Ackerhellerkraut - Steckbrief und Pflege


Häufig unterschätzt oder gar als unliebsames Unkraut abgestempelt, zeigt sich das filigrane Ackerhellerkraut interessierten Hobbygärtnern jedoch von einer überaus nützlichen Seite. Einerseits dient die bis zu 40 Zentimeter hoch wachsende Pflanze zahlreichen Insekten als ergiebige Nahrungsquelle. Und auch in unserer Küche wertet das zur Familie der Kreuzblütengewächse gehörende Gewächs saisonale Speisen auf. In der Artenvielfalt von Wild- und Feuchtwiesen sollte die vielseitige Pflanze keinesfalls fehlen. Dabei ist das Ackerhellerkraut robust und überaus pflegeleicht.

Steckbrief

Das Ackerhellerkraut ist eine aufrecht wachsende Pflanze. Auf dem ersten Blick wird es nur allzu oft mit dem Hirtentäschelkraut

verwechselt. Die charakteristischen rund-ovalen, hellgrünen Keimblätter verliehen dem Gewächs seinen Namen. Thiaspi arvense L. - so die botanische Bezeichnung - besitzt breit bis ovalförmige Primärblätter, welche flach am Boden aufliegen. Diese bilden sich häufig in Form einer Rosette bereits im Herbst aus, erst im darauf folgenden Frühjahr erscheinen die länglichen und leicht gezähnten, pfeilförmigen Folgeblätter. Der gelbgrüne, kantige Stängel des Kreuzblütengewächses weist einen aufrechten Wuchs auf.
  • Einjährige Pflanze mit einer Wuchshöhe von 10 bis 40 Zentimetern.
  • Die weißen Kelchblätter besitzen eine abgerundete, längliche Keilform.
  • Zwischen April und September erscheinen die unscheinbar weißen Blüten.
Tipp: Machen Sie den Test und zerreiben Sie die Pflanze zwischen den Fingern. Ackerhellerkraut riecht in diesem Zustand würzig nach Lauch.

Standort und Boden

Das auch als Acker-Täschelkraut und Ackertäschel bezeichnete Kraut ist eine fast unscheinbar wirkende Pflanze. Erst bei genauerem Hinsehen erschließt sich dem Betrachter die filigrane Schönheit des Kreuzblütengewächses. Die eng mit dem Hirtentäschelkraut verwandte Pflanze ist häufig an Weg- und Ackerrändern anzutreffen. Mit vollschattigen Standorten kommt Ackerhellerkraut überhaupt nicht zurecht. Bevorzugt werden hingegen vollsonnige bis absonnige Plätze. Thiaspi arvense ist in ganz Mitteleuropa und auch in einigen Teilen Asiens weit verbreitet. Die Pflanze gedeiht besonders gut in einem humusreichen, lockeren Substrat. Jedoch ist das Gewächs überaus robust und kommt bedingt auch mit anderen Bodenbedingungen zurecht. Zu sandiges Erdreich sollten Sie mit größeren Mengen Lehm aufwerten. Im eigenen Garten können Sie die einjährige Heilpflanze erfolgreich in Feuchtwiesen kultivieren.

Gießen und Düngen

Das traditionelle Wildgemüse sollte in keinem naturnahen Garten fehlen und nimmt es Ihnen auch nicht übel, wenn Sie es einfach sich selbst überlassen. Im Hochsommer können Sie die gesamte Grünfläche in den frühen Abend- oder Morgenstunden ausreichend mithilfe eines Wassersprengers wässern. Die Feuchtwiesen, in welcher das Ackerhellerkraut bevorzugt gedeiht, benötigen allerdings weitaus weniger Pflege als ein Zierrasen. Direkt nach dem letzten Wiesenschnitt im Herbst sollten Sie den Boden ausreichend mit Kompost oder verdünnter Brennnesseljauche düngen. Das schafft ideale Wachstumsbedingungen für das Acker-Hellerkraut.
Im Nutzbeet verfahren Sie ähnlich: Ein hoher Lehmanteil im Boden kann über längere Zeit Feuchtigkeit speichern und sie an die Wurzeln abgeben. Zu sandiges Erdreich muss hingegen häufiger gegossen und gedüngt werden. Ackerhellerkraut reagiert empfindlich auf großwüchsige Pflanzen und zieht beim Konkurrenzkampf um Wasser und Sonnenlicht häufig den Kürzeren. Doch auch das Gegenteil kann der Fall sein. Besonders auf Sonnenblumen-Felder kann das Kreuzblütengewächs schnell zu einer lästigen Plage werden. Herbizide zeigen wenig Wirkung bei der Bekämpfung, denn die Wurzeln der Pflanze können bis zu 50 Zentimeter tief ins Erdreich hinein ragen.

