Dämpfen von Erde - Anzuchterde & Komposterde

erdbodenPrächtige Pflanzen brauchen einen guten Boden, damit sie sich zu prächtigen Pflanzen entwickeln können. Und sie sollen möglichst nicht durch Konkurrenzpflanzen oder durch Schädlinge in ihrer Entwicklung gestört werden.

Hilft das Dämpfen der Erde dabei, den Pflanzen die optimale Erde zur Verfügung zu stellen, speziell bei Anzuchterde und Komposterde?

Welches Ziel hat das Dämpfen der Erde?

Erde wird zunächst gedämpft, um sie möglichst keimfrei zu machen. Obwohl mit einem vernünftigen Einsatz von Temperatur und Zeit und damit einem

vernünftigen Aufwand an Energie sicher keine vollkommene Keimfreiheit zu erreichen ist, wird die Erde doch nachdrücklich verändert: Die in der Erde befindlichen Samen anderer Pflanzen (Unkrautsamen) und eine große Menge von Keimen werden abgetötet, mit denen vor allem junge Pflanzen regelmäßig zu kämpfen haben.

Die feuchte Hitze schließt auch Nährstoffe in der Erde auf, die in dieser Form für Jungpflanzen besser aufnehmbar sind. Das Dämpfen der Erde ist auch eine altbekannte Methode der Schädlingsbekämpfung, die völlig zu Unrecht weitgehend in Vergessenheit geriet. Die meisten Schadorganismen halten nämlich sehr viel weniger aus als die meisten Menschen vermuten. Viren und Pilze können recht hartnäckig sein, halten jedoch in aller Regel keine 70 °C über einen Zeitraum von einer Stunde aus.

Alles, was nach unserem Empfinden als “lebend” eingeordnet wird, besteht zu einem großen Teil aus Eiweiß, und Eiweiß ist durch Hitze sehr gut angreifbar. Ein Schädling, der nur noch aus geronnenem Eiweiß besteht, hat seine Aktionsmöglichkeiten verloren und kann unseren Pflanzen nicht mehr schaden. Hier können allenfalls dicke Chitinpanzer einen derartigen Schutz geben, dass die Wärme eine Weile braucht, um das Innere zu denaturieren. Erde wird also beispielsweise deshalb gedämpft, um Schadorganismen und Keimlinge zu beseitigen und die Erde vorzubereiten, bevor Samen oder Pflanzen in die Erde gegeben werden:

Das Dämpfen von Anzuchterde

Das Dämpfen der Erde ist bei der Anzuchterde für viele Pflanzen sogar eine sehr sinnvolle Vorbereitung, weil die jungen Pflanzen empfindlich auf alle Arten von Schädlingen reagieren. Häufig werden die Keimlinge in der ersten Zeit einer hohen Feuchtigkeit ausgesetzt, indem sie in Kleingewächshäusern oder unter Kunststoffhauben gezogen werden. Sie sollen mitunter auch sehr warm stehen während der Keimphase. Das sind Bedingungen, unter denen im Boden lauernde Pilze gleichsam “in die Hände” klatschen und sich in rasender Geschwindigkeit vermehren. Deshalb ist es bei einer Anzuchterde vorteilhaft, wenn sich möglichst wenig Pilzsporen im Boden befinden.

Außerdem wollen Sie ja eine ganz bestimmte Pflanze heranziehen, nach dem Dämpfen können Sie ziemlich sicher sein, dass diese Pflanze gedeihen kann und nicht ein anderer, stärker Keimling die Oberhand gewinnt, der sich bereits in der Erde befand.

Temperatur und Zeit des Dämpfens

Für die thermische Schädlingsbekämpfung sind unterschiedliche Temperaturen erforderlich, wie oben schon angedeutet wurde. Es ist jedoch ziemlich sicher, dass die Temperaturen, die beim Dämpfen von Erde erreicht werden, die Erde nahezu keimfrei machen, wenn die Erde die vorgeschriebene Zeit dem heißen Dampf ausgesetzt wird.

Je nach Gerät und
Methode werden hier 60 bis 110 °C erreicht, zum Abtöten in der Erde vorhandener Samen reichen geringere Temperaturen als zur Vernichtung pilzlicher oder viraler Erreger erforderlich

ist, die Sie in der Erde vermuten. Im Internet gibt es Tabellen mit Angaben darüber, welche Zeit und welche Temperatur vonnöten ist, um einen bestimmten Schädling unschädlich zu machen. Natürlich werden Sie mit einem gekauften Erddämpfer auch eine Bedienungsanleitung erhalten, die ebenfalls Angaben über Zeiten und Temperaturen enthalten wird.

