Essbare Wildpflanzen sammeln

wald_flBis jetzt haben in vielen Gegenden nur die Gourmets den Geschmack entdeckt: Essbare Wildpflanzen erweitern nicht nur unseren Speisezettel um ausgefallene Geschmacksnuancen, sie genügen auch in hervorragender Weise den Forderungen der Zeit nach naturbelassenen Lebensmitteln. Denn welcher Anbau kann noch natürlicher sein als das spontane Wachstum mitten im Wald?

Welche Wildpflanzen sind essbar?

  • Heimische Wildpflanzen, die Sie essen können, gibt es eine ganze Menge. Hier eine Auswahl der Bekanntesten: Bachbunge und Bärlauch, Birke und Linde, Brennessel, Brunnenkresse und Gänseblümchen sind leicht zu finden und geben ihre jungen Blätter

    gerne für eine Bereicherung Ihres Salats her.
  • Auch Hirtentäschel, Löwenzahn und Sauerklee, Scharbockskraut und Spitzwegerich, Vogelmiere und Wilde Möhre sind ebenso vielfach am Wegesrand oder als Unkraut im Garten zu finden, wie sie Ihren Tisch geschmacklich bereichern können.
  • Aber Skepsis beim Sammeln ist angebracht, die Blätter des Bärlauchs zum Beispiel ähneln denen der Maiglöckchen und der Herbstzeitlosen, die beide hochgiftig sind. Die Wilde Möhre ähnelt vielen Doldenblütlern, die ebenfalls weit oben in der Hitliste der Giftpflanzen stehen.
  • Andere meist verkannte Gewächse, bekannt vom Ackerrain oder vom Ausrottungskampf im Garten, können ebenfalls mehr: Beinwell und Franzosenkraut, Gundermann, Melde, Sauerampfer, Schafgarbe und vor allem der häufig so hingebungsvoll bekämpfte Giersch lassen sich hervorragend zur Suppe kochen, oder wie Spinat schmoren. Es gibt einige Menschen, die die Ausbreitung des Gierschs in ihrem Garten heute ohne Stresszeichen hinnehmen, weil ihnen der Gierschspinat besser schmeckt als der mitunter geschmacksarme Zuchtspinat.
  • Und dann gibt es noch die Beeren, die zu Marmeladen und Likören werden können, dazu zählen Arionia und Berberitze (Sauerdorn), Sanddorn, Schlehen und Weißdorn. Aus Holunderblüten lässt sich wunderbarer Sirup machen und durch Eigengärung auch Sekt, dessen Flaschen dem Abfüller allerdings gerne einmal um die Ohren fliegen. Die Blätter des Holunders sind giftig, während Brombeere, Blaubeere und Himbeere auch ihre Blätter hergeben, aus ihnen kann Tee gekocht werden.

Das ist keine abschließende Liste, zeigt aber ganz gut, wie abwechslungsreich man sich ernähren kann, ohne einen Supermarkt zu betreten. Für jede Wildpflanze gibt es im Internet eine Menge Rezepte, manche Pflanze ist

für ganz eigene Spezialzubereitungen bekannt.

Essbare Wildpflanzen sammeln

Für das Sammeln gilt: Je natürlicher die Umgebung ist, desto besser.

  • Es ist eigentlich logisch, dass man die Pflanzen nicht gerade an der Autobahn sammelt.
  • Unbekannter ist der Rat zur Vorsicht beim Sammeln im Wald, hier könnte durch den Urin von befallenen Füchsen der Fuchsbandwurm übertragen werden. Waschen soll die Gefahr zwar beseitigen, vor ausgedehnten Sammelaktionen in Waldgebieten sollte man aber vielleicht doch vorher den örtlichen Befall der Füchse mit dem Bandwurm erkunden.
  • Da Sie generell nie wissen können, welchen Einflüssen eine frei wachsende Pflanze ausgesetzt war, ist ausgiebiges Waschen des Sammelgutes immer Pflicht.

Gefahrloses Sammeln setzt Wissen voraus

  • Vor allem aber dürfen Sie nicht sofort losgehen und sammeln, nachdem Sie einen Artikel über Wildpflanzen gelesen haben. Das kann nicht nur mit bösem Durchfall enden, sondern kann im Extremfall tödlich sein. Sie sollten sich deshalb sehr sicher sein, dass Sie die richtige Pflanze gepflückt haben, bevor es an den Kochtopf geht.
  • Um diese Sicherheit zu erlangen, brauchen naturfern aufgewachsene Menschen verschiedene Bücher und eine ganze Menge Zeit.
  • Auch so manche Beratung mit Menschen, die sich auskennen, sollte zur Vorbereitungszeit gehören.
  • Können Sie solche Menschen in Ihrer Umgebung nicht

    sicher ausmachen, hilft nur der Gang zum Pflanzenschutzamt.

pilze_flSie müssen nicht nur wissen, was Sie sammeln, sondern auch, welche Mengen einer Pflanze risikolos verzehrt werden können. Löwenzahn zum Beispiel kennen inzwischen alle Städter aus dem Feinkostgeschäft. Da liegt der Gedanke nahe, dass die Wildform der Kulturpflanze aus dem Regal ebenfalls harmlos ist und in beliebigen Mengen verzehrt werden kann. So ist es nicht unbedingt, Löwenzahn aus der freien Natur enthält den Bitterstoff Taraxacin. Beim Löwenzahn aus dem Supermarkt wurde diese Substanz bis auf Geschmacksreste weggezüchtet. Taraxacin kann nicht nur Kindern beim Pflücken entzündliche Hautreaktionen einbringen, er kann auch Schmerzen in der Leber, rheumatische Beschwerden und Durchfälle verursachen, wenn er in größeren Mengen verzehrt wird.

Mehr Informationen
 

  1. Eine Menge Information, egal, ob Sie auf einer Wildkräuterwanderung lernen wollen oder ein überbordendes Ergebnis Ihrer Sammelleidenschaft an Interessierte abgeben wollen, finden Sie unter www.essbare-wildpflanzen.de.
  2. Eine geniale Deutschlandkarte erwartet Sie bei www.mundraub.org: Hier werden in ganz Deutschland Standorte gesammelt, an denen Kräuter Beeren Nüsse und Obst wild wachsen.
  3. Erwartet werden verantwortungsvoller und behutsamer Umgang mit der geschenkten Pracht, freundliches Interesse und gerne etwas Engagement bei der Obstbaumpflege. Eine weitere tolle Möglichkeit, sich selbst und den Nachwuchs an den natürlichen Reichtum der Natur zu erinnern.