Verschnitt von Wein - so beschneiden Sie Weinreben

Verschnitt von Wein - so beschneiden Sie Weinreben

Der Weinstock am Haus oder im Garten wird immer beliebte. Eigentlich kein Wunder, denn es gibt nicht viele Gewächse, die so dekorativ sind und gleichzeitig auch noch leckere Früchte tragen. Das Schönste daran: Weinreben wachsen schnell und willig.

 

weintrauben-haus flDer Schnitt ist nicht kompliziert, wenn Sie sich einmal mit den Grundlagen beschäftigt haben.

Die Weinrebe am Haus


Die Weinrebe am Haus soll meist an einem Spalier entlang wachsen, das in regelmäßigen Abständen waagerechte

Etagen bekommt. Damit die Weinrebe dieses Spalier gleichmäßig bewächst, muss sie entsprechend erzogen werden:

  • Grundsätzlich wird ein Weinstock zunächst aufgebaut, und zwar wird seine Basis traditionell an einer schnurgeraden Linie entlang gezogen. Diese “schnurgerade” Ausrichtung der Mitte der der Weinpflanze wird Kordonerziehung genannt, vom französischen „corde“ = Schnur.
  • Der frisch gepflanzte Weinstock wächst nicht sofort am Spalier entlang, sondern seine Ausbreitung erfolgt erst, wenn der Stamm etwa einen Meter in die Höhe gewachsen ist. Anfangs geht es also vor allem darum, dass der Stock wächst, gerade nach oben, bis vom ihm abgehende Triebe das Spalier belegen dürfen. Diese Phase nennt man Stockaufbauphase oder Erziehungsphase.
  • Die Grundform wird festgelegt, der Weinstock soll nichts anderes tun, als kräftig zu wachsen. Deshalb sollte es dem Wein in dieser Zeit nicht gestattet werden, viele Trauben anzusetzen - auch wenn die Kinder noch so begierig auf die eigenen Weintrauben lauern.

Damit der Weinstock rasch wächst, dürfen Sie ihm nicht mehr als eine Traube pro Frucht tragendem Trieb lassen. Alle anderen Traubenansätze werden gleich nach der Blüte entfernt. Wenn Sie dieses Vorgehen durchhalten, wird der Wein die vorgesehene Fläche viel rascher ausfüllen als eine Pflanze, die gleich beim Anwachsen parallel viele Trauben vorsorgen musste. Wie lange Sie den Stock gerade am Spalier hochwachsen lassen, ist eher Ihrem Geschmack überlassen: Sie können einen Stamm von nur 50 cm heranziehen, das sollte allerdings das Mindeste sein. Sie können den Stamm aber auch noch einiges höher ziehen.

 

weintrauben-blau flAuf jeden Fall entwickelt dieser Stamm, ähnlich wie eine Tomatenpflanze, am grünen Trieb aus den Blattachseln laufend Seitentriebe. Solange Sie den Stamm noch hochziehen wollen, geizen Sie diese aus, Sie zwicken oder brechen sie also direkt an der Basis aus. Und zwar sofort, wenn sie sich zeigen. Würden Sie diese Triebe erst im Winter schneiden, behielte der Rebstock offene Schnittwunden am Stamm, die er nicht mehr verschließen könnte.

  • Hat der Stamm in der gewünschten Stammhöhe eine Stärke von etwa einem Zentimeter erreicht, erfolgt der erste Winterschnitt im Februar oder März, der der Anlage der Seitentriebe dient. Sie schneiden den verholzten Trieb nun auf die gewünschte Stammhöhe (meist um 1 m) zurück, dort sollte er eben um einen Zentimeter stark sein. Es ist möglich, dass der Stock an dieser Schnittstelle kurz blutet, weil der Saftstrom bereits
    wieder einsetzt, das ist normal.

  • Auf der Höhe des ersten Etagendrahtes sollte der Stamm Augen haben, aus denen nun die Triebe wachsen, die Sie als Grundlage der ersten Etage einsetzen. Sie müssen gut darauf achten, diese Triebe nicht zu beschädigen, sie sollten angebunden werden. Dann dürfen sie zunächst gerade in die Höhe

    wachsen, bis sie im kommenden Frühjahr auf die Seitenetagen des Rankgerüsts gelegt werden.

  • Alle weiteren Triebe am Stamm können Sie noch nicht brauchen. Sie werden also wieder sofort im grünen Zustand ausgebrochen. Wenn er kräftig genug ist, wird der Trieb auf der Etage befestigt. Von diesem Seitentrieb aus lassen Sie jetzt in regelmäßigen Abständen Triebe nach oben wachsen.

