Kräuter richtig zurückschneiden - Anleitung zu Schnitt und Ernte

KräuterFrische Kräuter sollten in keiner Küche fehlen. Kulinarisch können Sie mit den aromareichen Pflanzen eine Vielzahl von Speisen verfeinern und geschmacklich aufwerten. Kräuter für die eigenen Speisen lassen sich ohne größeren Aufwand im Garten oder direkt auf der sonnigen Fensterbank kultivieren. Der beste Zeitpunkt für die Ernte oder den Rückschnitt ist dabei abhängig von der jeweiligen Pflanzenart. Mit dem richtigen Schnitt fördern Sie die Gesundheit Ihrer Gewächse, besonders die Triebe von mehrjährigen Pflanzen dürfen keinesfalls vollständig sich selbst überlassen bleiben.



Der richtige Zeitpunkt für den Schnitt

Auch wenn Sie nur selten kochen oder bestimmte frische Kräuterarten nur 2 bis 3 Mal im Jahr benötigen, so sollten Sie die nützlichen Pflanzen doch keineswegs sich selbst überlassen. Besonders bei immergrünen Gewächsen wie beispielsweise Thymian, Salbei und Lavendel fördert ein Rückschnitt das buschige Wachstum und dient der Verjüngung. Und auch der allgemeinen Gesundheit der Pflanzen kommt diese Maßnahme zugute. Bei anderen Kräutern können Sie durch einen radikalen Schnitt auch den Vermehrungsdrang eindämmen. Verschiedene Melisse- und Minze-Arten etwa neigen dazu, sich unter idealen Pflege- und Standortbedingungen unkontrolliert im Garten auszubreiten. Die unterschiedlichen Kräuter- und Gewürzpflanzen unterscheiden sich nicht nur in der Anwendung, sondern benötigen teilweise auch zu unterschiedlichen Zeiten einen Rückschnitt:

Laubabwerfende Gehölze vertragen bereits in den ersten Pflanzjahren einen Formschnitt. Dieser wird bevorzugt im Sommer vorgenommen, wenn die Gewächse nicht mehr im vollen Saft stehen und die Gefahr des "Ausblutens" dadurch sichtbar verringert wird. Immergrüne Kräuter sollten niemals im Herbst zurückgeschnitten werden. Stutzen Sie die Pflanzen vielmehr im Frühjahr oder zeitigen Sommer zurück. So verhindern Sie, dass der Frost an den frischen Schnittstellen Schäden verursachen kann. Gewürz- und Nutzpflanzen, welche den Winter über in einem frostsicheren Quartier verbringen, werden vor dem Austrieb der Blätter im März zurückgeschnitten.

Tipp: Kürzen Sie die Triebe von Laub abwerfenden Gewächsen erst im Frühjahr ein. Somit überstehen diese Pflanzen unbeschadet die Wintermonate.

Kräuter richtig ernten

KräuterpflanzenEine einheitliche Regelung oder gar Faustformel in Sachen "Ernte" gibt es nicht. Jede Pflanzenart besitzt diesbezüglich ihre eigenen Anforderungen. Während einjährige Gewächse meist komplett abgeerntet werden können, sollten Sie bei immergrünen Sträuchern unter keinen Umständen die Wurzeln oder Knospen beschädigen. Bei schnell wachsenden, mehrjährigen Pflanzen wie beispielsweise Schnittlauch und Petersilie, werden immer nur kleine "Portionen" entnommen. Wenn die Ernte etwas üppiger ausfällt, so geben Sie den Gewächsen die Möglichkeit, sich wieder zu regenerieren. An einem warmen Standort gepflanzt - wie etwa in der direkten Nähe von Hauswänden - können Sie diese Pflanzen übrigens auch im Winter beernten.

Während Gemüsepflanzen nur bis zur Blüte verwendet werden sollten, entfalten viele Kräuter ihr volles Aroma erst
kurz vor oder während der Blütezeit. Eine Vielzahl von Gewächsen neigt dazu, sich durch Eigenaussaat selbst zu vermehren. Wenn Sie dies nicht wünschen oder wenn Sie die Blüten zu einem leckeren Salat oder Aufguss verwenden möchten, so schneiden Sie diese vor der Welke ab. Bei einjährigen Pflanzen lohnt es sich, die Samen reifen zu lassen und erst dann für die Aussaat im Folgejahr abzusammeln.

