Schwarztorf - Tipps zur Verwendung im Garten

Wie entsteht Schwarztorf?
 
    
Schwarztorf entsteht durch natürlichen Abbauprozess im Moor. Die in den Mooren abgelagerten Pflanzenreste zersetzen sich langsam, mit fortschreitender Zersetzung steigt auch der Heizwert, weshalb die einzelnen Zersetzungsstufen mit den Bezeichnungen H2 bis H9 klassifiziert werden (H steht für Heizwert). Schwarztorf ist der am weitesten zersetzte und am meisten verdichtete Torf, mit den Heizwerten H6 bis H9, die nachfolgenden Zersetzungsstufen nennen sich dann Kohle.

pflanzen-setzen4 flBis der Schwarztorf entstanden ist, ist eine lange Zeit vergangen: Immer wenn die

Bodenbeschaffenheit erlaubt, dass sich stehendes flaches Wasser in Seen und Flusssenken sammelt, findet im Laufe der Zeit eine Anreicherung von Nährstoffen statt, durch abgestorbene Pflanzenreste verlandet das Gebiet. So entsteht ein nährstoffreiches Niedermoor, das sich unter den richtigen Bedingungen mit seiner Oberfläche nach und nach vom Grundwasser abkoppelt, weil sich Auflagerungen bilden. Ist das passiert, spricht man von Hochmoor: Das Moorwasser hat jetzt nur noch einen niedrigen pH-Wert, enthält kaum noch Nährstoffe und wenig Sauerstoff, weshalb sich die Zersetzung pflanzlicher Substanzen entscheidend verlangsamt. Es bilden sich neue Pflanzen, diese Hochmoor-Pflanzengesellschaften sind an die harten Bedingungen angepasst, ihre Ablagerungen bilden nun den Hochmoortorf. Das dauert unglaubliche Zeiträume: Durchschnittlich lagert sich eine Torfschicht von 1 mm pro Jahr in einem Moor ab, ein Hochmoor wie das norddeutsche Teufelsmoor bei Worpswede entstand in etwa 8.000 Jahren.

Dabei spricht man erst von Torf, wenn das Abbauprodukt mindestens 30 Prozent organische Substanz enthält, die Vorstufen mit einem höheren Nährstoffgehalt werden als Feuchthumus oder Moorerde bezeichnet. Beim Schwarztorf, das der Blumenerde beigemischt wird, handelt es sich ausschließlich um Hochmoortorf, um die älteste Torfschicht dieser in endloser Zeit gewachsenen Moore.

Übliche Verwendung von Schwarztorf

Obwohl dieser Schwarztorf kaum Nährstoffe enthält, wird er gerne als Bestandteil von Blumenerden eingesetzt. Torf hat eine hohe Wasserspeicherfähigkeit und macht die Erde sehr luftig, er ist frei von Schadstoffen und Krankheiten. Allerdings sind die Hochmoortorfe so nährstoffarm, dass sie in naturgegebener Form wirklich allenfalls für Lockerungszwecke eingesetzt werden können und sonst den Boden eher verschlechtern. Deshalb muss der Torf in der Blumenerde mit Dünger künstlich so eingestellt werden, dass er dem Nährstoffgehalt normaler Gartenerde entspricht. Ganz gewöhnlicher Kompost enthält von Natur aus alle Nährstoffe, die gute Gartenerde braucht. Warum wird dann bloß so viel Torf in die Blumenerde gegeben, wenn einfacher Kompost genau das Richtige für die Gartenerde ist, und noch nicht einmal künstlich verändert
werden muss?

pflanzen-setzen7 flLohnender Abbau

Torf wird gerne genommen, weil er schön leicht ist, gut transportiert und verpackt werden kann und damit im Handling wenig Kosten verursacht - und weil auch der Abbau sehr preiswert ist. Denn beim Abbau fossiler Rohstoffe wird keinerlei Bezahlung für die Klimaschäden oder für das fällig, was der Natur für immer entnommen wird ...

Häufig wird nun das Argument entgegengesetzt, dass Torf kein fossiler, sondern ein nachwachsender Rohstoff sei. Das könnte man sicher so betrachten - wenn Menschen nicht um 100, sondern 100.000 Jahre leben würden. Dann würde es nichts machen, wenn ein Mensch im Laufe seines Lebens ein paar Meter Torf verbraucht, inzwischen wachsen ja

neue Moore. Da wir Menschen aber leider nicht so langlebig sind, zerstören wir die Moore mit nicht aufholbarer Geschwindigkeit, für uns ist der Torf ein endlicher Rohstoff.

Nützlicher Torf

Nicht vergessen werden darf auch, dass Torf uns Menschen im Moor sehr viel mehr nutzen kann als auf dem Gartenboden:
  • Die Moore sind wichtige Faktoren zur Erhaltung eines gesunden Klimas, sie speichern etwa ein Drittel des im Boden gebundenen Kohlenstoffs (bei etwa 3 % weltweitem Flächenanteil). Damit sind Moore die größten Kohlenstoffspeicher pro Flächeneinheit, sie binden sechsmal so viel Kohlenstoff wie Wald. Die Moore haben also einen beträchtlichen Einfluss auf das Weltklima, Moorschutz ist wichtiger Klimaschutz.
  • Wenn auf Moorboden Ackerbau betrieben wird, gelangt gebundener Kohlenstoff in die Atmosphäre, diese Nutzung ist also verheerend für die Treibhausgasbilanz.
  • Trockengelegter Moorboden fällt auch als Wasserspeicher nahezu aus, er hält also kein Wasser mehr zurück, das dann ins Grundwasser versickert. Das hat möglicherweise Auswirkungen bis in den regionalen Hochwasserschutz.
  • in den Hochmooren entwickeln sich einzigartige Spezies, sie sind für diese Tiere und Pflanzen ein unersetzlicher Lebensraum.
blumenerde2 flTorffreie Erde als Ersatz

Die Funktionen, die der Torf in der käuflichen Erde wahrnimmt, können von vielen anderen Stoffen übernommen werden. Xylit oder Perlit lockern die Erde, Kompost bringt Nährstoffe und kann auf den richtigen ph-Wert eingestellt werden. Holzschnitzel oder Rinde oder Kokoshumus oder schlichtweg Sand stehen ebenfalls zum Untermischen zur Verfügung, Traubenester oder Spezialdünger bringen spezielle ph-Werte, und das sind nur einige der Stoffe, die bei Herstellung einer Blumenerde eingemischt werden können. Wer sich ein wenig mit dem Thema beschäftigt, wird sich bald schnell und für wenig Geld seine optimale Blumenerde selbst mischen.

Es gibt aber auch viele fertig zu kaufende Erden, die ohne Torf auskommen: Bereits seit 2002 beschäftigt sich die W. Neudorff GmbH KG aus 31860 Emmerthal mit der Entwicklung eines alle Zwecke abdeckenden Sortiments an torffreier Erde, Bezugsquellen und weitere Informationen auf www.neudorff-handel.de. Auch für den Einsatz in Spezialgebieten gibt es Torfersatz, z. B. torffreien Terrarienhumus von Vitakraft, der unter www.fressnapf.de/shop/vitakraft-humus-ballen bestellt werden kann.

Über die bestehenden Angebote hinaus gibt es noch viele spannende Ansätze, den Torf zu ersetzen: Zum Beispiel wird die gezielte Kultivierung von Moorpflanzen wie Torfmoos und Wollgras als Torfersatz erforscht, die bei der Wiedervernässung von Hochmoor angepflanzt werden.