Zeckenbiss - was tun? Arzt aufsuchen?

Zeckenbiss - was tun? Arzt aufsuchen? Mit einem Zeckenbiss können Krankheiten übertragen werden - was ist zu tun?Wer sich in der Natur aufhält oder gerne gärtnert, kommt zwangsläufig mit den Bewohnern von Wald und Wiese in Berührung. Gerade in den Sommermonaten Juli bis Oktober kommt es dabei häufig zum Kontakt mit den ungeliebten Zecken, die sich an gut durchbluteten Stellen des menschlichen Körper festsaugen. Um Krankheiten zu vermeiden ist essentiell zu wissen, was während des Bisses geschieht, welche Risiken damit verbunden sind und

wann unbedingt ein Arzt aufgesucht werden sollte.

Der Vorgang des Zeckenbisses

Bei einem Zeckenbiss ritzt die Zecke mit ihren Klauen die menschliche Haut ein, um anschließend ihren Stachel einzuführen. Dementsprechend ist der Begriff "Zeckenbiss" irreführend, da es sich definitorisch um einen Stich handelt. Durch ihren Saugrüssel saugt die Zecke zum einen menschliches Blut und gibt mit ihrem Speichel außerdem mehrere Wirkstoffe in den Wirt ab:
  • Ein Gerinnungshemmer sorgt dafür, dass der Saugrüssel nicht verklebt.
  • Durch einen Klebstoff wird der Stachel an der Einsstichstelle befestigt.
  • Ein Betäubungsmittel und ein entzündungshemmender Wirkstoff machen die Einstichstelle unempfindlich, sodass der Wirt den Parasiten nicht bemerkt
Während des Saugvorgangs gibt die Zecke zusätzlich ständig unverdauliche Bestandteile an den Wirt zurück, woraus die Gefahr resultiert, dass Krankheitserreger des Tieres oder eines vorherigen Wirtes übertragen werden.

Mögliche Krankheiten nach einem Zeckenbiss

Die Liste potentieller Krankheitsübertragungen nach einem Zeckenbiss ist lang und beinhaltet starke Risiken:
  • Fälle von Borreliose kommen in Deutschland bis zu 100 000 mal jährlich vor. In Süddeutschland liegt der Anteil von mit Borreliose verseuchter Zecken bei 30 %. Hierzu gibt es keine Impfmöglichkeit, jedoch kann die Erkrankung bei frühzeitiger Erkennung mit Antibiotika behandelt werden.
  • Bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis kommt es zur Entzündung des Hirns oder der Hirnhaut
  • Das Q-Fieber wird insbesondere dann übertragen, wenn sich die Zecke vorher von einem tierischen Wirt genährt hat
  • Babesien sind Blutparasiten, die primär auf Haustiere und nur selten auf Menschen übertragen werden
  • Allergische Reaktionen auf den Speichel der Zecke können zu Lähmungen oder sogar zum Tod führen
Erste Reaktionen nach einem Zeckenbiss

Die Zecke muss in jedem Falle entfernt werden. Je früher die Entfernung stattfindet, desto geringer ist das Risiko einer Krankheitsübertragung. Borreliose wird beispielsweise erst übertragen, nachdem die Zecke mehrere Stunden gesaugt hat. Nach dem Entfernen des Parasiten sollte die Einsstichsstelle fotografiert und das Datum des Bisses notiert werden. So können die Entwicklung der Wunde und der mögliche Krankheitsverlauf nachvollzogen werden.

Für eine <div align=
zuverlässige Zeckenentfernung braucht man das richtige Instrument - eine Zeckenzange" src="http://www.hausgarten.net/images/2013/zeckenzange-300-fl.jpg" height="179" width="270" />Der Gang zum Arzt

Die Entfernung einer Zecke ist aufgrund ihrer ausgefeilten Mundwerkzeuge nicht unproblematisch. Wer sich dabei unsicher ist und verhindern möchte, dass Reste des Mundwerkzeuges im Körper bleiben, geht vorsichtshalber zum Arzt. Dieser kann den Parasiten fachgerecht entfernen. Grundsätzlich lassen sich Zecken durch spezielle Werkzeuge aber auch zu Hause entfernen. Nach der Entfernung der Zecke können diverse Symptome ein zwangsläufiger Grund sein, sich ärztlich auf mögliche Krankheiten untersuchen zu lassen:
  • gerötete Haut und ein Ausschlag an der Einstichsstelle
  • eine dunkelrote Einstichsstelle mit einem äußeren "Doppelring"
  • grippeähnliche Symptome
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Fieber
  • Versteifung des Nackens
  • Licht- und Geräuschempfindlichkeit
  • Bewusstseinsstörungen
  • Lähmungen
  • Magen-Darm-Erkrankungen
  • Sehstörungen
Diese