Unabhängig von der Pflanzensorte und

der Jahreszeit: Schneiden Sie Triebe und Blüten am frühen Morgen, wenn das Gewächs noch im vollen Saft steht und nicht von der Mittagshitze geschwächt ist. Kontrollieren Sie die Pflanzenteile vor dem Schnitt genau und verwenden Sie nur gesunde Triebe, Blüten und Knospen. Waschen Sie die geernteten Pflanzenteile nicht ab, denn dabei geht häufig das Aroma und die Vitamine verloren. Bei der Ernte und dem Rückschnitt sollten Sie übrigens einem scharfen Messer dem Vorzug gegenüber einer Schere geben. Eine Schere quetscht die Triebe häufig nur und hinterlässt kritische Wundränder. Besonders mehrjährige Pflanzen sind dadurch erheblich anfälliger für Schädlinge und Krankheiten.
  • Bei der Ernte Triebe und Blätter auf Schädlinge oder Krankheiten hin überprüfen.
  • Befallene Pflanzenteile nicht für den Verzehr verwenden.
  • Reinigen Sie nach dem Schnitt Messer- oder Scherenklingen ausreichend.
Tipps für ertragreiche und gesunde Pflanzen

BasilikumOb nur die Blätter geerntet werden sollen oder ob nicht sogar der komplette Trieb zum Verzehr geeignet ist, stellt besonders Hobbygärtner und -Köche häufig vor Herausforderungen. Eine kleine Übersicht über die Ernte bei den bekanntesten Kräuter- und Gewürzpflanzen:
  • Salbei: Zum Würzen oder für die Zubereitung von Tee werden nur einzelne Blätter abgezwickt. Sie können aber auch komplette Triebe bis etwa 5 Zentimeter über den Boden rausschneiden und zum Trocknen kopfüber an einem luftigen, warmen Ort aufhängen.
  • Petersilie: Das Gewächs wird stängelweise entnommen. Lassen Sie die inneren Blätter stehen, damit die Pflanze weiter wächst und austreibt.
  • Liebstöckel: Bei dieser Pflanze können Sie Triebe und Blätter frisch oder zum Trocknen gleichermaßen ernten.
  • Basilikum: Entnehmen Sie bei dieser Pflanze nur ganze Triebe. Denn dann verzweigt sich die Pflanze an der Schnittstelle neu und treibt stärker aus.
  • Rosmarin: Zum Würzen der Speisen können einzelne Triebspitzen entnommen werden. Möchten Sie die aromatische Pflanze trocknen, so schneiden Sie die kompletten Zweige bodennah ab.
  • Melisse: Ernten Sie die Blätter noch vor der Blüte ab. Ein regelmäßiger Rückschnitt um etwa 5 Zentimeter verjüngt das Gewächs und beugt einer Verkahlung der einzelnen Triebe vor.
Die richtigen Mondphasen für die Ernte und den Rückschnitt

Bereits Hildegard von Bingen beschrieb in ihren Büchern die positiven Auswirkungen des Mondes auf Pflanzen. So ist es nicht ungewöhnlich, dass bei einigen Hobbygärtnern die Gartenarbeit nach den Mondphasen ausgerichtet wird. Auch die Ernte von Kräuter- und Gewürzpflanzen sollte dabei nur zu bestimmten Zeiten vorgenommen werden. Während des aufsteigenden Mondes steigen auch die Pflanzensäfte nach oben und versorgen oberirdische Pflanzenteile wie Blätter, Stängel und Blüten mit Energie. Passionierte Mondgärtner vertreten die Ansicht, dass in dieser Zeit das Aroma der Kräuter besonders intensiv ist. Wenn Sie es selbst ausprobieren möchten, so schnappen Sie sich einen speziellen Mondkalender und schneiden Sie die Triebe und Blätter in der richtigen Erntezeit. Trotz der vorherrschenden Mondphase sollten Sie aber äußere Einflüsse wie beispielsweise der Zustand der Pflanze, das Wetter und auch die Jahreszeit keinesfalls außer Acht lassen.

Fazit
Frische Kräuter und Gewürzpflanzen sollten in keinem Garten fehlen. Wem es am nötigen Platz im Freiland dafür mangelt, der kann viele der nützlichen Gewächse auf dem Balkon oder auch auf einem sonnigen Fensterbrett kultivieren. Die Ansprüche der Pflanzen sind unterschiedlich, eine pauschale Aussage über die Ernte von Blättern und Trieben gibt es ebenfalls nicht. Schnell wachsende Pflanzen können durchaus häufiger und großzügiger beerntet werden als langsam wachsende Gewächse.