Bittersüßer Nachtschatten (Solanum dulcamara)


tomatenpflanze flNachtschattengewächse gehören zu den Pflanzen, die Eltern kennen sollten, weil sie Kindern gefährlich werden können. In der Küche gehören Kartoffel, Tomate und Aubergine zu ihnen, im Haus Korallenstrauch und Enzianbaum, im Garten der schwarze und der Bittersüße Nachtschatten.

Beschreibung des Bittersüßen Nachtschattens

Der Bittersüße Nachtschatten heißt lateinisch Solanum dulcamara und ist auch unter den volkstümlichen Namen Bittersüß oder Hundbeere, Mäuseholz und Pissranke, Saurebe, Stinkteufel, Teufelsklatte und Wolfsbeere bekannt, um nur einige zu nennen.

Der Halbstrauch aus der Familie der

Nachtschattengewächse (Solanaceae) ist fast überall auf der Welt zu finden, bei uns vor allen an feuchten und mäßig trockenen Stellen, die nicht zu hoch liegen. Das können lichte Wälder oder Ufer sein, Gräben oder Ackerränder und alle anderen Böden, wo viel Nährstoff und Stickstoff, Lehm und Ton vorkommen.

Wenn der Bittersüße Nachtschatten sich in Ihrem Garten angesiedelt hat, erkennen Sie ihn am besten an seinen Glockenblüten, die von Juni bis August in violetter Farbe an Rispen erscheinen. Sie sind nur bis zu einem Zentimeter groß und haben in der Mitte leuchtend gelbe kegelförmige Staubblätter. Aus ihnen entwickeln sich leuchtend grüne, später rot gefärbte Beeren.

Giftiger Nachtschatten
  • Wie alle Nachtschattengewächse enthält er Solanin, ein schwach giftiges Saponin. Auch wenn der Nachtschatten dieser Substanz seinen Namen gab (aus dem schwarzen Nachtschatten wurde das erste Solanin isoliert), kennen wir den kritischen Stoff von Kartoffeln und Tomaten. Der Solaningehalt unterschiedlicher Pflanzenteile ist unterschiedlich hoch.
  • Mittelstark belastet sind Blätter und Stängel, die höchsten Solaninwerte haben die unreifen Früchte, beim Nachtschatten also die grünen Beeren. Für Kinder können schon wenige unreife Beeren tödlich sein.
  • In allen Nachtschattengewächsen erreicht der Solaningehalt in unreifen Früchten schnell bedenkliche Werte, auch in der Tomate. Schon eine unreife Tomate kann sich unangenehm bemerkbar machen.
Die
Beschwerden bei einer Solaninvergiftung äußern sich durch Erbrechen, Magen- und Darmbeschwerden mit Durchfällen, Kratzen im Mund und im Rachen, Pupillenerweiterung und Hautausschlägen. In halb reifen Tomaten ist nur noch etwa ein Zehntel des Solanins der unreifen Frucht enthalten. Deshalb wird auch die amerikanische und südeuropäische Sitte, unreife Restfrüchte der Tomatenernte als Spezialitäten einzulegen, von Ernährungswissenschaftlern kritisch betrachtet. Auch wenn Zucker oder Gärung den Solaningehalt reduzieren können, wird Erwachsenen nur häppchenweiser Verzehr empfohlen, Kinder sollten sich ganz enthalten.

kartoffel-ernte flAuch in Wurzelbestandteilen wie Kartoffeln kann sich Solanin konzentrieren, es findet sich in und unter grünen Stellen auf der Schale sowie rund um die Keime. Diese Stellen sollten reichlich ausgeschnitten werden.

Bittersüßer Nachtschatten als Heilpflanze

Ein Absud aus der Wurzel wurde früher gegen Asthma, Husten und Rheuma verordnet. Aus den Stängeln wurde ein Extrakt gewonnen, der in kleinen Mengen als Abführmittel und zum Entwässern verwendet wurde, bei Rheuma und bei Asthma. In der Homöopathie wurde das Mittel auch gegen Durchfall und Magen-Darm-Beschwerden, Hauterkrankungen und Gelenkerkrankungen, Atemwegsinfekte und andere fieberhafte Infekte verordnet.

Heute werden keine Auszüge der giftigen Pflanze mehr hergestellt, es gibt jedoch Fertigpräparate mit genauen Mengen von Extrakten. Die früher vermuteten Wirkungen wurden von der modernen Wissenschaft überprüft, als gesichert gelten heute folgende Wirkungen: Immunsuppression und Minderung von

Juckreiz, eine Wirkung ähnlich dem Cortison und die Hemmung von Entzündungen. Deshalb werden die Wirkstoffe heute zur begleitenden Therapie bei chronischen Hautleiden eingesetzt, zum Beispiel bei Ekzemen oder Neurodermitis.

Weitere Giftpflanzen

Der bittersüße Nachtschatten gehört übrigens nicht zu den giftigsten einheimischen Pflanzen, denen man im Garten begegnen kann. Noch mehr in acht nehmen sollten Sie sich vor Maiglöckchen und Goldregen, Herbstzeitlose und Eibe, Sadebaum und Seidelbast, Stechapfel und Thuja. Ebenfalls giftige Gartenpflanzen: Ginster, Faulbaum, Kirschlorbeer, Liguster, Pfaffenhütchen, Rizinus, Stechpalme, Aronstab, Bilsenkraut, Eisenhut, Fingerhut, Germer, Hain-Greiskraut, Krokus, Lupine, Rainfarn, Rittersporn, Salomonssiegel, Schierling, Schlafmohn, Tollkirsche, Zaunrübe.

Das war nur eine Aufzählung in Auszügen, die Liste aller giftigen Pflanzen in der freien Natur ist noch wesentlich umfassender. Wenn Sie mit ihren Kindern gerne Ausflüge in die Natur unternehmen, werden Sie um eine Beschäftigung mit diesen Giftpflanzen in Wald und Flur nicht herumkommen, auch die Nummer des Giftnotrufs sollte immer zur Hand sein.

Übertriebene Angst ist jedoch nicht angebracht, giftige Pflanzen schmecken meist so unangenehm, dass sie ausgespuckt werden. Aber sicher ist es positiv zu beurteilen, dass nach der Erfahrung der Giftnotrufe die Gefahr eher überschätzt als unterschätzt wird. Wenn sich zu diesem ausgeprägten Gefahrenbewusstsein noch die richtige Erziehung der Kinder im Umgang mit Giftpflanzen gesellt, haben Sie schon eine Menge getan, um die Gefahr einer Vergiftung zu verringern.