Sterlet - 7 Hinweise zur Haltung im Gartenteich

Sterlet - 7 Hinweise zur Haltung im Gartenteich

Viele Teichbesitzer sind fasziniert vom Stör, einem uralten Fisch, der schon etwa eine viertel Milliarde Jahre auf der Erde lebt. Außerdem sind die Störe sehr sympathische Fische, die man sogar streicheln kann. Das liegt zwar mehr daran, dass ihnen kein Fluchtreflex angeboren ist, als an einem störeigenen Zärtlichkeitsbedürfnis, ist für Kinder aber trotzdem eine tolle Erfahrung. Die meisten Störe erreichen jedoch Größen, die Wassermengen zur Haltung verlangen, von denen ein Gartenteichbesitzer nur träumen kann. Die kleinste Störart, die vielleicht auch in Ihrem Gartenteich zu halten ist,

ist der Sterlet.

  • teich1(1) Der Sterlet (Acipenser ruthenus) ist eine kleine Störart, die durchschnittlich 50 cm, manchmal aber auch mehr als einen Meter groß wird. Der hübsche Fisch ist im oberen Teil dunkelgrau bis braun gefärbt, der Bauch ist heller, beige bis gelblich mit rotem Schimmer. Dekorativ sind die 11 bis 17 elfenbeinfarbenen Rückenschilder, es handelt sich um Knochenplatten mit scharfem Kamm und Haken. Außerdem wird die obere Hälfte von der unteren Hälfte durch viele helle Seitenschilder von der Schwanzwurzel bis zum Kiemendeckel abgegrenzt, was den Sterlet wie mit einem Zeichenstift umrahmt aussehen lässt. Er kommt natürlich in Flüssen vor, im gesamten nordosteuropäischen Gebiet, mit der Donau dringt er südlich bis nach Bayern vor. Der Sterlet bleibt im Süßwasser, im Gegensatz zu anderen Stören wandert er nicht ins Meer.

  • (2) Der natürliche Lebensraum Fließgewässer gibt auch die ersten Hinweise für die Haltung: Auch wenn der Sterlet in einigen Baggerseen Mitteleuropas ausgesetzt wurde und dort überlebt, braucht er Wasserbewegung und viel Sauerstoff im Wasser. Als Flussfisch braucht der Sterlet ausreichend Platz zum Schwimmen, die ausdauernden Schwimmer sind eigentlich ständig in Bewegung, sogar nachts, wo sie gerne die Wasseroberfläche erkunden. Außerdem brauchen Sterlets kühles Wasser, mehr als etwas über 20 Grad darf das Wasser nie werden.

  • (3) Das erfordert große Teiche mit genügend Tiefe, unter 20.000 Liter ist an Störhaltung nicht zu denken. Der Platzbereich mit einer Tiefe von 1,5 bis 2 Metern sollte mindestens so groß sein, dass Sie dem ausgewachsenen Sterlet seine Fluchtdistanz zur Verfügung stellen. Sie beträgt etwa das 12-Fache seiner Körperlänge, im tiefen Bereich sollte der Teich für den Sterlet also mindestens 12 Meter messen. Wichtig ist auch eine ausreichende Durchlüftung, und glücklich wird der Sterlet im Teich wohl nur
    werden, wenn Sie ihm eine Strömung einbauen.

  • (4) Im Gegensatz zu anderen Störarten wächst der Sterlet eher langsam, trotzdem sollten Sie nicht den Fehler machen, niedliche kleine Sterlets von 15 cm Länge im Gartencenter zu erwerben, wo die Fische gerne auch einmal als Schwarmfische angepriesen werden. Für viele Fische von etwa einem Meter Länge bräuchten Sie dann schon einen beachtlichen See vor dem Haus! Sterlets in zu kleinen oder zu flachen Teichen zu halten, ist schlichtweg Tierquälerei, sie gehen dann qualvoll ein.

  • (5) Wenn Teichgröße und sonstige Bedingungen stimmen, müssen Sie noch für ausreichende Fütterung sorgen. Besonders wenn auch andere Fische im Teich leben, verhungern die Sterlets in vielen Teichen, da sie nicht nur sehr langsam fressen, sondern auch keine Fressfeinde kennen und sich deshalb gegen Futterraub nicht wehren. Sterlets ernähren sich von Insektenlarven, Weichtieren und Würmern, die sie

    mit ihren Bartfäden ins Maul befördern. Deshalb können sie nur vom Boden fressen, schwimmendes Futter wird nicht aufgenommen. Da die natürliche Futtermenge dem Sterlet im Gartenteich nicht reicht, muss zugefüttert werden. Dafür gibt es spezielles Störfutter, das schnell auf den Boden sinkt. Geeignet ist auch Karpfenfutter oder Forellenfutter, der Fettgehalt sollte aber 14 % nicht überschreiten. Leider sind Sterlets auch noch ausgesprochene Feinschmecker, nicht nur ein Teichbesitzer musste mehrere Futterarten ausprobieren. Wenn das Futter länger als eine halbe Stunde im Wasser liegt, wird es sowieso verschmäht. Als vorteilhaft haben sich spezielle Futterplätze in Flachzonen erwiesen, die eingesehen werden können. Dort können Sie dann möglichst mehrmals am Tag kleine Menge füttern, insgesamt braucht der Sterlet etwa 1% seines Körpergewichts an Futter. Wenn der Sterlet mit gierigen Fressern wie Kois zusammen gehalten wird, kann eine Fütterung nach Sonnenuntergang verhindern, dass die Kois das ganze Sterletfutter vertilgen.

  • (6) Manche Teichbesitzer füttern auch mit einem Rohr, dass sie im Wasser bis auf den Grund führen und dann mit Futter befüllen, so soll man die Kois austricksen können. Dieser Trick eignet sich auch für die Winterfütterung, denn die winteraktiven Störe müssen mit etwa halber Futtermenge gefüttert werden, während die meisten anderen Fische keine Nahrung bekommen sollten. Nur wenn der Teich zufriert, bekommen auch die Sterlets kein Futter mehr.

  • (7) Eine weitere Gefahr vor allem für kleine Sterlets sind Fadenalgen, die Sterlets haben sehr raue Haut, mit der sie sich in den Algen einwickeln. Denn Sterlets sind ja Flussfische, mit eingebautem Vorwärtsdrang, Rückwärtsschwimmen kennen und können sie nicht. Deshalb können sie sich nicht aus den Algen befreien und verenden. Wenn Sterlets in den Teich gesetzt werden sollen, sollte er also schon vorher von Fadenalgen befreit werden, die Algenfreiheit sollte auch fortwährend kontrolliert werden.