Dampfbremse oder Dampfsperre - Was ist besser?
Eine Abdichtung gegen Wasser oder Wasserdampf ist an vielen Stellen eines Hauses erforderlich. Sie ...
verhindern kurz gesagt das Eindringen von Wasser in die Bausubstanz.
Die Abdichtung ist überall dort notwendig, wo Feuchtigkeit eindringen möchte. Das ist vor allem der Fall, wo kalte Bereiche gegen warme Bereiche stoßen. Abgedichtet wird auf der Warmseite der Konstruktion. Enthält diese eine Wärmedämmung, kommt die Abdichtung auf die Innenseite vor die Dämmung. In der DIN 18195 Teil 1 bis 10 wird die Bauwerksabdichtung gegen Bodenfeuchtigkeit behandelt, in der DIN 18530 und 18531 geht es um Dachabdichtungen.
Eine Abdichtung einer Decke empfiehlt sich, wenn diese gegen einen Kaltbereich geht; auch Pfeiler, Wände oder Schornsteine können mit waagerechten Sperrschichten gegen aufsteigende Feuchtigkeit zu schützen sein. Wenn die richtige Stelle für die Sperre ermittelt ist, bleibt immer noch die Frage, ob eine Dampfbremse oder Dampfsperre eingebracht werden sollte.
Unterschied zwischen Dampfbremse und Dampfsperre
- Die Dampfsperre macht das, was ihr Name verspricht: Sie lässt überhaupt keinen Wasserdampf durch, der im Bauteil kondensieren könnte.
- Die Dampfbremse dagegen gestattet geringen Mengen von Wasserdampf die Diffusion.
Diese Durchlässigkeit wird in Sd-Werten (diffusionsäquivalente Luftschichtdicke) ...
gemessen. Dieser Wert gibt an, wie lange Wasserdampf braucht, um die Schicht zu durchdringen. Als Messzahl werden dabei die Meter Luftschicht angegeben, die der Dampf ohne die Schicht durchwandern würde. Ein Sd-Wert von 3 Metern bedeutet, dass Wasserdampf so lange für die Schichtdurchdringung braucht, als müsste er eine 3 Meter dicke Luftschicht durchwandern. Eine Dampfsperre hat einen Sd-Wert von über 1.500 Meter, alles darunter wird als Dampfbremse bezeichnet.
Dampfsperre oder Dampfbremse - das Problem
Instinktiv bevorzugen Bauherren häufig die Dampfsperre, da sie davon ausgehen, mit einer generellen Aussperrung der Feuchtigkeit die ultimative Lösung gefunden zu haben. Leider ist es nicht so einfach: Die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass genau diese Dampfsperre häufig massive Feuchtigkeitsschäden verursacht hat. Das liegt einmal daran, dass es in den seltensten Fällen gelingt, eine Dampfsperre wirklich dicht aufzubringen.
Eine Dampfsperre gibt reichlich Raum für Ausführungsmängel, sie kann falsch angebracht werden. Häufig sind die Anschlüsse Problemstellen. Sie kann auch sehr leicht beschädigt werden, was zum Beispiel beim Anbringen von Steckdosen oft passiert. Dann sammelt sich Feuchtigkeit, die nicht mehr austrocknen kann. Aber auch, wenn die Dampfsperre ausnahmsweise richtig angebracht wurde, kann es zu Feuchtigkeitsschäden kommen, denn die aufgebrachte Wärmedämmung kann nicht immer als trocken bezeichnet werden. Nachgewiesen lufttrockene Bauteile enthalten in Wirklichkeit häufig mehrere Liter Wasser pro Quadratmeter. Diese Feuchtigkeit wird nun durch die Dampfsperre daran gehindert, aus der Konstruktion zu entweichen.
Heute wird fast immer zur Dampfbremse geraten
Deshalb wird überall dort, wo es in der Baupraxis möglich ist, auf Dampfsperren verzichtet. Damit wird bewusst in Kauf genommen, dass die Konstruktion im Winter kurze Zeit zu feucht wird, weil man sicher ist, dass im Sommer das Bauteil wieder austrocknet. Die dynamischen Verhältnisse bei herkömmlichen Bauten erlauben bis auf wenige Ausnahmen den Verzicht auf Dampfsperren. Die Feuchtigkeit wandert nach innen und auch wieder nach außen, wenn keine statische Feuchtebeanspruchung gegeben ist. Immer dann sollte möglichst auf Dampfsperren verzichtet werden; die falsch ausgeführte Dampfsperre macht mehr kaputt, als die richtig angebrachte Dampfsperre nutzt.
Nur in Bereichen, in denen eine statische Feuchtelast auftritt, ist eine Dampfsperre notwendig. Eine statische Feuchtelast ist gegeben, wenn Feuchtigkeit immer nur von einer Seite (von warm nach kalt) in ein Bauteil eindringen möchte. So bei einem Kühlhaus, hier möchte die feuchte, warme Luft immer nach von außen nach innen, bei einer Sauna ist es genau umgekehrt. Bei beiden wäre also auf der warmen Seite eine Dampfsperre notwendig.
Variable Lösung für andere Problemfälle
Sind Dächer oder Fassaden an der Außenseite diffusionsdicht (Bitumen auf dem Vordach, Blech auf dem Steildach, kunststoffbeschichtete Fassaden, glasierte Klinker und viele Materialen mehr), wurde in der Vergangenheit immer eine Dampfsperre auf der Innenseite empfohlen. Manchmal ist dieser Rat immer noch zu hören. Dann können sich aber all die oben skizzierten Probleme ergeben: Ist nur ein Prozent der Fläche einer Dampfsperre wasserdampfdurchlässig, ist die Dampfsperre unwirksam. Das geht schnell.
Deshalb hat man heute für diese Problemfälle spezielle Dampfbremsen entwickelt. Es handelt sich um Folien mit variabler Dampfdurchlässigkeit. Bei diesen feuchteadaptiven Dampfbremsen stellt sich der Sd-Wert auf die Feuchtigkeit in unmittelbarer Nähe der Folie ein. Im Winter wird die Folie also dichter, fast wie eine Dampfsperre lässt sie nur wenig Feuchtigkeit in die Konstruktion. Im Sommer (oder zu anderen Zeiten mit geeigneter Witterung) wird sie dagegen sehr diffusionsoffen, die Feuchtigkeit trocknet zur Raumseite hin aus.
In anderen Fällen wird der Einsatz einer anderen modernen Art der Dampfbremse empfohlen. Diese Dampfbremse nennt man kapillaraktiv. Sie hat einen gleichbleibenden, nicht sehr hohen Sd-Wert von 2 bis 5 Metern. Durch die eine Seite der Folie zur anderen wird die Feuchte transportiert. Der Trocknungsprozess kommt jedoch erst bei starker Tauwasserbildung in Schwung.
Wann welche Folie am besten eingesetzt wird, muss im Zweifel der Fachmann entscheiden.
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