Erddämpfer - Erde einfach sterilisieren

erde3 flAlle möchten mit weniger Chemie im Garten auskommen, seit Anfang dieses Jahres schreibt das Pflanzenschutzgesetz auch vor, dass Chemie das letzte Mittel sein muss.

Nicht nur das, heftige Diskussionen über den Gartenzaun sind heutzutage an der Tagesordnung, wenn ein Hobbygärtner doch einmal zur Spraydose greift und dabei beobachtet wird. Die “gute fachliche Praxis”, die heute vorgeschrieben ist, also im Grunde das Gärtnern mit dem Wissen und der Sorgfalt unserer Großväter, verschlingt jedoch jede Menge Zeit, wenn Sie beim Umgang mit dem

ganzen Thema nicht geschickt vorgehen. Der Erddämpfer ist einer der Erfindungen, die den Aufwand beim Gärtnern völlig ohne Chemie erheblich erleichtern können:

Das Dämpfen der Erde ist keine neue Erfindung

Schon unsere Großväter konnten in alten Gartenbüchern lesen, wie Erde durch Dämpfen behandelt wird, um z. B. Schädlinge abzutöten. Viele ökologisch ausgerichtete landwirtschaftliche und gärtnerische Großbetriebe verzichten schon lange auf den Chemie-Einsatz, wo es nur geht. Hier werden die Böden in den Gewächshäusern, die Böden im Beet und die Komposterde per Dampf gereinigt und entkeimt, um höhere Erträge zu erzielen, ohne die Umwelt zu belasten.

Eine wirkungsvolle Waffe gegen die verschiedensten Schädlinge

Die Schädlige, die unsere Pflanzen anfallen, bestehen durchweg aus Strukturen, die höheren Temperaturen nicht gewachsen sind: Die hartnäckigsten Viren sterben, wenn sie eine halbe Stunde einer Temperatur von 70 bis zu 90 °C ausgesetzt werden, und damit ist das Dämpfen genau gegen die Krankheitserreger ein gutes Mittel, die für die Gärtner am schwierigsten einzuordnen sind. Denn es gibt heute kaum noch eine Pflanzenart, die nicht durch den Befall mit Virosen (Viruskrankheiten) gefährdet ist. Im europäischen Raum wurden bis heute etwa 350 Pflanzen-Viren entdeckt, die bis zu 1.000 Virosen verursachen.

Auch gegen Pilze ist die Erhitzung der Erde eine gute Waffe, die beharrlichsten Pilze sterben bei Temperaturen um 70 °C, dann aber schon nach sehr kurzer Zeit. So der Verursacher der in Gewächshäusern wohlbekannten Samenfleckenkrankheit. Andere Pilze werden bereits bei 65 Grad abgetötet, sie geben sich dann auch schon nach 10 Minuten geschlagen. So die Auslöser verschiedener Krankheiten mit dem Beinamen Welke oder Schorf (z. B. Buchsbaum-Welke, Sellerieschorf) und die Pilze, die für die Wurzelfäule verschiedener Pflanzen verantwortlich sind. Es gibt jedoch Ausnahmen, wie den Verursacher der Wurzeltöterkrankheit, er braucht eine Stunde Bedampfung bei mindestens 60 °C.

Wieder leichter ist es, ganz kleinen Tierchen den Garaus zu machen: Während Parasiten wie der Erreger der Kohlhernie und chitingepanzerte Insekten wie der Saatschnellkäfer noch ziemlich widerstandsfähig sind (bis 30 min dämpfen bei 55 °C), halten Eiweißstrukturen der
Gallen verursachenden Fadenwürmer und der Älchen nur 10 Minuten bei 52 °C aus.

