Du bist hier: » » » » Sumpfkalk - Verarbeitung & Preis

Sumpfkalk - Verarbeitung & Preis

Früher war es üblich, Sumpfkalk für Putz und Anstrichen zu verwenden. Dann wurde immer mehr Chemie ...



eingesetzt, bis Baubiologen immer mehr vor Gesundheitsschäden warnten. Inzwischen geht der Trend wieder zu den natürlichen Baustoffen zurück.

verputzen3 flWas ist Sumpfkalk?

Sumpfkalk kommt aus der Natur, das Kalkgestein Calciumcarbonat wird zunächst bei Temperaturen von 900 bis 1100 Grad gebrannt. Beim Brennen wird ihm das Kohlendioxid entzogen, er wird so zu Calciumoxid (Brandkalk). Dieser Brandkalk wird anschließend mit Wasser gelöscht. Dabei sind möglichst niedrige Temperaturen wichtig, der qualitativ hochwertigste Sumpfkalk entsteht bei Temperaturen, die den Bereich zwischen 85 und 95 Grad nicht verlassen.

Nur erfahrene Kalkbrenner verstehen es, während des Löschvorganges diesen Temperaturbereich zu halten. Wird nicht genau die richtige Menge Wasser zugegeben, “ersäuft” der Kalk oder es können Temperaturen von bis zu 300 Grad entstehen, dann “verbrennt” er. Was die richtige Menge ist, hängt von vielen Faktoren ab. Die entstehende Kalkmilch wird eingedickt und zum Reifen gelagert.

Guter Kalk wird mit Holz oder Gas gebrannt, denn diese Brennstoffe sind schwefelfrei. Das ist wichtig für eine gute Qualität. Wenn mit ...



Kohle oder Öl gebrannt würde, würde sich der in diesen Rohstoffen enthaltene Schwefel während des Brennvorganges mit einem Teil des Kalks zu Gips verbinden. Es entstände also kein reiner Brandkalk.

Das Verblüffendste an diesem Baustoff ist seine Entwicklung beim Einsatz auf dem Bau. Wenn der Sumpfkalk als Zusatz von Mörtel oder als Anstrich wieder der Luft ausgesetzt wird, verbindet sich das in ihm enthaltene Wasser mit dem Kohlendioxid aus der Luft. Dabei entsteht Kohlensäure, die die Kalklauge neutralisiert. Als Ergebnis dieser Kristallisation entsteht wieder Kalkstein, also genau das Gestein, aus dem der Sumpfkalk ursprünglich hergestellt wurde. Was für ein perfekter ökologischer Kreislauf!

Vorteile von Sumpfkalk

Denn Kalk ist alkalisch und desinfizierend, dampfdiffusionsoffen und atmungsaktiv. Feuchtigkeit wird nach außen abgegeben, Schimmel und Pilze finden keinen Nährboden. Deshalb ist die Verwendung von Kalk als Baustoff auch für Allergiker empfehlenswert. Außerdem ist Kalk geruchsneutral und bindet Schadstoffe und lädt sich nicht statisch auf, die Wände bleiben also länger sauber.

Sumpfkalk - Verarbeitung

  • Soll Kalkputz hergestellt werden, werden 1 Teil Sumpfkalk mit 4 Teilen Sand verrührt. Beim passenden Untergrund wird der Spritzbewurf mit diesem reinen Kalkmörtel gemacht. Wenn es notwendig ist, kann dem Spritzbewurf aber auch eine kleine Menge natürlich-hydraulischer Kalk zugeben werden. Nach dem Trocknen des Spritzwurfs wird die erste Lage Putz aufgetragen. Dabei sollte man darauf achten, möglichst wenig zu reiben, weil sonst Bindemittel an die Oberfläche tritt, das hat schnell Rissbildung zur Folge. Diese erste Putzlage sollte je nach Witterung 10 bis 12 Tage ausreifen. Dann wird sie gut befeuchtet, nun wird die zweite Putzlage aufgetragen. Wenn der Putz etwas angezogen hat, aber noch feucht ist, wird der frische Putz mit Kalkmilch geweißt.verputzen2 fl
  • Um Kalkfarbe zu erhalten, wird Kalk mit Wasser gemischt, bis nach alter Handwerkerregel das Metall auf einer Messerklinge durchschimmert (etwa 1:3). Kalkfarbe kann auf kalkhaltige und zementhaltige Putzflächen gestrichen werden. Die Kristallisation wird gefördert, wenn der Anstrich auf die frische Putzfläche gegeben wird, dann wird die Oberfläche besonders fest. Jeder weitere Anstrich wird auf den trockenen Voranstrich aufgetragen.
  • Der Kalkanstrich muss langsam trocknen, die Kristallisation dauert wegen des geringen Kohlendioxidanteils in der Luft relativ lange. Trocknet er zu schnell, kann die Kristallisation inhomogen werden, der Kalk kreidet, kann schwinden oder sogar unbrauchbar werden. Deshalb wurde und wird häufig bei schlechtem Wetter geweißelt, Sonnenbestrahlung ließe den Anstrich zu schnell trocken.
  • Wenn der Anstrich richtig verarbeitet wird, hat er eine ausreichende Abriebfestigkeit. Sie kann aber durch Zugabe von Bindemitteln wie Leinöl oder Magermilch noch erhöht werden. Auf 10 Liter Sumpfkalk werden dann 2 bis 3 Esslöffel Leinöl und/oder 500 Gramm Magerquark in den Kalk eingerührt, dann wird erst mit Wasser verdünnt. Wird Magerquark zugegeben, erhöht sich die Wetterbeständigkeit im Außenbereich, weil sich Kalkkaseinat bildet. Bei Leinöl ist das nicht so, Leinölfirnis sollte dem frischem Putz für den Außenbereich erst im zweiten Anstrich beigemischt werden.
  • Kalkanstrich kann getönt werden, man darf aber nur mit kalkechten Pigmenten arbeiten. Diese lichtechten Erdfarben können bis maximal 5 bis 8 Prozent der fertigen Farbe zugegeben werden (Herstellerangaben beachten). Bei bestimmten Farbtönen und Pigmenten auf Malkonsistenz sind Besonderheiten zu beachten.

Sumpfkalk - Preise

  • Der Preis eines Sumpfkalks richtet sich nach dem Alter und Herstellungsart. Gasgebrannter Sumpfkalk ist preiswerter als holzgebrannter, je länger der Kalk gelagert wurde, desto teurer wird er. Denn je älter der Kalk ist, desto besser sind seine Verarbeitungseigenschaften. Alter Sumpfkalk bewirkt einen dünneren Anstrich bei höherer Deckkraft. Der Anstrich kreidet auch weniger und ist wischfester. Für Putz reicht eine Einsumpfzeit von 3 bis 5 Monaten, für Anstrich wählt man ein Alter von 1 bis 3 Jahren.
  • Welches Alter Sie einsetzen, hängt auch davon ab, was bei der Kalkbrennerei gerade verfügbar ist. Bei der Holzkalkbrennerei Robert Körndl in Altmannstein bei Ingolstadt gibt es momentan (September 2011) zum Beispiel 24, 50 oder 134 Monate alten Sumpfkalk. Also älter, als Sie eigentlich benötigen, was aber bei den Preisen nicht das Problem ist: 10 Liter Sumpfkalk (13 kg) kosten mit einem Alter von 24 Monaten 9,88 Euro, bei einem Alter von 50 Monaten 11,54 Euro und bei einem Alter von 134 Monaten 16,54 Euro.