Sollte Komposterde gedämpft werden?

Eher nicht, denn der Kompost ist aus gutem Grund alles andere als eine tote Materie. Im Kompost gibt es viele Organismen, die sich auch darin befinden sollen, durch eine Heißdampfbehandlung jedoch abgetötet würden. Bei diesen Organismen handelt es sich um verschiedene Bakterien und Pilze, die den Boden erst in ein funktionierendes Bodensystem verwandeln. Der Wurzelraum einer Pflanze gehört zu diesem “System Boden”, die Pflanze ist darauf angewiesen, dass die nützlichen Mikroorganismen in der Erde vorhanden sind, um ihre Wurzeln kraftvoll aufzubauen und entfalten zu können.

Wenn die Erde gedämpft wird, werden die nützlichen Organismen ebenso wie mögliche Schädlinge zum überwiegenden Teil vernichtet. Wird diese Erde im Garten ins Beet gegeben, wird der übliche Selbstregulierungsmechanismus mit dem sich der Gartenboden durch Nützlinge gegen Schädlinge wehrt, auf gefährliche Weise unterbrochen. Wenn Sie die Komposterde z. B. sterilisiert haben, um einen Schädlingsbefall im Garten in den Griff zu bekommen, und dabei nicht alle Schädlinge beseitigt haben, haben Sie den Schädlingen einen großen Gefallen getan: In die “tote” Erde können sie nun ungehindert eindringen und sich ohne Hemmungen ausbreiten.

Wenn Sie die Komposterde lediglich in einen Kübel geben, müssten Sie dafür sorgen, dass nichts in das Umfeld dringen kann. Was nur dann der Fall wäre, wenn Sie jedes Gerät und Ihre Hände nach jedem Einsatz am Kübel sofort sterilisieren, ein kaum durchzuhaltender Aufwand.

kompost3 flIm Grunde setzen Sie also auf das freie Spiel der Kräfte: Die tote Erde wird besiedelt werden, und von wem, hängt davon ab, wer schneller und kräftiger ist. Wie beim häufig so ungleichen Kampf zwischen zerstörerischen und erhaltenden Kräften erweisen sich leider auch hier sehr oft die Schädlinge als hartnäckiger und widerstandsfähiger.

Komposterde erhitzen ohne zu dämpfen


Wenn als Argument für das Dämpfen der Erde angeführt wird, dass Nährstoffe in der Erde aufgeschlossen werden, sodass die Pflanzen sie besser aufnehmen können, kann das sicher nur bei ziemlich tiefen Temperaturen der Fall sein. Eine Hitzebehandlung mit Temperaturen, die für die Schädlingsbekämpfung notwendig sind, überleben die während des Rotteprozesses entstandenen Wertstoffe sicher ebenso wenig wie die Schädlinge, die Erde erleidet also einen weiteren Qualitätsverlust.

Wenn Sie die Komposterde nur erhitzen möchten, weil Sie möglichst wenig mit Unkräutern kämpfen möchten, sollten Sie vielleicht überlegen, ob die Temperaturen, die in Ihrem Kompost entstehen, nicht ohnehin ausreichen, um die meisten Keimlinge abzutöten. Bei sachgerechter Kompostierung als Heißrotte wird dieses Ergebnis auch ohne Dämpfen der Erde erreicht: Bei der Heißrotte erhitzt sich der Kompost bis auf 70 °C, das bewirkt eine Selbstreinigung der Komposterde, durch die die große Masse der enthaltenen Samen keimunfähig gemacht wird.

Ein Dämpfen der Komposterde könnte jedoch sinnvoll sein, wenn in Ihrem Garten so wenig Kompostmasse anfällt, dass keine echte Heißrotte entstehen kann. Aber auch in einem sehr kleinen Kompost können sich bei sorgfältigem Vorgehen viele Samen in der Kompostmasse von selbst erledigen, im korrekt aufgesetzten Kompost keimen viele Samen bereits und werden in der Folgezeit zum Bestandteil des Humus.

Es lohnt sich also schon, das Vorgehen beim Kompostieren noch einmal zu prüfen, den beim Dämpfen brauchen Sie ja Fremdenergie, das kostet Geld und ist auch unter Umweltschutzgesichtspunkten nicht das zuerst empfohlene Vorgehen. Wenn Sie mit Schädlingen im Kompost zu kämpfen haben, könnten Sie auch den Rat eines Fachmanns einholen, ob es nicht irgendwelche Nützlinge gegen diese Schädlinge gibt, die gezielt auf dem Kompost ausgebracht werden können.