Petersilie - Aussaat, Pflege und Ernte - Tipps zum Einfrieren

PetersilieDer Doldenblütler Petersilie gehört schon so lange zu den Grundpfeilern der deutschen Küche, dass bereits Generationen von Deutschen Petersilie auf den Kartoffeln oder als Garnitur auf dem Restaurantteller für gottgegeben hielten. Gottgegeben wird die gesunde und schmackhafte Petersilie allerdings nicht zu Ihnen kommen, nachfolgend erfahren Sie deshalb das Wichtigste zur Aussaat, Pflege und Ernte der Petersilie:

Welche Petersilie soll es denn sein?

Ihre ursprüngliche Heimat (den Ort ihrer Entwicklung) kennt keiner mehr, bei uns hat sich Petersilie auf

jeden Fall nicht entwickelt, die Ur-Petersilie ist vielmehr (per Mensch) zu uns eingewandert, wahrscheinlich aus dem östlichen Mittelmeerraum oder Westasien. Wann das war, weiß man auch nicht genau, im Mittelalter war Petersilie schon bei uns angekommen, je nach Sichtweise könnte man sie deshalb wohl schon als einheimisch betrachten (Pflanzen migrieren genau so eifrig wie Menschen, wer nur Pflanzen als einheimisch ansieht, die sich bei uns entwickelt haben, landet bei ein paar Gräsern). Seit dem Mittelalter wird Petersilie bei uns auch schon gezüchtet, zunächst zur krausen Petersilie. Das war dringend notwendig - als die Petersilie vom Klostergarten aus die Küchengärten eroberte, gab es zahlreiche Todesfälle, weil sie mit der sehr ähnlich aussehenden, giftigen Hundspetersilie verwechselt wurde. Seitdem macht die Petersilie Karriere, in kraus und in glatt und als Wurzel im Suppengrün, in ganz Europa und im gesamten Mittelmeerraum. Es gibt zwei Unterarten, mehrere Typen-Gruppen und viele Zuchtsorten:
  • 1. Blattpetersilie, Petroselinum crispum subsp. crispum, soll viele Blätter mit viel Geschmack hervorbringen. In zwei Gruppen, glatte und krause Petersilie, mit jeweils mehreren Zuchtsorten (siehe dazu "Petersilie pflanzen - Anzucht im Garten und auf dem Balkon"). Die glatte Blattpetersilie ist der natürlichen Wildform am nächsten, soll leichter zu kultivieren sein als krause Petersilie und einen kräftigeren Geschmack entwickeln. Wenn Sie Deko-Petersilie brauchen, könnten Sie sich voll in die Vielfalt der krausen Petersilien stürzen, bei denen gibt es viele Typen, Geschmack und Dekorationswert können sich verbinden. Die feinste Krause zeigt die "fern leafed" (Farnblättrige Petersilie), als fein gekraust gilt "double/triple curled" (extra krause, Mooskrause), grobe Krause zeigt die "curled" oder "perlé" (Typ Paramount), neben diesen Gruppen könnten Sie die "Kräuselstärke" auch noch aus einer Skala von 1-9 wählen.
  • 2. Wurzelpetersilie, Petroselinum crispum subsp. tuberosum, von der der unterste Teil in jedem Suppengrün zu finden ist. Das Wurzelwachstum spielt hier die Hauptrolle, die Wurzel wird viel dicker als bei den auf Blattmasse gezüchteten Petersilien. Aber die Blätter sind genauso essbar wie bei einer Blattpetersilie und können auch genauso zum Würzen eingesetzt werden. Wenn Sie als Hausgärtner gesunde Petersilie anbauen möchten, ist es sicher keine schlechte Idee, Biosaatgut zu verwenden. Biosaatgut hat einige Vorteile:
  • BIO-Saatgut wird ohne chemische Düngemittel erzeugt
  • Auch auf Einbringung von Schädlingsbekämpfungsmitteln z. B. in der Samenschale wird verzichtet
  • Das ist nicht nur für den späteren Verzehr sicherer:
  • Bei konventioneller Saatgutbeize werden oft Neonicotinoide eingesetzt, die als eine der Ursachen für das weltweite Bienensterben gelten
  • Biosaatgut darf auch nicht mittels Einsatz von Gentechnik erzeugt werden
  • Mit seiner Verwendung setzen Sie also zugleich ein Statement gegen Patente auf Pflanzen
  • Die werden nämlich für "neues Saatgut" vergeben und ziehen riesige Probleme nach sich
  • So dürfen Bauern patentiertes Saatgut nicht einfach neu ausbringen, sondern müssen es jedes Jahr neu kaufen
  • Das ist nicht nur ein herber Schlag gegen traditionelles bäuerliches Handwerk, sondern kostet Bauern in armen Ländern

