Was sind Laubenpieper?

Was sind Laubenpieper?

In fast jeder Gemeinde gibt es Kleingärten oder Schrebergärten, die von Vereinen verwaltet werden. Dort können Privatpersonen Parzellen mieten, um sich in der Natur zu erholen und eigenes Obst und Gemüse anzubauen.

gartenhaus3_flMeistens befindet sich auf einer solchen Parzelle eine Laube, in der sich die Mieter ausruhen und ihre Geräte für die Gartenarbeit verstauen können. Dadurch entstand die Bezeichnung Laubenpieper, mit der diese Pächter gemeint sind.

Die Geschichte der Laubenpieper

Anfang des 19. Jahrhunderts herrschte große Armut in Deutschland, der einige wohlhabende

Personen und auch Wohlfahrtsorganisationen entgegenwirken wollten. So wurden erstmals 1806 auf Initiative des Landgrafen Carl von Hessen in Kappeln an der Schlei parzellierte Gärten angelegt und für eine geringe Gebühr an Arme verpachtet. Auf diese Weise konnten diese sich mit den allernötigsten Nahrungsmitteln selbst versorgen. Diese Anlage wurde nach ihrem Stifter Carlsgärten benannt. Bald folgten andere seinem Beispiel, sodass es 1826 bereits in 19 Städten solche Armengärten gab. In Kiel legte die Gesellschaft freiwilliger Armenfreunde 1830 den Kleingarten „Prüner Schlag“ an, in dem jeweils 400 Quadratmeter Garten für wenig Geld gepachtet werden konnte. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts
wurden dann in vielen weiteren Städten solche Armengärten angelegt.

Die Bezeichnung Schrebergarten geht auf den Arzt Moritz Schreber aus Leipzig zurück. Ein Schrebergarten war aber ursprünglich keine Gartenkolonie, sondern eine Art Turn- und Spielwiese, die Moritz Schreber zusammen mit dem Schuldirektor Ernst Innozenz Hausschild für dessen Schüler einrichtete. Erst später wurden von einem Lehrer auf dem gleichen Gelände Gärten angelegt, um die Kinder dort zu beschäftigen. Bald folgten jedoch auch die Familien der Kinder und die Parzellen wurden von den Eltern übernommen. Als ihre Zahl mit der Zeit immer mehr anstieg, wurde 1869 ein Verein gegründet. Danach begannen die Pächter bald damit, Zäune, Schuppen und Lauben auf ihre Parzellen zu bauen.

Eine große Anzahl Kleingartenanlagen kam nach dem Zweiten Weltkrieg hinzu. Damals wurden aufgrund des großen Nahrungsmangels viele städtische Grundstücke in Gartenanlagen umgewandelt, um der Bevölkerung eine Grundversorgung zu ermöglichen. Da auch gleichzeitig Wohnungsmangel herrschte, wurden in vielen dieser Gärten die Lauben erweitert, um dort auch zu wohnen. Dies war zwar nicht erlaubt, wurde aber wegen der bestehenden Notlage geduldet.

Heutzutage gibt es Kleingärten in vielen Ländern, Deutschland übernimmt jedoch bei der Anzahl der Laubenpieper die Spitzenposition. Obendrein stehen noch viele Menschen in Wartelisten für einen Garten, weil besonders in Großstädten die Nachfrage das Angebot übersteigt. In weniger dicht besiedelten Gegenden dagegen stehen auch viele Parzellen leer. Naturgemäß sind es vor allem die Personen, die in Mietwohnungen leben und keinen eigenen Garten haben, die besonders an einem Dasein als Laubenpieper interessiert sind.