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Energie - Strom, Wasser und Heizkosten sparen

Die zu intelligente Stromzählung?

Manche Zähler sagen uns alles. Wie viel Strom wir am Tag oder in der Stunde verbraucht haben oder ob wir geheime Stromfresser beherbergen. Aber was wäre, wenn ein Stromzähler wüsste, welche Filme wir uns anschauen?

stromzaehler-flIn der Informationsgesellschaft sind alle vernetzt. Ob Facebook, Xing oder Linkedin, weder vor Studenten, noch vor Geschäftsleuten machen die sozialen Netzwerke halt, aber die Firma Bosch will noch weiter gehen, denn bald sollen auch Haushaltsgeräte miteinander kommunizieren dürfen. Unser Leben wird dann nicht nur komfortabler, indem wir mit dem Handy unseren Bachofen vorheizen können, sondern auch ökologischer, wenn unsere Waschmaschine genau dann arbeitet, wenn auch wirklich Energie aus regenerativen Quellen in das Stromnetz gespeist wird. Mit einem Smart Meter lässt sich sogar Geld sparen, da das Gerät Funktionen enthält wie z.B. die transparente und automatische Suche nach dem aktuell günstigsten Stromanbieter (ähnlich wie ein TÜV-geprüfter Stromvergleich auf diversen Vergleichsportalen).

Datenschützer haben allerdings bedenken, denn es könnten auch Nachteile für die Privatnutzer entstehen. Professor Ulrich Greveler hat zusammen mit seinem IT-Team an der FH Münster einige Entdeckungen gemacht, die dem interessierten Nutzer schwer im Magen liegen dürften. Vom Bundesministerium beauftragt, bestellte sich das Forschungsteam einen intelligenten Zähler beim Aachener Energieberatungsunternehmen Discovergy und überprüfte anhand des Gerätes, ob man mit den Energiedaten auf das Handeln eines Privathaushaltes schließen könnte.

Und tatsächlich, mit den Daten, die vom Smart Meter zum Discovergy Rechenzentrum geschickt wurden, lassen sich Haushaltsgeräte anhand von Energiekurven erkennen. Ein Kühlschrank verbraucht z.B. 15 Minuten lang Energie mit 30 minütigen Pausen dazwischen. Auch eine Mikrowelle lässt sich leicht identifizieren, denn sie verbraucht in kurzer Zeit viel Strom. Durch diese Verbrauchsprofile konnte das Forscherteam immer genau sagen, welche Geräte in Betrieb waren und das unabhängig davon, ob es sich um einen Kühlschrank, einen Herd, einen Toaster, eine Waschmaschine oder einen Fernseher handelte.

strom-stecker-flBeim letzten Gerät gingen die Forscher einen Schritt weiter und entdeckten, dass Filme den Fernseher zu einem unterschiedlichen Stromverbrauch verleiten. Zum Test nutzte das Team einen handelsüblichen LCD-TV und erfasste mit dem Stromzähler bei hellen Szenen einen Mehrverbrauch von bis zu 75 Watt im Vergleich zu den dunklen Szenen. Da das Hell-Dunkel-Profil des Filmes bekannt war, konnten die Forscher erkennen, dass es sich um den Testfilm handelte.

Logischerweise weckt diese Möglichkeit das Interesse der Filmindustrie, denn die könnte durch eine ganze Bandbreite an solchen Profilen Raubkopierer identifizieren, die sich auf dem heimischen Bildschirm bereits Filme anschauen, die gerade einmal in den Kinos angelaufen sind.

Allerdings wird es noch dauern, bis die Technik soweit ist. Auch das letzte Wort der Datenschützer ist noch nicht gesprochen, denn diese wollen, dass die Verbrauchsdaten erst gar nicht zu den Konzernen geschickt werden, sondern im Haus der Privatperson verbleiben und nur ihm, z.B. über den eigenen Computer, zugänglich sind. Außerdem fordert der Bundesdatenschutzbeauftragte in einem Schriftstück verbindliche Standards für den technischen Datenschutz und die Sicherheit bei den intelligenten Stromzählern. Die Unternehmen sehen hingegen eine Selbstverpflichtung als ausreichend, denn zu viele Reglements wären hinderlich für den Wettbewerb.

Wie sich die Technologie auch entwickelt, bereits heute muss in jedem Neu- und grundsaniertem Altbau ein intelligenter Stromzähler integriert werden. Zusammen mit dieser Gewissheit bleibt nur noch die Frage offen: Wer wird den größten Nutzen daraus ziehen?

Quelle: http://www.tagesspiegel.de/medien/was-smart-meter-ueber-uns-verraten/5800970.html