Weinreben verschneiden - Anleitung zum Rückschnitt

Weinreben verschneidenDie Vitalität und Gesundheit von Weinreben stehen unter einem guten Stern, wenn ein Winzer ihnen einen regelmäßigen Rückschnitt gönnt. Diese Prämisse gilt für alle Weinstöcke, ob sie nun für eine reiche Traubenlese oder zur prächtigen Dekoration kultiviert werden. Es gilt, junge Weinreben zum gewünschten Habitus zu erziehen und den älteren Stöcken alljährlich eine Fülle neuer Triebe zu entlocken.  Damit dieses Ziel für Hobbygärtner kein frommer Wunsch bleibt, weist die folgende Anleitung einen praxistauglichen Weg zum richtigen Verschneiden von Weinreben.

Wann ist

der beste Zeitpunkt für den Rückschnitt?


Der zentrale Rückschnitt einer Weinrebe erfolgt während der Saftruhe im Winter. Als weiteres Argument für diesen Zeitpunkt spricht der laublose Zustand des Weinstocks, sodass die Grundform ausgezeichnet zu erkennen ist. Somit öffnet sich das Zeitfenster im November und schließt sich erst im März. Um Ihre Weinreben zu verschneiden, wählen Sie idealerweise einen frostfreien Tag bei bedeckter, trockener Witterung. Die intensiven Strahlen der Wintersonne sollten nicht auf die Triebe treffen. Besonders wüchsige Weinstöcke können im Sommer noch einmal nachgeschnitten werden, vor allem wenn sich am Spalier ein ungepflegtes Erscheinungsbild entwickelt.

Der Winterschnitt

Nachdem ein Weinstock in den ersten zwei bis drei Jahren die gewünschte Erziehung erfuhr, verläuft der alljährliche Rückschnitt nach einem geregelten Ritual. Treten Sie zum Winterschnitt an Ihren Weinstock heran, präsentiert sich Ihnen eine Unmenge sehr langer, miteinander verfilzter Vorjahrestriebe. Die Knospen für die diesjährige Saison sind bereits angelegt, sodass beim Verschneiden von Weinreben deren Anzahl und Anordnung exakt determiniert werden kann. So gehen Sie hierbei vor:
Weinreben verschneiden
  • Angestrebt wird die ideale Kombination aus kurzem, mittellangem und langem Schnitt
  • Einen Teil der Weinreben verschneiden bis auf 2 Knospen (Zapfenschnitt genannt)
  • Einen Teil der Triebe einkürzen bis auf 4-6 Augen (mittellanger Schnitt)
  • An den verbliebenen Ruten 8-12 Knospen belassen (Rutenschnitt)
Nach einem erfolgreichen Winterschnitt weist der Rebstock pro Quadratmeter Wandfläche maximal 10 bis 20 Augen auf, harmonisch verteilt auf kurze, mittellange und lange Weinreben. Um dieses Ziel zu erreichen, werden im Durchschnitt 80-90 Prozent der bestehenden Knospen abgeschnitten. Diese Prämisse erfordert vom Hobbygärtner somit ein beherztes Vorgehen, weil andernfalls die Vitalität des gesamten Weinstocks verloren geht.

Tipp: Das erforderliche Biegen und Binden von Weinreben am Spalier geht leichter von der Hand, wenn es an einem Tag mit feuchter Witterung durchgeführt wird. Die recht störrischen Ranken sind dann deutlich flexibler zu handhaben.


Ausbrechen


Auf den maßgeblichen Winterschnitt folgt im Mai eine weitere Pflegemaßnahme, in deren Fokus die Schaffung von Freiraum für die Entfaltung jeder einzelnen Ranke steht. Es ist von essenzieller Bedeutung, dass an eine Weinrebe genügend Sonne, Luft und Wärme gelangt, damit sie so prächtig gedeiht, wie erhofft. Somit treten Sie in die zweite Phase des Rückschnitts:
  • Sämtliche Wasserschosse ausbrechen,
    die aus dem Stammholz entsprießen
  • Ab einer Höhe von 10 bis 30 Zentimetern mit den Fingern zur Seite abknicken
  • Bei Mehrfachaustrieb aus einer Knospe nur einen daran belassen
Bis zu einer Wuchshöhe von 30 Zentimetern, können unerwünschte Ranken problemlos ausgebrochen werden. Die minimalen Wunden heilen während des Sommers selbständig. Sofern sich ein Exemplar Ihrer Aufmerksamkeit entzog und deutlich länger wurde, kommen Sie um den Griff

zur Rebenschere nicht herum. In diesem Fall ist es ratsam, die Schnittwunde mit Holzkohleasche zu behandeln, damit Krankheitserreger oder Schädlinge sie nicht als Zugang zur Pflanze missbrauchen.