  • Erst wenn Sie Ihren Stock so weit haben, dass er die gesamte erste Etage mit kräftigem Wuchs ausfüllt, gehen Sie daran, in genau der beschriebenen Weise die zweite Etage aufzubauen. Wenn Sie Wert darauf legen, dass Ihre Weinrebe sehr gleichmäßig am Spalier hochwächst, müssten Sie sich mit dem sogenannten Zapfenschnitt beschäftigen.

Der ständige Rebschnitt


Wenn Ihr Stock vom Design her seinen Platz eingenommen hat, muss er natürlich trotzdem weiter beschnitten werden, damit er gesund bleibt und schöne Früchte trägt:

  • Von nun an bekommt der Rebstock einen Schnitt im Winter bis Frühjahr (Februar bis März). Das Ziel dieses Schnitts ist, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Wachstum und der Fruchtbarkeit herzustellen.

  • Dieses Verhältnis können Sie durchaus in Ihrem Sinne beeinflussen, den im Grundsatz gilt: Je stärker Sie zurückschneiden, desto mehr wird der Stock wachsen, allerdings dann auch umso weniger Trauben tragen.
  • Das liegt daran, dass ein Weinstock die Blütenknospen fürs nächste Jahr immer schon im Sommer davor anlegt. Wenn Sie im Frühjahr viel schneiden, schneiden Sie also immer mehr von den Blütenansätzen ab, die zu Blüten und dann zu Trauben werden könnten. Auf der anderen Seite hat der Stock dadurch natürlich mehr Kraft, um zu wachsen.

  • weintrauben-schnitt flDeshalb können Sie einen alten Weinstock zu neuem Wachstum anregen, indem Sie ihn stark zurückschneiden, und einen jungen Stock im Wachstum bremsen, indem Sie möglichst wenig wegschneiden und ihn viel Früchte tragen lassen.
  • Ansonsten können Sie nicht viele Fehler machen beim Rebschnitt - solange Sie den Weinstock nicht von seinen Wurzeln abschneiden, wird er alles verkraften, was Sie ihm mit der Schere antun.

Laubarbeiten an der Weinrebe


Der Weinstock möchte im Sommer dann noch  ein wenig gepflegt werden. Diese Pflegearbeiten werden bei den Winzern als Laubarbeiten bezeichnet.

  • Damit die Reben gut gedeihen, brauchen Sie viel Licht, vor allem Sonne, die auch Wärme bringt, und viel Luft. Deshalb werden alle Triebe, die nach hinten oder unten wachsen, entfernt.
  • Auch alle zu dicht stehenden Triebe oder Triebe, die vor sich hinkümmern, sollten ausgebrochen werden. Das kann gleich nach dem Austreiben im Mai geschehen. Das ist auch deshalb wichtig, weil zu dichtes Laub, vor allem dort wo sich Trauben entwickeln, die Gefahr einer Pilzinfektion erheblich erhöht.

  • Sie sollten auch auf eine gleichmäßige Verteilung der Triebe am Spalier achten. Dazu werden alle grünen Triebe, die nicht von selbst in das Spalier hineinwachsen und sich festranken, eingesteckt oder angeheftet. So können Sie auch Triebbrüchen durch Wind vorbeugen.
  • Wenn ein Trieb zu lang wird, kann er immer etwa zehn Blätter über dem letzten Traubenansatz abgeschnitten werden, dann hat er noch genug Laub, um genügend Zucker für die Traube zu produzieren.

  • Zu lang wird ein Trieb immer dann, wenn er droht, in die nächste Etage des Spaliers hineinzuwachsen.
  • Wenn die Beeren kurz vor der Reife sind, können Sie sie freischneiden, damit sie möglichst viel Sonne bekommen. Das ist zugleich auch ein Schutz vor Pilzkrankheiten.

  • Sie können Ihre Weinreben natürlich auch mit Netzen vor hungrigen Vögeln schützen, wenn Sie großen Wert auf die Ernte legen. Oder Sie freuen sich genau an diesem Appetit zahlreicher Vogelarten, die Ihren Garten in der Erntezeit  gerne besuchen werden.

Sie haben keine Hauswand mit Spalier oder überhaupt keinen Garten? Dann können SIe Ihre Weinrebe auch an einem Rankgerüst im Garten oder im Kübel auf einem Balkon ziehen. Der Aufbau des Stockes erfolgt dann entsprechend der obigen Anleitung.