Frühlings-Enzian, Gentiana verna - Pflege

EnzianDer erste Enzian, der nach der Schneeschmelze in den Bergen aufblüht, ist Gentiana verna, auch Frühlings-Enzian genannt. Normalerweise wächst die krautige Pflanze mit den tiefblauen Blüten nur wenige Zentimeter hoch über dem Boden. Lediglich bei ganz besonders guten Bedingungen wird sie über zehn Zentimeter hoch. Dafür ist die tiefblaue Blüte umso beeindruckender. Einige Arten des Frühlings-Enzians sind nicht einfach zu kultivieren, andere wachsen mit ein wenig Geschick auch in den meisten Gärten, wenn ein paar Bedingungen erfüllt sind.

Steckbrief

  • botanischer Name: Gentiana verna
  • gehört

    zu den Enziangewächsen (Gentianaceae)
  • andere Namen: Schusternagel, Himmelsstengel, Rauchfangkerer oder Herrgottsliechtli
  • ausdauernde krautige Staude, mehrjährig
  • Wuchshöhe: nur wenige Zentimeter über dem Erdboden
  • Blüte: tiefblaue, bis zu 5 cm hohe Blüte mit schmalem Kelch und fünf Kronblättern
  • Blütezeit: März bis Juni (je nach Höhenlage), oft im Herbst ein zweites Mal
Arten und Vorkommen

In der Natur kommen Enziane wie der Frühlings-Enzian vor allem in Höhenlagen der süd-, mittel- und osteuropäischen Hochgebirge vor. Die Attraktivität der Pflanze liegt im intensiven Ultramarinblau der flachen, sternförmigen Blüte mit ihren fünf propellerartigen Blättchen und dem weißen Kelch. Neben den verschiedenen, blau blühenden Enzianen mit relativ großer Blüte haben sich Liebhaber und Züchter auch an einer Reihe kleinwüchsiger Arten versucht. Die bekanntesten Arten des Frühlings-Enzians sind Gentiana verna Subspezies verna oder angulosa mit kräftig blauer Blüte, die vor allem als Gruppe einen tollen Eindruck im Garten hinterlassen. Der Frühlings-Enzian ist einer der kleinsten Enzian-Arten. Von Natur aus kommt er mit ultramarinblauer Blüte vor, aber auch violette, weiße, himmelblaue oder gar gelbliche Blüten sind möglich. Weitere Unterarten von Gentiana verna:
  • verna: intensiv blaue Blüte, Vorkommen im alpinen Raum
  • angulosa (Synonym tergestina): größere blaue Blüte, eiförmige Blätter, kommt in der Natur in intensivem Blau, Blassviolett bis Weißlich vor (Balkangebiet)
  • Majella: dunkelblaue Blüte, aus dem Majella-Nationalpark in Italien
  • balcanica: mittelblaue, etwas kleinere Blüte
  • favratii Rittener: blaue Blüte, Kelch an den Rändern deutlich geflügelt
  • oschtenica: auch mit gelber Blüte gezüchtet
Sind die Blüten nicht intensiv blau gefärbt, sind folgende Namenszusätze gängig:
  • Alba I: weiße Blüte mit bläulichem Schimmer
  • Alba II: reinweiße Blüte
  • Violett: in verschiedenen Violetttönen erhältlich
Standort

EnzianGentiana verna bevorzugen helle, lichtdurchflutete Standorte auf nährstoffarmen (vor allem sehr stickstoffarmen), wasserdurchlässigen Böden in lichten Laub- und Nadelwäldern oder auch in Magerwiesen. Wichtig ist, dass der Boden sehr locker ist.
  • Lichtverhältnisse: sonnig bis halbschattig (keine Mittagssonne)
  • Boden: gut Luft und Wasser durchlässig, frisch
  • niedrige bis sehr niedrige Nährstoffgehalte
  • schwach saure Feuchtwiesen
  • kalkhaltige Untergründe
  • bis 2600 Meter Höhe
Tipp: Der kleine Frühlings-Enzian bildet in Magerwiesen oder auch in Steingärten herrliche blaue Polster.

Pflanzen

Wer sich für einen Frühlings-Enzian entscheidet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Pflanze zwar wenig Pflege, dafür aber einen wirklich optimalen Standort benötigt, damit sie
gut gedeihen kann. Schwere Lehmböden sind ebenso wenig geeignet wie sehr saure oder nasse Böden. Anfänger tun sich deshalb mit der Pflanzung in einen Steintrog leichter, der an einem sonnigen Standort ohne Mittagssonne aufgestellt wird.
  • Zeitpunkt: ganzjährig (frostfreie Zeit)
  • Boden gut auflockern
  • für gute Drainage sorgen
  • eventuell ein wenig Sand und kleine Steinchen unter die Erde mengen
  • nicht düngen
  • immer in Gruppen pflanzen (mindestens 5 Pflanzen)
Da im Steingarten eine Beschattung oft schwierig ist, kann der Frühlings-Enzian auch mit niedrig wachsenden Gräsern zusammengepflanzt werden.

Diese sorgen dann in der Mittagssonne für ein wenig Beschattung. Wer den Boden mit feinem Kies oder Split nach dem Pflanzen bestreut, hält Unkraut fern und verhindert übermäßige Verdunstung.

