Kartoffeln anpflanzen - so geht's im Garten und auf dem Balkon

Ein Herz für KartoffelnOhne Kartoffeln wäre die tägliche Speisekarte weniger reichhaltig und längst nicht so abwechslungsreich. Darüber hinaus macht der eigenhändige Anbau der tollen Knolle einfach Spaß, da die gärtnerische Messlatte selbst für Anfänger nicht zu hoch liegt. Da im Handel nur ein Bruchteil der zahlreichen köstlichen Sorten verfügbar ist, pflanzen Hobbygärtner Kartoffeln gerne an, um sich auf eine kulinarische Entdeckungsreise durchs Kartoffelland zu begeben. Ein eigenes Beet ist nicht zwingend erforderlich. So geht's im Garten und auf

dem Balkon.

Standort

Eine umsichtige Wahl des Standortes stellt die Weichen für eine üppige Ernte praller, rundum gesunder Knollen. Mit hinein spielen nicht nur die Licht- und Temperaturverhältnisse. Mit Blick auf die allgegenwärtige Gefahr der Kraut- und Braunfäule und des gefürchteten Kartoffelkäfers, darf die Bedeutung der Fruchtfolge nicht unterschätzt werden. Beim Anbau von Kartoffeln im Garten kommt es auf folgende Standortfaktoren an:
  • Sonnige, warme, geschützte Lage
  • Humoses, tiefgründiges Erdreich
  • Idealerweise lehmig-sandig
  • Ein leicht saurer pH-Wert von 5,5 - 6
Zu den fundamentalen Voraussetzungen im Anbau von Kartoffeln gehört eine Fruchtfolge von mindestens 3 Jahren. Das bedeutet, dass sich in dieser Zeit vor dem Anpflanzen von Kartoffeln keine Nachtschattengewächse jeglicher Art am Standort im Kultur befunden haben dürfen.  

Tipp: Eine Mischkultur mit Spinat, Kapuzinerkresse, Petersilie und Tagetes ist von Vorteil, da diese Einsaaten Kartoffelpflanzen vor einem Befall mit der Kraut- und Braunfäule bewahren. Der dichte Pflanzenteppich minimiert Spritzwasser bei Regen, sodass zumindest auf diesem Weg keine Pilzsporen an die Kartoffelblätter gelangen.

Bodenvorbereitung

Der fachgerechte Anbau von Kartoffeln nimmt bereits im Herbst des Vorjahres seinen Anfang. Der Boden am gewählten Standort wird rechtzeitig vorbereitet, um den positive Einfluss einer Frostgare auf die Durchlüftung des Bodens zu nutzen. Je besser das Erdreich mit Sauerstoff versorgt ist, desto aktiver gestaltet sich das Bodenleben. Wer den Herbsttermin verpasst, bearbeitet die Beeterde entsprechend im zeitigen Frühjahr. So gehen Sie dabei vor:
  • Die Scholle 2 Spaten tief umgraben
  • Reifen Kompost und Hornspäne einarbeiten
  • Den Winter hindurch die Beeterde ruhen lassen
Eine ausgezeichnete Vorbereitung des Bodens für den Kartoffelanbau stellt die Aussaat einer winterharten Gründüngung dar. Das 'Landsberger Gemenge' beispielsweise lockert das Erdreich wunderbar auf, ebenso wie Winterroggen, der zugleich Unkraut wirksam unterdrückt. Bevor die Pflanzkartoffeln gesetzt werden, mähen Sie die Gründüngung ab und arbeiten die Pflanzenreste mit der Harke ein.

