Gefleckter Schierling - Ist die Pflanze giftig? - Bekämpfung

Gefleckter Schierling - Ist die Pflanze giftig? - Bekämpfung

Bei aller Liebe zur Natur: Auch bei uns gibt es giftige Pflanzen, denen vor allem Kinder am besten nicht zu nahe kommen. Die Pflanzen dieser unangenehmen Spezies sollten Eltern deshalb kennen, zu ihnen gehört zum Beispiel der Gefleckte Schierling.

schierling-gefleckter fekGefleckter Schierling - Hintergründe zur Pflanze

Der Gefleckte Schierling (Conium maculatum) gehört zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae, aus historischen Gründen darf auch der Name Umbelliferae noch verwendet werden). Wie

der Wasserschierling (Cicuta virosa) und die Hundspetersilie (Aethusa cynapium) ist er hochgiftig. Dadurch hat er eine gewisse Berühmtheit erlangt, denn der Trank aus Früchten oder Wurzeln wurde im Altertum als Elixier bei Hinrichtungen gereicht.

Der griechische Philosoph Sokrates kam durch den Schierlingsbecher um, nachdem ihm wegen seines angeblich verderblichen Einflusses auf die Jugend und wegen Missachtung der griechischen Götter der Prozess gemacht worden war.

Der Gefleckte Schierling wächst im gesamten mitteleuropäischen Raum, wobei er gegen Norden seltener wird. Auch in Deutschland ist er eher in der Mitte und im Süden zu finden als in Norddeutschland. Er wächst am Wegesrand und am Rand der Straße, auf Schuttplätzen und auf Brachen, manchmal aber auch auf Rübenäckern, und mitunter taucht er auch in Gärten auf. Vor allem wenn er feuchten Lehmboden findet, der sehr stickstoffhaltig ist.

Wie erkennen Sie den Gefleckten Schierling?
  • Wie fast alle Doldengewächse entwickelt er von Juni bis September mehrere Blütenstände, zu erkennen sind dann 8 bis 20 Ansammlungen kleiner weißer Blüten (Doldenstrahlen genannt).

  • Die Blätter sind fiedrig gespalten, ähnlich wie die einer ausgewachsenen Möhre. Wie viele seiner Verwandten (Wiesenkerbel, Wiesen-Bärenklau, Hecken-Kälberkropf, Hundspetersilie) kann er stattliche Größen erreichen, durchaus bis zu 2 Metern. Später im Jahr tragen die Dolden kleine Früchte, die zum Beispiel denen des Kümmels oder den Anissamen sehr ähneln. Der Schierling kann in der Blüte
    schnell mit oben Genannten verwechselt werden, ebenfalls ähnlich sieht er der essbaren Wilden Möhre und dem essbaren Giersch, die jedoch im Durchschnitt deutlich kleiner wachsen.

  • Man kann den Schierling gut erkennen am Stängel, der längs gerippt und meist von rötlichem Reif überzogen ist, im unteren Teil sieht das aus wie rote Flecken. Außerdem soll er intensiv nach Mäuse-Urin riechen. Die meisten Menschen werden von der Einordnung dieser Geruchsnote zwar überfordert sein, aber auf jeden Fall gehört sie nicht zu dem, was wir gerne riechen.

  • Neben dem Geruch warnt der Gefleckte Schierling auch mit seinem Geschmack: Das Alkaloid Coniin macht sich durch Brennen und vermehrten Speichelfluss bemerkbar, die Pflanze soll auch widerlich bitter schmecken.
Giftig, aber normalerweise nicht tödlich

100 Gramm der Pflanze enthalten 2 Gramm Alkaloide. Bei den Früchten sind es sogar bis zu 3,5 Gramm. Ein Mensch ist ernsthaft in Gefahr, wenn er 40 bis 50 Milligramm des Giftes pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nimmt. Ein kleines Kind mit einem Gewicht von 20 Kilogramm müsste demnach mindestens 50 Gramm Blätter zu sich nehmen, bis es gefährdet ist. Das sind schon eine Menge Blätter, das wird es normalerweise nicht tun. Normalerweise ... Wenn kleine Kinder im Garten länger als 2 Minuten unbeaufsichtigt spielen dürfen, fühlt sich wohl jede Mutter

besser, wenn kein Gefleckter Schierling in der Nähe ist.

Bekämpfung des Gefleckten Schierling

Der Gefleckte Schierling hat eine Wurzel, die seine Bekämpfung angenehm leicht macht. Sie wächst nämlich wie eine Möhre gerade nach unten. Der Schierling kann also gut mit senkrechten Spatenstichen ausgestochen werden.

Chemisch lässt er sich eventuell mit Unkrautvernichtern entfernen, mit den üblichen Warnungen: Unkrautvernichter enthält Gift, das auch dem Menschen schaden kann, und allen Pflanzen, die eigentlich überhaupt nicht weg sollten. Ob er allerdings gegen die Pflanze wirkt, die weg soll, ist nicht gesagt. Welches Mittel wo und wie eingesetzt werden darf, muss auch erst durch einen Blick in das Pflanzenschutzgesetz (PflSchG) ergründet werden.

Der Gefleckte Schierling nimmt einen ziemlich prominenten Platz ein in der Liste der giftigsten einheimischen Pflanzen. Finger und Kinder weg heißt es auch bei Eisenhut und Aronstab, Tollkirsche und Herbstzeitlose, Heideröschen und Stechapfel, Pfaffenhütchen, Giftsumach und schwarzem Bilsenkraut. Auch Goldregen, Taumellolch und Eibe gehören zu den Gewächsen, die in den Listen giftiger Pflanzen mit drei Kreuzen besonders hervorgehoben werden. Diese kleine Auszählung enthält nur die Pflanzen, bei denen bunte Früchte oder Samen besonders zum Zugreifen einladen; sie ist auch keinesfalls abschließend.

Zum Schluss noch ein Appell für (unschuldige) Doldengewächse: Auch zahlreiche unserer Gemüse gehören in diese Kategorie, und was wäre das Leben ohne Möhren und Pastinak, Sellerie und Petersilie?

Bildquelle: Gustav Pabst (Hg.): Köhler's Medizinal-Pflanzen in naturgetreuen Abbildungen mit kurz erläuterndem Texte. Gera 1887.