Symptome können zwei bis zwanzig Tage nach dem Biss auftreten und erfordern einen Arztbesuch. Wichtig zu beachten ist außerdem, dass das Abklingen von Symptomen nicht die Gesundung bedeutet. Meist kommt es nach diesem Abklingen zu einem weiteren Höhepunkt der Krankheit, die sich anschließend weiterhin verschlimmert. Da ein Großteil der Krankheitsverläufe asymptomatisch verläuft, ist das fehlende Auftreten von Symptomen kein sicheres Zeichen für Gesundheit. Auch Monate nach einem Zeckenbiss kann es zu Symptomen oder dem Ausbrechen einer Erkrankung kommen. Deshalb sind präventive Maßnahmen wie das Tragen langer Kleidung oder das tägliche Absuchen des Körpers die wirkungsvollste Strategie gegen Borreliose & Co.

Der Arzt untersucht nach der Zeckenentfernung die Bissstelle und desinfiziert sie. Sollte die Zecke Borreliose-Erreger übertragen haben, wird dies relativ schnell durch eine Rötung deutlich. Vor allem wenn erste Anzeichen einer Grippe oder eine Rötung um den Biss bemerkt werden, sollte man unverzüglich einen Arzt aufsuchen. Darüber hinaus wird ein Arzt in der Regel ca. 2 Monate nach dem Zeckenbiss eine Blutuntersuchung durchführen und auf Borreliose und FSME testen.

Fazit der Redaktion

Trotz der besten Vorbereitung, dem Tragen von langen Socken, heller Kleidung und dem Vermeiden von nackten Hautstellen und dem Berühren von Gräsern und Sträuchern, kann man einen Zeckenbiss nicht immer vermeiden. Vor allem Kindern ist nicht zuzumuten, im Sommer nicht mehr über die Wiesen zu toben und durch das Gebüsch im Wald zu streifen. Auch die schützende Kleidung ist bei Kindern nicht immer durchzuführen. Wenn es also doch zu einem Zeckenbiss gekommen ist, sollte man schnell und richtig handeln und so bald wie möglich einen Arzt aufsuchen.

Denken Sie daran: Beim Entfernen einer Zecke kann man die Wirkung des Bisses auch verschlimmernAuch wer sich gegen FSME hat impfen lassen, muss unverzüglich zum Arzt. Die Impfung schützt gegen FSME, da dies nicht behandelbar ist; gegen die Borreliose ist keine Impfung sondern nur eine Behandlung mit Antibiotika möglich, die so bald wie möglich nach den ersten Krankheitszeichen erfolgen muss.

Wie man Zecken nicht entfernt

Die oberste Priorität hat das richtige Entfernen einer Zecke. Dabei sollte man auf Hausweisheiten, wie dem Aufbringen von Öl oder Petroleum verzichten. Dies ist völlig wirkungslos und kann ein späteres fachmännisches Entfernen schwierig machen. Eine Zecke wird sich nicht von sich aus lösen, nur weil ihr Öl oder Petroleum die Sauerstoffzufuhr abschneidet. Die Verbindung mit dem Wirt gibt der Zecke alles, was sie braucht. Außerdem besteht durch das Berühren und Einreiben der Zecke die Gefahr, dass Giftstoffe praktisch in den Wirtsorganismus gequetscht werden können. Viele Menschen geben Nagellack oder Klebstoff auf die Zecke. Dies wird die Zecke zwar töten, doch genau dann steigert sich die Abgabe der krankheitserregenden Stoffe.

Eine Zecke sollte niemals mit der bloßen Hand entfernt werden. Die Gefahr, dass der Kopf der Zecke im Fleisch stecken bleibt und dort Entzündungen hervorruft, ist zu groß. Darüber hinaus wird bei der Entfernung durch die Hand zuviel Druck ausgeübt, man quetscht sozusagen den Speichel der Zecke in den Blutkreislauf. Genau dieser Speichel, den die Zecke zum Betäuben der Bissstelle verwendet, überträgt die gefährlichen Krankheiten.