Welche Dampfbremse oder Dampfbremsfolie anbringen?
Die überwältigende Mehrzahl der heutigen Bauphysiker empfiehlt den Einsatz einer Dampfbremse, um die Luftdichtheit des Hauses ...
zu bewirken.
Im Unterschied zu einer Dampfsperre wird mit der Dampfbremse die Dampfdiffusion eben nur gebremst und nicht abgeblockt. In der Vergangenheit wurden positive Erfahrungen damit gemacht, diesen Feuchteausgleich zuzulassen.
Welche Dampfbremse für optimales Feuchtemanagement?
Das Ziel einer Dampfbremse ist, begrenzte Feuchte hinzunehmen und eine ausreichend zügige Rücktrocknung zu sichern. Die Bausubstanz sollte nach einem Zyklus der Beanspruchung (in der Regel ein Jahr) nicht mehr enthalten darf als vorher. Winterliches Tauwasser sollte zum Beispiel im Sommer völlig austrocknen; eingedrungener Regen muss während der nächsten Trockenperiode abgegeben werden.
Aber es darf auch in den Zeiten der größten Feuchte nur so viel Wasser eindringen können, wie die Bausubstanz verträgt. Dazu muss zum Beispiel bestimmt werden, wo der Taupunkt innerhalb des Verbunds Wand-Wärmedämmung liegt. Früher wurde zur Bestimmung das Glaser-Verfahren herangezogen, das Taupunkt und Tauwasser anhand verschiedenster Temperatur- und Materialwerte ermittelt.
Heute kann das Temperatur- und Feuchteverhalten anhand einer hygrothermischen Simulationsrechnung sehr genau bestimmt werden. Das Fraunhofer Institut für Bauphysik hat für ...
diese Berechnung ein spezielles Software-Programm entwickelt. Nach den Ergebnissen der Berechnung werden die einzusetzenden Dampfbremsen und ihre Sd-Werte (Dichtheit) bestimmt.
Normale Dampfbremse
Bei bauphysikalisch korrektem Aufbau kann eine herkömmliche Dampfbremse eingesetzt werden. Dies kann ...
- eine Polyäthylenfolie sein,
- oder ein beschichtetes oder imprägniertes starkes Papier,
- oder eine Pappe mit oder ohne Fasergewebeverstärkung.
Diese Standard-Dampfbremsen sind in verschiedenen Sd-Werten erhältlich und können entsprechend der hygrothermischen Berechnung ausgewählt werden. Normale Dampfbremsen haben einen Sd-Wert zwischen 2 und 5 Metern. Das ist für viele Bausituationen passend. Es wird sowohl Schutz vor Tauwasser im Winter bewirkt, wie auch im Sommer das Austrocknen zur Raumseite ermöglicht.
Immer wenn erhöhte Feuchte vorliegt oder ein Bauteil sehr dampfdicht nach außen ist, versagen diese einfachen Dampfbremsen. Das Papiermaterial verliert bei einmaliger Durchfeuchtung seine Funktion, auch sind diese Materialien dann dankbare Schimmelopfer. Sie sind deshalb nur für nach außen diffusionsoffene Konstruktionen geeignet.
Trocknungsfördernde Dampfbremse
Wenn das Bauwerk nach dem Bau nicht ausreichend abtrocknen kann oder in bestimmten Sanierungsfällen (zum Beispiel nachträgliche Vollsparrendämmung außen dampfdichter Schrägdächer oder bei Innendämmung alter Fachwerkhäuser) empfiehlt sich der Einsatz einer trocknungsfördernden Dampfbremse. Dann reicht die normale diffusionshemmende Dampfbremse häufig nicht aus, um eine ausreichende Trocknung und damit eine langfristige Feuchtesicherheit der Konstruktion zu bewirken. Für solche Fälle sind seit einiger Zeit zwei Arten trocknungsfördernder Dampfbremsen auf dem Markt. Sie arbeiten nach unterschiedlichen physikalischen Prinzipien:
- Eine kapillaraktive Dampfbremse (auch wasserdurchlässige Dampfbremse genannt) besteht aus wechselseitig überlappenden Polyethylenstreifen, dazwischen
befindet sich ein synthetischer Filz. Das Polyethylen sorgt für einen ausreichenden Dampfdiffusionswiderstand im Winter. Wird die Dampfbremse jedoch zu nass, saugt der Filz die Feuchtigkeit auf und verteilt sie durch die Kapillaren auch auf die andere Seite der Dampfbremse. Von dort aus kann die Feuchtigkeit dann zur Raumseite hin verdunsten. Dieser Trocknungseffekt ist allerdings erst spürbar, wenn genügend Wasser auf der Dampfbremse anfällt, um den kapillaren Transport durch den Filz in Gang zu bringen. Das ist in der Regel erst der Fall, wenn Tauwasser aufschlägt. - Die feuchteadaptive Dampfbremse verhält sich im feuchten Winter wie eine normale diffusionshemmende Dampfbremse. Wenn jedoch günstige Wetterbedingungen für eine Austrocknung gegeben sind (vor allem im Sommer), wird sie diffusionsoffener und fördert so die Trocknung, und zwar lange bevor Tauwasser ausfällt. Das schafft sie durch ihren variablen Sd-Wert, der sich je nach relativer Luftfeuchte verändert. Sie wird dichter, wenn zu viel Feuchtigkeit anliegt, und durchlässiger, wenn die Feuchte nach innen geht. Damit wird die Feuchte dann zu Zeiten günstiger Witterung an die Raumluft weitergegeben und das Bauteil trocknet. Der Sperrwert einer feuchteadaptiven Dampfsperre schwankt zwischen einem Sb-Wert von rund 4 Metern im trockenen Zustand und 0,1 Metern bei Wasserkontakt (wie Tauwasserbildung auf der Folie oder Berührung mit nassem Baustoff).
Fazit
In der Regel liefern beide Arten der trocknungsfördernden Dampfbremse bei Dächern ähnlich gute Ergebnisse. Bei Wandkonstruktionen ist in der Regel die feuchteadaptive Dampfbremse vorzuziehen, da die kapillaraktive Dampfbremse hier häufig nicht richtig in Gang kommt. Ebenso ist es beim Einsatz von feuchtesorbierenden Dämmstoffen - auch für die Innendämmung von historischen Gebäuden mit Faserdämmstoffen - in der Regel die feuchteadaptive Dampfbremse passend. Welche Dampfbremse allerdings die optimale Wahl ist, lässt sich nur durch eine Einzelberechnung ermitteln.
Weiterführende Informationen