Vorkeimen

KartoffelernteIndem Sie die Saatkartoffeln vorkeimen, profitieren Sie von einer um bis zu 3 Wochen früheren Ernte. Wer zum ersten frischen Spargel der Saison köstliche Frühkartoffeln genießen möchte, wird sich daher dieses kleinen gärtnerischen Kunstgriffs bedienen. Zwingend erforderlich ist diese Maßnahme indes nicht. So gelingt es:
  • Mitte/Ende März eine ausgediente Obstkiste füllen mit Blumenerde, Kompost-Sand-Gemisch oder Torfmull
  • Saatkartoffeln einer Frühsorte nebeneinander legen, sodass die Seite mit den meisten Knospen nach oben weist
  • Am hellen Standort bei 12 bis 15 Grad Celsius aufstellen
Beim Vorkeimen ist das Wachstum kurzer, kräftiger Triebe erwünscht. Zu langen Austrieb knipsen Sie einfach mit den Fingerspitzen ab. Sollten sich die Saatkartoffeln teilweise grün färben, ist das kein Grund zur Beunruhigung. Das sich hier gebildete Solanin dient in dieser Phase des Wachstums der Pflanzengesundheit.

Kartoffeln anpflanzen

Solange noch Bodenfrost herrscht, ist es zu kalt für das Setzen von Saatkartoffeln. Erst

wenn sich das Erdreich dauerhaft auf etwa 8 Grad Celsius erwärmt hat, kann der Kartoffelanbau beginnen. Für vorgekeimte Frühkartoffeln ist es in der
Regel ab Anfang/Mitte April soweit. Mittelfrühe Sorten pflanzen Sie ab Mitte/Ende April, ohne dass die Saat vorkeimen muss. Späte Kartoffelsorten sollten bis Ende Mai gepflanzt werden. In diesen Schritten gehen Sie vor:
  • Das Beet sorgfältig jäten und feinkrümelig bearbeiten
  • Die Zugabe von Kompost und Gesteinsmehl dient einer organischen Startdüngung
  • Entlang einer gespannten Pflanzschnur gerade Furchen ziehen mit 15 Zentimetern Tiefe
  • Darin die Saatkartoffeln einbetten in einem Pflanzabstand von 30-40 Zentimetern
  • Ein Reihenabstand von 60 Zentimetern gilt als angemessen
Die Abdeckung der Saat mit Erde sollte nicht höher sein als 5 Zentimeter, damit die Frühlingssonne mit ihren wärmenden Strahlen hindurchdringt. Die Erde wird nicht festgetreten, sondern lediglich mit den Händen leicht angedrückt. Ein vorsichtiges Angießen bewahrt die Erde davor, sogleich wieder davon geschwemmt zu werden. Da zu dieser Jahreszeit noch Kälteperioden mit Bodenfrost eintreten können, dient eine Abdeckung mit Vlies dem Frostschutz.

Pflege im Garten bis zur Ernte

Kartoffeln in der ErdeHaben die jungen Kartoffelpflanzen eine Höhe von 15 Zentimetern erreicht, werden sie erstmalig 8 Zentimeter hoch angehäufelt. Regelmäßiges Unkraut jäten ist jetzt Pflicht, wobei nicht in den Boden gehackt wird. Bei Trockenheit gießen Sie das Kartoffelbeet idealerweise mit gesammeltem Regenwasser. Weiterhin ist Anhäufeln empfehlenswert, bis sich ein kleiner Erdwall gebildet hat. Auf diese Weise lockern Sie den Boden auf und bewahren zugleich die Knollen vor einer Grünfärbung. Bis zur Blüte wird organisch gedüngt mit Kompost, Hornspänen, Gesteinsmehl und Rinderdung. Bei planmäßigem Verlauf, können bereits kurz nach der Blüte die ersten zarten Kartoffeln geerntet werden. Sobald das Laub welkt, holen Sie die durchgefärbten Knollen ans Licht und häufeln die Pflanze wieder an. Kartoffeln mit grünen Stellen enthalten gesundheitsschädliches Solanin und sind noch nicht zum Verzehr geeignet.