Tipp: Der Frühlings-Enzian passt im Steingarten zu einer Vielzahl von alpinen Frühjahrsblühern wie der Büschelglocke (Edraianthus pumilio), Alpenaurikel (Primula auricula), Frühlings-Kuhschelle (Pulsatilla vernalis) und dem Gegenblättrigen Steinbrech (Saxifraga oppositifolia).

Pflanzsubstrat

EnzianDie wenigsten Gartenböden eignen sich optimal zur Anpflanzung von Frühlings-Enzian. Deshalb muss der Boden immer ein wenig aufgearbeitet werden. Bei starken Abweichungen ist es das Beste, den Enzian in einen Blumentopf aus Ton mit speziellem Substrat in die normale Gartenerde einzusetzen, sodass gerade noch der Rand des Topfes zu erkennen ist.

Mischung 1:

  • Sand und feiner Split
  • normale Einheitserde oder kalkarme Rasenerde
  • im Verhältnis 1+1 mischen
Torfige Substrate sind wegen des niedrigen pH-Wertes nicht empfehlenswert. Zur besseren Drainage können auch Perlite, Blähton oder Lavagranulat statt Sand oder Split eingesetzt werden.

Mischung 2:
  • Quarzsand und Quarzkies (2-4 mm Durchmesser)
  • normale Grünpflanzenerde
  • Lehm
  • im Verhältnis 1+1+1 mischen   
Gießen und Düngen

Der Frühlings-Enzian bevorzugt Böden, die nicht zu Staunässe neigen. Austrocknen sollte das Substrat nur kurz, wenn überhaupt. Gleichmäßige Feuchtigkeit schafft die besten Wachstumsbedingungen für Gentiana verna. Geschickt ist es, die Substratoberfläche mit ein wenig Kies oder Granulat zu bedecken, um das Wasser besser im Boden zu halten. Empfindlich reagiert Gentiana verna auf hohe Stickstoffgehalte im Boden. Ein Frühlings-Enzian gilt als Zeigerpflanze für eher trockene und stickstoffarme Untergründe. Eine Düngung ist daher bei humosen Gartenböden nicht notwendig. Auf nährstoffärmeren Böden werden die Gruppen Frühlings-Enzian gleich nach dem Schmelzen des Schnees mit ein wenig flüssigem Volldünger (mit niedrigem N-Gehalt) gedüngt. Wenn die erste Knospenbildung erfolgt ist, wird die Düngung wiederholt. Alternativ können auch zwei bis drei Körnchen Thomas-Kali pro Enziangruppe in den Boden gedrückt werden.

Vermehren

Eine Vermehrung von Frühlings-Enzian erfolgt durch die Teilung großer Polster oder durch das Aussäen der Samen, die sich ab August an der Pflanze bilden.
  • Zeitpunkt Teilung: nach der Blüte
  • Zeitpunkt Aussaat: August oder September
  • Aussaat direkt ins Freiland (Standortbedingungen prüfen)
  • alternativ in kleine Anzuchttöpfe (etwa 8 cm Durchmesser)
  • 1 cm dicke Schicht Blähton oder Kies in den Topf füllen
  • oben genannte Substratmischung einfüllen
  • Samen gleich in kleinen Gruppen ins Substrat geben
  • mit feinem Sand abdecken
  • in Untersetzer stellen
  • immer etwa 1 cm Wasser im Untersetzer stehen lassen
  • Kaltkeimer
  • Samen über den Winter kalt (geschützte Stelle im Freien) stellen
  • Temperatur: um 0 Grad (über mehrere Wochen)
  • keine extremen Fröste
Ab dem Frühjahr erscheinen dann die winzigen Jungpflanzen in den Töpfen. Ab jetzt von oben gießen und ab Mai ins Freiland oder einen Kübel pflanzen.

Überwintern

EnzianDa der Frühlings-Enzian im alpinen Raum bis zu 2600 Höhenmetern vorkommt, ist er gut winterhart (bis etwa -20 Grad). Damit die Pflanze in längeren kalten Trockenperioden nicht austrocknet, sollte sie im Herbst mit etwas Laub oder Stroh bedeckt werden. Dies sollte aber vor dem Neuaustrieb spätestens Ende Februar bis Anfang März entfernt werden.

Krankheiten und Schädlinge

Häufig kommt es zu Krankheitssymptomen, weil das Substrat nicht genügend durchlüftet wird oder verdichtet ist. Hier hilft nur ein vorsichtiges Ausgraben und Untermengung von Sand, Kies oder ähnlichen Füllmaterialien sowie frisches Substrat. Manchmal kommen an einem Frühlings-Enzian auch Schädlinge vor.
  • Blattläuse
  • Wurzelläuse
  • Kellerasseln oder Schnecken
Fazit

Entscheidend für gutes Wachstum und Gedeihen eines Frühlings-Enzians ist nicht die Pflege, sondern ein guter Standort. Dieser sollte sonnig sein, aber in der Mittagssonne ein wenig Schatten spenden. Ein gleichmäßig feuchter und Luft durchlässiger Boden, der mittlere bis geringe Mengen an Nährstoffen enthält, ist optimal. Staunässe, verdichtete Böden oder sehr hohe Stickstoffgehalte mag ein Frühlings-Enzian nicht.