Vermehren und Aussaat

Thiaspi arvense ist eine meist
einjährige, selten zweijährig wachsende Pflanze. Fühlt sich das Gewächs am

ausgewählten Standort wohl, so neigt es zu einer starken Selbstaussaat. Eine Pflanze kann dabei 500 bis 2000 Samen produzieren, welche im Boden bis zu 30 Jahre lang überlebensfähig sind. Direkt nach der Reife des Saatguts im Herbst verteilt es sich großflächig über das Substrat. Bei warmen Temperaturen ist es nicht ungewöhnlich, dass die ersten jungen Pflanzen noch im selben Jahr keimen und eine Blattrosette ausbilden. Wenn Sie Ackerhellerkraut gezielt aussäen möchten, so sollten Sie die Samen direkt von der Pflanze abnehmen. Entfernen Sie dazu behutsam das komplette Kraut oder umwickeln Sie die Schoten mit dem reifen Saatgut mit einem Taschentuch, ehe Sie diese mitsamt der Schote entnehmen. Vollkommen ohne weitere Vorbehandlung könnten Sie die Samen direkt am ausgewählten Standort ausbringen. Erhöhen Sie die Keimfähigkeit, indem Sie den Boden zuerst aufbereiten. Dabei werden Pflanzen- und Wurzelreste entfernt und das Substrat mit größeren Mengen Kompost angereichert. Eine weitere Möglichkeit: Lassen Sie das Saatgut an einem kühlen Ort trocknen und säen Sie es zwischen Mitte Februar bis Ende März aus. Eine Anzucht auf der Fensterbank ist bei dem Kreuzblütengewächs nicht notwendig. Das Ackertäschel gehört zu den kalt keimenden Pflanzenarten. Legen Sie die Samen deswegen vor der Aussaat für zwei oder drei Wochen in den Kühlschrank.

Schneiden

Ein klassischer Form- und Rückschnitt muss bei dieser krautig wachsenden Pflanze nicht vorgenommen werden. Feuchtwiesen werden nur 3 bis 5 Mal jährlich gemäht. Damit das Ackerhellerkraut die Möglichkeit zur Samenbildung erhält, sollten Sie die Wiese nicht komplett mähen, sondern einige Randbereiche unberührt stehen lassen. Das Gewächs wird vielseitig in der Volksheilkunde gegen eine Vielzahl von Krankheiten und Leiden eingesetzt. In Form von Wildgemüse können Sie kulinarisch Ihre Speisen aufwerten. Schneiden Sie dafür mit einer scharfen Schere die komplette Pflanze bodennah ab oder zwicken Sie mit dem Fingernagel die jungen Blätter ab.

Überwintern

Das heimische Gewächs wächst meist nur einjährig und stirbt im selben Jahr nach dem Eintreten des ersten Frosts ab. Ackerheller-Kraut, welches im Herbst noch keimt, überwintert meist als bodennahe Blattrosette. Der bis zu 40 Zentimeter hochwachsende Stängel mit den rundum angeordneten Blättern bildet sich erst im Folgejahr aus. Spezielle Vorkehrungen für den Winter müssen nicht getroffen werden. Eisige Temperaturen fördern sogar die Keimfähigkeit von den im Boden ruhenden Samen. Nutzen Sie die frostfreien Tage im Oktober aus, um das Erdreich ausreichend für die kommende Gartensaison vorzubereiten. Mähen Sie das Gras und lassen Sie die abgeschnittenen Pflanzenteile liegen. Diese Schicht zersetzt sich langsam und versorgt den Boden mit wichtigen Nähr- und Mineralstoffen. Zeitgleich können die Samen vieler Pflanzenarten nachreifen und treiben im Frühling verstärkt aus.

Krankheiten

Das Gewächs ist eng mit den Kohlarten verwandt und gilt als robust. Gleichzeitig ist es eine Kinderstube für eine Vielzahl nützlicher Insekten. Die Larven des seltenen Aurorafalters beispielsweise haben sich auf den Verzehr von Kreuzblütengewächsen spezialisiert. Doch auch Schädlinge wie Erdflöhe machen vor den schmackhaften Blättern des Ackerhellerkrauts nicht Halt. Einen Befall der kleinen Käferarten lässt sich am ehesten durch den typischen Lochfraß an den Blättern erkennen. Folgende Maßnahmen können Sie ergreifen, um den Schädlingen Einhalt zu gebieten:
  • Gesunde Pflanzen nehmen kaum Schaden durch die Insekten.
  • Kultivieren Sie Ackerhellerkraut nicht in direkter Nähe zu Gemüse- und Obstpflanzen.
  • Bringen Sie einen verdünnten Sud aus Ackerschachtelhalmen oder Brennnesseln aus.
Fazit

Thiaspi arvense ist nun wirklich keine Pflanze, welche die Blicke auf sich zieht. Deswegen ist es nicht verwunderlich, wenn Hobbygärtner von einer Kultivierung des Gewächses in einem Zierbeet oder gar Kübel Abstand nehmen. Dennoch sollten Sie die Vielseitigkeit des Gewächses nicht unterschätzen. Die Larven bedrohter Schmetterlingsarten haben die Pflanze buchstäblich zum Fressen gern. Auch wenn Sie das Ackerhellerkraut nicht als Wildgemüse ernten möchten, so sollte es dennoch in keinem naturnahen Garten fehlen.