So geht's auf dem Balkon

Ein eigener Garten ist nicht unbedingt erforderlich, um Kartoffeln anzupflanzen. Nach der folgenden Anbaumethode gedeihen aromatische Erdäpfel ganz wunderbar im Kübel auf dem Balkon.
  • Einen möglichst großen Kübel aus dunklem Kunststoff verwenden
  • In den Boden mehrere Löcher bohren als Wasserablauf
  • Darüber eine 10 Zentimeter hohe Drainage anlegen aus Kies oder Splitt
  • Als Substrat eignet sich ein Mix aus Blumenerde und Sand, eingefüllt in einer 15 Zentimeter hohen Schicht
  • Die Erde mit Wasser aus der Sprühflasche anfeuchten
  • Auf dieser ersten Schicht 4-5 Pflanzkartoffeln auslegen im Abstand von 10 Zentimetern und nicht mit Erde bedecken
  • An einem sonnigen, warmen und geschützten Platz auf dem Balkon platzieren
In den folgenden Tagen sprießen die ersten Keime aus den Saatkartoffeln. Haben diese eine Länge von 10 Zentimetern erreicht, decken Sie die Kartoffeln mit einer weiteren Substrat-Schicht ab, bis nur noch die Spitzen sichtbar sind. Auf diese Weise häufeln Sie die Kartoffeln weiterhin an, bis der Topf bis obenhin mit Erde gefüllt ist. Höher als 80 Zentimeter sollte die Substratschicht nicht werden. In den Blattachseln entwickeln sich dabei immer neue Kartoffeln, sodass sich im Kübel mehrere Lagen der leckeren Knollen bilden. Während dieser Zeit darf die Pflanzerde nicht austrocknen. Gedüngt wird idealerweise mit einem Mix aus verdünnter Beinwell- und Brennnesseljauche oder einem alternativen organischen Dünger.

Tipp: Der Anbau von Kartoffeln auf dem Balkon gelingt ebenfalls im luft- und wasserdurchlässigen Reis- oder Jutesack. Beginnen Sie mit 30 Litern Substrat und mindestens 1 Pflanzkartoffel und gehen nach der gleichen Methode vor, wie beim Kartoffelanbau im Kübel.

Empfehlenswerte Sorten
  • KartoffelsortenSieglinde: eine der frühesten Kartoffelsorten, ideal geeignet für den Hausgarten
  • Linda: die beliebte, festkochende Sommersorte für Garten und Balkon
  • Nicola: mittelfrühe Ernte mit festem, aromatischem Fruchtfleisch
  • Granola: eine der besten späten Sorten mit ausgezeichneter Lagerfähigkeit
  • Rosara: die rotschalige Delikatesse, vorwiegend festkochend und früh reifend
  • Vitelotte: französische, blau-violette Trüffelkartoffel für Gourmets
  • Blaue Anneliese: sehr seltene Sorte mit blauem Fruchtfleisch, festkochend und mittelfrüh
  • Heiderot: neue, festkochende Kartoffel für experimentierfreudige Hobbygärtner
  • La Bonnotte: die legendäre Minikartoffel aus Franken mit maronenartigem Geschmack
Fazit

Mindestens ein Beet im Gemüsegarten reservieren begeisterte Hobbygärtner für den Anbau von Kartoffeln. Das macht Spaß und bringt Abwechslung auf die heimische Speisekarte, weil selbst das Pflanzen außergewöhnlicher Sorten ganz einfach von der Hand geht. Wählen Sie als Standort ein sonnig gelegenes Beet, in dem sich in den 3 Jahren zuvor keine Kartoffeln oder andere Nachtschattengewächse befanden. Idealerweise dürfen Frühkartoffeln im Haus vorkeimen, damit ab Juni die erste Ernte eingefahren werden kann. Regelmäßiges Anhäufeln, Gießen und organisches Düngen erfüllt überdies alle fundamentalen Voraussetzungen für ein vitales Wachstum. Ein eigener Garten ist übrigens nicht unbedingt erforderlich. Im Kübel oder Pflanzsack können Sie Kartoffeln auf dem Balkon anpflanzen. Stimmen alle Rahmenbedingungen, liefert ein Kilo Pflanzkartoffeln eine üppige Ernte von bis zu 20 Kilogramm der tollen Knollen.