt hat.
Keine Ahnung ob und in welchem Zustand mein wilder Wein jetzt ist.
Aber: hätte ich das Haus nicht verkauft, wäre ich noch immer sehr froh über den Entschluß, gerade DIESEN wilden Wein gepflanzt zu haben. Ich hätte ihn garantiert nicht entfernt.
Trotz der vielen Schnippelei wird man durch vieles entschädigt.
Durch das viele Grün war sogar auf dem Hof die Luft besser. Prima Schatten auf den Wänden und besseres Klima im Haus. Und das Haus sah von außen toll aus!!! Im Frühling und Sommer klasse grün und im Herbst genauso rot wie auf dem Bild bei Wikipedia. Die Farbe ist wirklich genauso und nicht etwa übertrieben dargestellt.
Ungeziefer hatte ich nicht, weder im Sommer noch im Winter. Als einziges waren im zeitigen Sommer wegen den Blüten viele Bienen da.
Ich kann also viel mehr positives berichten als negatives.
LG Pandora