|
Werkzeug und Maschinen -
G wie Glasschneider
|
GewindebohrerGewindebohrer dienen zur Herstellung eines Innengewindes und werden daher auch Schrauben- oder Mutterbohrer genannt. Der Gewindebohrer gehört zu der Gruppe ´Zerspannung´ bei den Metallverarbeitungswerkzeugen. Sie bestehen aus Hochleistungs- Schnellarbeitsstahl (HSS).
Die Gewindebohrer haben je nach Durchmesser drei Reihen oder mehr mit Schneiden. Ihre Zähne sind hintereinander folgend so unterschiedlich abgeflacht, dass jeder Zahn jeweils einen kleinen gleichgroßen Span aus dem Metall schneidet. Die Abstände zwischen den Schneiden dienen der Spanabfuhr. Die hinteren Zähne der Schneiden dienen der Führung des Gewindebohrers in dem bereits geschnittenen Gewinde.
Zu unterscheiden sind die Handgewindebohrer und die Maschinengewindebohrer. Die Handgewindebohrer bestehen aus einem dreiteiligen Gewindebohrersatz. Welcher Bohrersatz benötigt wird, richtet sich nach dem zu erstellenden Gewindedurchmesser, Gewindesteigung, Fein- oder Grob-Gewinde. Unterschiede bestehen auch für Sacklöcher oder Durchgangslöcher. Der dreiteilige Gewindebohrersatz besteht im Einzelnen aus dem Vorschneider, dem Mittelschneider und dem Fertigschneider. Am hinteren Ende ist der Gewindebohrer ein Vierkanteisen. Dieses Vierkanteisen wird von dem Halter des Windeisens aufgenommen. Das Windeisen besitzt zudem zwei Stangen, die in beide Richtungen rechtwinklig zum Gewindebohrer zeigen. Dadurch kann zum Schneiden des Gewindes mit beiden Händen ein großes Drehmoment erzeugt werden.
Bevor diese jedoch zum Einsatz kommen muss erst eine sog. Kernbohrung in genau berechneter Größe gebohrt werden, es sei denn, das Innengewinde wird z. B. in ein Rohr geschnitten. Dann richtet sich der Gewindebohrersatz natürlich nach dem Innendurchmesser und Wandstärke des Rohres. Für die Kernbohrung ist ein Kernbohrer erforderlich. Die Kernlochung für den Einsatz eines Gewindebohrer Sets errechnet sich aus folgender Faustformel: Kernlochung = Gewindedurchmesser x 0,8. Nach der Kernbohrung kommen nun nacheinander der Vorschneider, der Mittelschneider und der Fertigschneider zum Einsatz.
Maschinengewindebohrer sind sog. Fertigschneider. Sie schneiden das Innengewinde in nur einem Arbeitsvorgang. Darin liegt Ihr großer Vorteil. Der Nachteil ist der höhere Kraftaufwand, der zum Scheiden des Gewindes auf den Gewindebohrer wirkt. Hier ist die Qualität besonders wichtig, denn wird der Bohrer etwas stumpf, steigt die Torsionsbeanspruchung erheblich. Die Bohrer brechen dadurch schneller ab als es bei gleicher Qualität beim dreiteiligen Gewindebohrersatz passiert. Die Maschinengewindebohrer enden ebenfalls am Ende in ein Vierkanteisen. Das Vierkanteisen findet seine Aufnahme üblicherweise in einem Zweibackenfutter, ein Spezialfutter zum Spannen von Vierkanteisen.
Bei industriellen Maschinen finden wir Schnellwechselfutter zur starren Aufnahme der Vierkanteisen vor. Die Maschinen für den Antrieb der Gewindebohrer gleichen einer Bohrmaschine. Sie haben außer dem anderen Bohrfutter üblicherweise ein Umkehrgetriebe, dessen Drehrichtung von der Andruckkraft abhängig ist. Die Geschwindigkeit wird auch automatisch geregelt. So ist die Geschwindigkeit beim Vorlauf zum Schneiden des Gewindes langsam und beim Rücklauf schnell. Die Kernlochbohrung berechnet für die Maschinengewindebohrer nach folgender Faustformel: Kernlochung = Nenn-Gewindedurchmesser minus Gewindesteigung.
Um die Lebensdauer der Gewindebohrer zu erhöhen, empfiehlt es sich, Schneidöl zu verwenden und in Abständen den Gewindebohrer immer wieder etwas zurück zudrehen, damit das frisch geschnittene Gewinde nicht verstopft und den Spänen ein Herauslösen zu erleichtern.
von Annett Biermann
|