Belastete Erde einfach sterilisieren

Auch im Haus- und Kleingartenbereich wurde und wird bereits schon länger die Mikrowelle genutzt, um kleine Mengen Anzuchterde zu desinfizieren. Bekannt ist auch die thermische Schädlingsbekämpfung mit der Hilfe schwarzer Folien, die die oberste Bodenschicht bei voller Sonne schnell auf 50 bis 60 °C erhitzen.

kompost5 flNeu ist jedoch, dass auf dem Markt jetzt spezielle Erddämpfer angeboten werden, die größere Mengen belasteter Erde mit wenig

Aufwand sterilisieren können. Zu deren Betrieb ist elektrische Energie erforderlich, aber Verbrauch und Kosten halten sich in Grenzen: Ein Erdedämpfer in Schubkarrenform produziert z. B. in weniger als zwei Stunden und bei ca. 1,- € Energiekosten 70 bis 80 Liter Erde, die weitgehend frei von Unkraut und Schaderregern ist. Diese Erddämpfer arbeiten mit neu konzipierten Dämpfverfahren, bei denen Temperaturen zwischen 60 und 80 °C entstehen.

Die angebotenen Geräte

Es gibt elektrische Erdedämpfer, die wie ein großer Einmachtopf aussehen und mit einem Fassungsvermögen von 30 Litern für rund 300,- € angeboten werden. Es handelt sich um steckerfertige Geräte, die einen Stromverbrauch von 2,4 Kilowatt haben und mit einem Temperaturbegrenzer und mit einem Steckthermometer ausgestattet sind. Mit diesem Gerät können Kulturerden bzw. Anzuchterden ohne Chemie von Unkrautsamen, Pilzen, Nematoden, Keimen und anderen Bodenschädlingen befreit werden.

Wenn Sie etwas mehr Erde brauchen, können Sie eine Erdedämpf-Kiste mit 60 Liter Dämpfinhalt erwerben, die eine Leistung von 2 Kilowatt hat und mit einer Zeitschaltuhr ausgestattet ist. Sie hat ein Gewicht von 15,5 kg, eine Größe von 80 x 45 x 42 cm (Breite x Tiefe x Höhe) und wird für etwa 520,- € verkauft.

Das nächstgrößere Gerät hat Schubkarrenform und wird von 555,- € bis 740,- € angeboten. Der Dämpfraum hat hier einen Inhalt von 70 Liter, dieses Gerät hat ebenfalls eine Leistung von 2 Kilowatt und eine Zeitschaltuhr, es wiegt 25 kg.

Bezugsquellen für Erddämpfer
  • Den kleinsten Erddämpfer bekommen Sie bei der Firma Georg Schwarz Kakteen- und Pflanzenzubehör aus 90455 Nürnberg, Informationen unter www.kakteen-schwarz.de.
  • Verschiedene Erdedämpfgeräte für den Klein- und Erwerbsgärtner verkauft die Friedrich GmbH aus 08315 Bernsbach, Informationen www.erdedaempfer.de/Daempfen/daempfen.html. Hier finden Sie einen tragbaren Erddämpfer, der 80 cm lang x 45 cm tief x 42 cm hoch ist, eine Dämpfhaube von 1,10 Meter Breite, 54 cm Tiefe und 32 cm Höhe, einen Schubkarrendämpfer mit 80 Liter Dämpfraum und einen Wagendämpfer mit 100 Liter Fassungsvermögen. Leider sind auf der Website keine Preise verfügbar, aber eine Dämpfschubkarre mit 70 Liter Inhalt von der Friedrich GmbH wird bei der WebSachse GmbH elektrotechnischer Einzel- und Großhandel aus 08315 Bernsbach, www.websachse.de, für 555,- € angeboten.
Wenn Sie nur ausnahmsweise sterilisierte Erde für einen Kübel benötigen, können Sie sich auch an eine größere Gärtnerei wenden, die Ihnen die benötigte Erde gerne gegen einen geringen Kostenbeitrag dämpfen wird.

Der Einsatz eines Erddämpfers ist eine wirkungsvolle Methode der chemielosen Schädlingsbekämpfung, die genau den Ideen entspricht, nach denen moderner Pflanzenschutz vorgeht. Zur guten fachlichen Praxis im Sinne eines integrierten Pflanzenschutzes gehören natürlich noch viele andere Maßnahmen. Das beginnt bei der Reduzierung von Schadpotenzialen durch Vorbeugung und geht weiter z. B. beim regelmäßigen Schnitt aller Gartenhölzer, der auch infizierte Pflanzenteile beseitig und viele tierische Schädlinge effektiv zurückdrängt. Insgesamt umfasst der integrierte Pflanzenschutz ein ganzes System von Maßnahmen, die alle sinnvoll ineinandergreifen.