    die Existenz
  • Biosaatgut wird von unabhängigen Kontrollstellen überwacht, die (im Gegensatz zu Abgas-Kontrollbehörden) auch wirklich tätig werden
Die oben angegebenen Zuchtsorten sind alle auch als Biosaatgut verfügbar, die grundlegenden Eigenschaften bleiben bei der Bio-Version gleich. Inzwischen ist aufgrund gestiegener Nachfrage eine gute Auswahl von biologischem Saatgut auf dem Markt, wobei die Mehrzahl der Erzeuger altbewährte Sorten anbietet (Gegensatz: neue, nicht unbedingt auf Geschmack optimierte Handelssorten).

Standort

Aussaat der PetersiliePetersilie genießt sonnige Standorte, was Sie später am Aroma merken. Perfekt wäre es, wenn dieser sonnige Standort genau dann ein wenig beschattet liegt, wenn grelle Mittagssonne auf die Petersilie "prallen" würde. Im lichten Halbschatten wächst Petersilie auch, im Zweifel eben etwas weniger würzig. Was nicht unbedingt schlimm wäre, im Gegensatz zu einer in sterilem Gewächshaussubstrat gezogenen Handels-Petersilie ist eine selbst in richtiger Erde gezogene Petersilie wohl immer eine Geschmacksoffenbarung ...

Diese Erde darf gerne humusreich und leicht feucht sein. Petersilie verträgt im Vergleich zu den meisten Süd-Kräutern, die am besten in trockener Magererde gedeihen, ziemlich viele Nährstoffe. Aber bitte so locker, dass sich niemals Staunässe bilden wird, die könnte die Wurzel der Petersilie zum faulen bringen. "Prinzessin Petersilie" kommt nicht mit jedem Nachbarn aus, Kopfsalat will sie überhaupt nicht neben sich, andere Salate auch eher nicht. Am
wenigsten mag sie sich selbst, Petersilie soll erst nach vier Jahren wieder an den gleichen Standort. Zu Bohnen, Erbsen, Erdbeeren, Fenchel, Kartoffeln, Knoblauch, Kohl, Mais, Mangold, Meerrettich, Möhren, Rhabarber, Rote Rüben, Schwarzwurzeln, Sellerie, Spinat, Zucchini und Zwiebeln ist Petersilie "neutral", Gurken, Lauch, Tomaten gelten als gute Nachbarn, Radieschen und Rettich soll die Petersilie mit ihrem Duft sogar vor Schädlingen schützen.

Aussaat

braucht Geduld und ziemlich viele Informationen:

