Schwedenkräuter - diese Kräuter gehören dazu

aloe3_flSchwedenkräuter, auch Schwedenbitter oder Schwedenkraut genannt, sind eine Art Heilmittel für alles.

Die Schwedenkräuter haben eine lange Geschichte, sind aber erst im letzten Jahrhundert durch die österreichische Kräuterkundige Maria Treben wieder bekannt gemacht worden.

Viele Rezepte für die Schwedenkräuter

  • Unterschieden werden meist der kleine und der große Schwedenbitter. Heute wird meist der kleine Schwedenbitter bevorzugt, was vermutlich auf Maria Trebens nachdrückliche Empfehlung dieser Rezeptur zurückzuführen ist.
  • Für beide Varianten gibt es jedoch nicht nur ein Rezept. Wichtiger als ein Vergleich der verschiedensten Rezepte ist

    sicherlich eine Betrachtung der Bestandteile aus moderner Sicht. Heute sind bei einigen der Bestandteile Inhaltsstoffe bekannt, die unerwünschte oder auch gefährliche Wirkungen haben können.
  • Ein gängiges Rezept für den kleinen Schwedenbitter enthält Aloe, Angelikawurzel, Kampfer, Manna, Rhabarberwurzel, Sennesblätter, Theriak venezian und Zitwerwurzel zu je zehn Einheiten, dann je ein fünf Einheiten Eberwurz und Myrrhe und zwei Einheiten Safran. Das alles wird mit 1.500 Einheiten Doppelkorn angesetzt.

Bei den Schwedenkräuten sind einige kritische Bestandteile:

Unterzieht man eines der verbreiteten Schwedenkräuter-Rezepte einer näheren Betrachtung, stößt man auf einige Bestandteile, die nachdenklich machen:

  • Die heute zur Wellnesspflanze hochgelobte Aloe hat eine eher unrühmliche Vergangenheit: Früher wollte man vor allem das Aloin extrahieren, das dann als gängiges Abführmittel eingesetzt wurde. Heute weiß man jedoch, dass in Aloe-Auszügen auch noch ein zweites Glykosid, das Anthrachinon, für die abführende Wirkung sorgen kann. Beide Substanzen stehen im Verdacht, bei Dauereinnahme Krebs zu erzeugen und das Erbgut zu schädigen, außerdem kann es zu schweren Störungen des Wasser- und Elektrolythaushalts kommen. Angelikawurzel wirkt hauptsächlich durch ätherisches Öl. Weitere Bestandteile sind rund 20 photosensibilisierende Furanocumarine, die empfindliche Menschen bei Hautkontakt mit frischem Pflanzensaft gegen Sonnenlicht sensibilisieren (Angelikadermitis).
  • Eberwurz enthält ätherische Öle, Hauptbestandteil ist das antibakterielle Carlinaoxyd, das in großen Mengen toxisch ist. Allerdings gibt es rund 32 Eberwurz-Arten, beim selber sammeln ist also umfassende Kenntnis erforderlich. Kampfer ist ein Feststoff, der natürlich in verschiedenen Pflanzen vorkommt und in geringen Mengen arzneilich genutzt wird, vor allem gegen Rheuma oder Neuralgien, gegen Zerrungen und in Erkältungsmitteln, in der Zahnmedizin auch zur Desinfektion von infizierten Wurzelkanälen. In höherer Dosierung wirkt Kampfer psychoaktiv und
    toxisch.
  • kraeuterMit Manna ist beim Schwedenbitter nicht das Himmelsbrot gemeint, sondern der Saft der Manna-Esche. Das darin enthaltene Mannitol wird eingesetzt, um in bestimmten Fällen einem Nierenversagen vorzubeugen, außerdem zur Hirn- und Augendrucksenkung und als Diuretikum bei Vergiftungen. Dann laufen noch Studien zum Einsatz bei Mukoviszidose, außerhalb schlimmer Erkrankungen ist Mannitol lediglich als leicht abführendes Mittel in Gebrauch. Myrrhe ist ein Harz, das als Tinktur auch heute noch pharmazeutische Bedeutung hat. Äußerlich angewendet wird Myrrhentinktur bei verschiedenen Entzündungen, innerlich bei Bronchitis und bei Darmentzündungen. 
  • Für eine abführende Wirkung im Schwedenbitter sorgen auch Rhabarberwurzel und Sennesblätter. Rhabarberwurzel bewirkt das ebenfalls durch potenziell Krebs erzeugendes Anthrachinon, außerdem enthält sie noch Oxalsäure, die beim Menschen in Mengen eingenommen kalziumzehrend wirken kann. Sennes enthält Sennoside, auch sie gehören zu den Anthrachinonglykosiden. Wenn eine abführende Wirkung gewünscht ist, gibt es heute ungefährliche Mittel.
  • Theriak venezian enthält einige Bestandteile, die auch schon einzeln im Schwedentrank enthalten sind, außerdem weitere Bestandteile, die schlichtweg giftig sind. Ohne nähere Beschäftigung sollte also ein Theriak-Rezept

    besser nicht ausprobiert werden, bei Mischungen aus der Apotheke werden wohl ohnehin nur die heute als harmlos bestimmten Bestandteile enthalten sein.        
  • Zitwerwurzel ergibt die Droge “Zedoariae Rhizoma”, die aus den getrockneten Rhizom-Wurzeln besteht. Es ist eine ähnliche Substanz wie Kurkuma, die als Mittel bei Magenleiden, Gallenleiden und Lebererkrankungen verwendet wird. Nicht zu verwechseln mit der Zitwerblüte, diese Droge wird aus einem giftigen russischen Beifußgewächs gewonnen und sollte innerlich nicht angewendet werden. Safran ist uns als kostbares Gewürz bekannt, ihm werden auch verschiedene revitalisierende Wirkungen zugeschrieben.
  • Auch wenn hier nur kurz die kritischen Punkte der einzelnen Bestandteile angerissen werden können, zeigt sich schon, dass eine unkritische Herstellung von Schwedenbitter ohne Prüfung des Rezepts ungesund werden kann. Wer interessiert an der Herstellung der Schwedenkräuter ist, sollte sich näher mit den einzelnen Ingredienzien beschäftigen und sich die Mischung zusammenstellen, die für den eigenen Körper lediglich positive Wirkungen entfalten kann.
  • Es liegt allerdings der Verdacht nahe, dass die in alten Zeiten so hoch gelobte Wirkung der Schwedenkräuter auf ganz andere Mechanismen zurückzuführen ist: Nur etwas über sechs Prozent Gewichtsanteile sind getrocknete Kräuter, die dann in fast 94 Prozent hochprozentigem Alkohol ihre Wirkungen entfalten. Ein solch hochgeistiges Getränk bringt manchen Menschen dazu, seine Zipperlein zu vergessen. Auch Opium steht in dem Ruf, berauschend gute Laune zu bringen, Opium ist ein wesentlicher Bestandteil des originalen Theriaks venezian.
  • Der große Schwedentrank enthält weitere Stoffe, die vor Einnahme im Einzelnen analysiert werden sollten. Genau so spannend wie die Beschäftigung mit den Inhaltsstoffen des Schwedenbitters sind alle Fragen rund um Zubereitung und Anwendung eines Schwedenbitters. Auch der Einsatzbereich des Schwedenbitters verlangt durchaus eine nähere Beschäftigung.