Lehmstreichputz richtig verarbeiten
Lehm wird als Baustoff gerade wiederentdeckt. In unserer Zeit setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass es durchaus ...
Vorteile bringt, von alten Handwerkstraditionen zu lernen.
Man sieht ja, dass Jahrhunderte haltende Bauwerke geschaffen wurden. Besonders in alten Fachwerkhäusern wird Lehm schon sehr lange als Baustoff für das ganze Haus verwendet. Aber auch in allen anderen Bauten ist die Verwendung von Lehm eine gute Idee: Lehm nimmt Feuchtigkeit aus der Raumluft auf, speichert sie und gibt sie bei Trockenheit wieder ab. Damit beeinflusst dieser Klimapuffer das Raumklima vorteilhaft.
Die verschiedenen Putzstrukturen
Putz kommt von Putzen, auch in der Bedeutung “herausputzen”, ob es sich nun um die oberste Schicht der Hausfassade oder um die Wand im Wohnzimmer handelt. In Deutschland werden viele traditionelle Putztechniken gepflegt. Gröbere Strukturen bewirkt ein Rauputz, der je nach Oberflächeneffekt verschiedene Namen trägt. Kratzputz und Graupenputz, Rappputz oder Knottenwurf erhalten alle ihre spezielle, oft regional differenzierte Behandlung. Mittlere Struktur bringt ein Reibeputz, je nach Körnung des Zuschlagstoffs und der Behandlung mit dem Reibebrett mehr oder weniger.
Soll die Wand ganz fein werden, kann ein Filzputz einem Filzbrett ...
bearbeitet werden, er erhält dadurch eine fast glatte Oberfläche. Die feinste Putzart ist der Glättputz, hier werden langsam abbindende Lehmputze oder Kalkputze mit Glätteisen oder Tadelakt (poliertem Stein) teilweise mehrfach geglättet. Der Glättputz wird vor allem im Innenbereich eingesetzt, an der Fassade ist er rissanfällig und erscheint bei verschiedenem Licht ungleichmäßig.
Mittelweg zwischen einfarbig glatter Wand und Struktur
Genau dieses wechselhafte Wandbild ist bei vielen Innenwänden gewünscht. Viele Menschen, die jahrelang mit der Einheitslösung Raufaser leben mussten, möchten im eigenen Heim etwas anderes. Aber herkömmliche Farbe an der glatten Wand wirkt eintönig, hier ist ein Lehmputz die perfekte Lösung. Er bringt eine glatte Oberfläche in den Innenraum, die sich leicht reinigen lässt. Er suggeriert Lebendigkeit, dominiert aber den Einrichtungsstil nicht in dem Maße, indem das ein Strukturputz tut.
Lehmstreichputz - Natur an der Wand
Wenn dazu noch auf eine atmende Wand aus natürlichem Material Wert gelegt wird, ist ein glatt gefilzter oder mit einer Glättkelle behandelter Lehmputz auch die richtige Wahl. Dessen Anbringung ist aber nicht ganz so einfach, und nicht jeder möchte sich die handwerklichen Fähigkeiten des Putzens in langer Übung aneignen. Vor allem nicht, wenn nur einmal das Wohnzimmer glatt geputzt werden soll. Der Handel hat reagiert und bietet eine neue Lösung an: Ein Lehmstreichputz, der - wie der Name schon sagt - einfach auf die Wand gestrichen wird.
Lehmstreichputz richtig verarbeiten
Wenn Sie den Lehmstreichputz einfarbig auftragen wollen, sind keine Vorkenntnisse notwendig.
- In der Regel wird eine Putzgrundierung auf den Untergrund aufgetragen, die zunächst durchtrocknen muss.
- Dann wird der Lehmstreichputz nach Ihren Wünschen mit Farbpigment gemischt und nach den Herstellerangaben mit Wasser angerührt. Das machen Sie am besten mit der Bohrmaschine und einem entsprechenden Rührvorsatz.
- Nun muss er etwas einsumpfen, das bedeutet, Sie lassen ihn einfach ruhen und rühren ihn anschließend noch einmal durch.
- Dann wird der Streichputz mit einer großen Streichbürste auf die Wand aufgetragen. Dabei arbeiten Sie im Kreuzschlag, streichen also von links unten nach rechts oben, beim nächsten Eintauchen dann umgekehrt.
So erhalten Sie eine Wand mit einem gleichmäßigen, aber durch die besonderen Eigenschaften des Lehmstreichputzes lebendigen Anstrich. Besonders wenn Sie Lehmstreichputz nur einmal streichen, soll und wird der Untergrund immer ein wenig durchscheinen, was ein ausgeprägt wolkiges Bild ergibt. Durch mehrmaligen Anstrich wird der Wolkeneffekt immer feiner.
Lehmstreichputz mit Design-Effekten
Lehmstreichputz kann aber noch mehr. Da die Tönung nur mit mineralischen Pigmenten erfolgen kann, harmonieren diese Naturtöne alle miteinander. Da liegt es nahe, den Anstrich in zwei Tönen auszuführen, die ineinander gearbeitet werden. Für diesen sogenannten Toskana-Effekt mischen Sie zuerst zwei Farben in zwei Eimern an. Beim Auftragen tauchen Sie die Streichbürste dann abwechselnd in die Farben ein und verstreichen diese an der Wand ineinander, auch hierbei wird traditionell im Kreuzschlag gearbeitet.
Es sind aber natürlich noch viele andere Techniken denkbar, die dann andere Wandbilder ergeben. Zum Beispiel eine Strich-in-Strich-Technik, die mit geradem senkrechtem Farbauftrag arbeitet. Grundsätzlich gilt: Je näher die zwei Farben beieinanderliegen, desto ruhiger wird das Gesamtbild. Je kräftiger Sie die Übergänge verstreichen, desto bruchloser gehen die Farben ineinander über.
Tipps der Redaktion
- Eine weitere Möglichkeit für die Gestaltung des Wandbildes ist die Schablonentechnik. Die getrocknete Wand wird mit einer Schablone abgedeckt, in deren Aussparungen nun dekorative Muster aufgetragen werden. Da Sie Ton in Ton oder mit einer oder mehreren anderen Farben arbeiten können, ergeben sich hier unzählige Möglichkeiten zur Gestaltung.
- Zur Gestaltung und zum Schutz kann eine letzte Behandlung mit Naturwachs erfolgen. Vollflächig transparent dient er nur dem Schutz des Anstrichs, er kann aber auch lückenhaft mit einer Schablone aufgetragen werden und/oder eingefärbt weitere Gestaltungsaufgaben übernehmen.
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