Entspitzen


Weinreben verschneidenEin starkwüchsiger Weinstock lässt seinem Winzer nach dem Ausbrechen nur eine kurze Atempause. Noch vor dem Sommerschnitt verlangen die Weinreben danach, entspitzt zu werden. Investiert eine Ranke die gesamte Energie in das Längenwachstum, bleiben Blüten und somit auch die Früchte auf der Strecke. Das gezielte Entspitzen im Juni schafft einen Saftstau, der die Blütenbildung fördert und somit die Voraussetzungen für einen üppigen Traubenbehang schafft. So funktioniert es:
  • Unterentwickelte Triebspitze zwischen Zeigefinger und Daumen fassen
  • Ein wenig hin und her biegen und abknipsen
  • Der gebildete Saftstau fördert die junge Blüte
Mit dem Beginn der Blüte wird das Entspitzen beendet, denn nun sollte jeder Weinstock in Ruhe gelassen werden. Wenn Sie jetzt noch überflüssige Seitentriebe ausgeizen, fügen Sie der Pflanze einen irreparablen Schaden zu. Es ist übrigens ein völlig natürlicher Vorgang, wenn die Weinreben im Anschluss an die Blüte zwei Drittel der Fruchtanlagen abwerfen. Auf diese Weise selektiert ein Weinstock die Anzahl an Trauben, die er verkraften kann.

Sommerschnitt


Hobbygärtner, die im Winter ihre Weinreben verschneiden, im Mai ausbrechen und im Juni entspitzen, können erfahrungsgemäß auf einen Sommerschnitt verzichten. Im Idealfall steht in dieser Zeit die Traubenernte auf dem Programm. Dienen Weinreben überwiegend einem dekorativen Zweck, fallen zu dieser Jahreszeit mitunter einige vorwitzige Ranken ins Auge, die das Gesamtbild stören. Ein fachgerechter Sommerschnitt sorgt für Ordnung. So geht's:
  • Störende, überhängende Ranken verschneiden, die keinen Fruchtbehang tragen
  • Tragende Reben können bis auf eine Traube und vier Blätter eingekürzt werden
  • Alles Laub beseitigen, das Fruchtstände beschattet
Die Entlaubung im Traubenbereich wird vorzugsweise in mehreren Etappen durchgeführt, verteilt auf 14 Tage. Auf diese Weise beugen Sie einem Sonnenbrand vor.

Tipp: In den ersten drei Jahren kommt für einen Weinstock noch kein Sommerschnitt in Betracht. In dieser Phase bildet sich die erforderliche Grünmasse, als Basis für eine gute Konstitution.


Auslichten

Weinreben verschneidenRespektive der Wuchskraft eines Weinstocks, löst bereits ein einmaliger Ausfall des Winterschnitts eine Verwahrlosung aus. Wer es mehrere Jahre in Folge unterlässt, seine Weinreben zu verschneiden, ist nicht zwingend zur Rodung gezwungen. Ein fachgerechtes Auslichten kann die Pflanze noch retten, die über eine geradezu legendäre Gutmütigkeit verfügt. So gelingt der Plan:
  • Alle kräftigen Stämme einkürzen oder vollständig kappen
  • Gesunde Ranken des Vorjahres verbleiben am Stamm im Abstand von 20-60 Zentimetern
  • Sämtliche kümmerlichen, dünnen Seitentriebe abschneiden
  • Vorjahrestriebe in der unteren Region stärker einkürzen
  • Wasserschosser eignen sich ebenfalls zum Neuaufbau
Glücklich die Hobbywinzer, die in dieser Phase noch die ursprüngliche Erziehungsform erkennen. Wo keine Grundform mehr sichtbar ist, empfehlen Experten die Freie Fächerform. Wer diesem Rat folgen möchte, leitet neue Triebe mit mehr als 4 Augen waagerecht am Rankgerüst entlang.

Fazit

In der Kultivierung eines Weinstocks stellt der alljährliche Rückschnitt den Dreh- und Angelpunkt dar. Den Hauptschnitt nehmen Hobbywinzer während der Saftruhe im Winter vor. Dabei verfolgen sie konsequent den einmal eingeschlagenen Weg der Erziehungsform. Da Weinstöcke zu den gutmütigsten Obstgehölzen zählen, verzeihen sie den einen oder anderen Schnittfehler. Folgt dem Winterschnitt dann noch ein fachgerechtes Ausbrechen im Frühling und Entspitzen im Sommer, werden Sie bald aus eigener Erfahrung bestätigen können, wie unkompliziert Weinreben zu verschneiden sind.