Petersilie sind echte Langsamkeimer, ihre Samenschalen enthalten Furocumarine, Keimungshemmstoffe. Diese Keimhemmer werden Samen "mitgegeben", damit die Keimung nur unter günstigen Bedingungen stattfindet. Hinter dem Keimhemmer verbirgt sich die berühmte "Zickigkeit" der Petersilie beim Keimen, in einem insgesamt nicht gerade unkomplizierten Mechanismus:
  • Die Keimhemmstoffe müssen abgebaut oder ausgewaschen werden, damit es zur Keimung kommt
  • Oder ihrerseits in ihrer Wirkung gehemmt werden, ein typischer dafür zuständiger Antagonist ist das Pflanzenhormon Gibberellinsäure
  • Es gibt noch andere Gibberelline, die eine Keimung fördern und im Samen z.B. nach Kälteeinwirkung verstärkt gebildet werden
  • Weiter können keimungsfördernde Maßnahmen den Abbau keimhemmender Stoffe fördern oder die Ausbildung keimfördernder Hormone anregen:
  • Samenschale anritzen und in Wasser quellen lassen = Auswaschen von Keimhemmern
  • Bestrahlen mit kurzwelligem Rotlicht (Hellrot) soll keimfördernde Pflanzenhormone anregen
  • Stratifizieren (Kälteeinwirkung) soll keimfördernde Pflanzenhormone anregen
  • Bei der Petersilie soll die geringe Zahl der üblicherweise keimenden Samen auch dadurch verursacht werden, dass meist ein großer Teil der Samen taub ist (keinen Embryo enthalten)
  • Wenn Embryonen vorhanden sind, soll üblicherweise ein großer Teil unreif sein und eine Nachreifzeit brauchen
Vor diesem Hintergrund kein Wunder, dass Petersilie 4 bis 6 Wochen zum Keimen braucht, ehe Sie jetzt zum nächsten Artikel über den Anbau besser gelaunter Pflanzen klicken, folgen ein paar Tricks, um "das Problem Petersilie zu knacken":
  • Geben Sie die Petersiliensamen in ein Teesieb
  • Das Teesieb kommt etwa 90 Minuten in Humifixlösung (selber ansetzen oder z. B. bei www.abtei-fulda.de kaufen)
  • Damit die Naturbeize alle Samen erwischt, mehrmals gut durchrühren
  • Dann Filterpapier (Kaffeefilter) kurz anfeuchten, Samen locker einwickeln, auf Sand in ein Kunststoffgefäß mit (geschlossenem) Deckel geben
  • Gefäß hell und  warm stellen, ohne direkte Sonne, bei 20 °C
  • Wenn die ersten Keime (angeblich nach wenigen Tagen) gerade sichtbar sind, Samen mit trockenem Sand vermischen und aussäen
Die Aussaat hat dann auch noch ihre Tücken, es gibt einen alten Schulversuch mit Petersiliensamen auf Löschpapier, bei dem nur die Samen keimen, die schön einzeln liegen - da geht es um intraspezifische Konkurrenz. Das heißt "Unverträglichkeit mit sich selbst", die Petersilie ist hier wieder einmal voll mit dabei. Wenn Sie nun langsam tatsächlich zum nächsten Artikel mit freundlicheren Pflanzen abwandern, wäre das zwar verständlich, aber nun ist es geschafft: Sie müssen die Petersilien einfach nur noch in einem gewissen Abstand aussäen. Blattpetersilie mit einem Abstand von mindestens 10 cm nach allen Seiten, Wurzelpetersilie mit mindestens 20 cm. Aussaat ins Freie darf für die wärmeliebende Petersilie auf keinen Fall vor Mitte Mai geschehen, Frost mag sie natürlich auch nicht (ob sie überhaupt das Wachsen mag? Weiß nicht so richtig, aber es sollen schon Petersilien in Gärten gesehen worden sein ...). Dafür haben Sie nach hinten etwas Luft, Sie können bis Juli oder August Petersilie aussäen, die warmen Temperaturen bekommen ihrer Entwicklung sogar richtig gut. So lange es auch her ist - die Petersilie hat die Wärme in ihrer ersten Heimat nie vergessen, am liebsten wächst sie bei Temperaturen zwischen 22 und 30 °C. Die deutsche Durchschnittstemperatur im Sommer liegt bei knapp 16 °C, wahrscheinlich ist das der wahre Grund für das ganze Troubleshooting der Petersilie.

Petersilien-Pflege

PetersilieWenn Sie einen Standort gefunden haben, an dem die Petersilie sich wohlfühlt, haben Sie nicht mehr viel zu tun, es sind eigentlich nur noch ein paar Details zu beachten:
  • Petersilie möchte gleichmäßig, aber mäßig gegossen werden
  • In ihrem natürlichen Lebensraum "Felshang" läuft zu viel Wasser sofort ab, Staunässe verträgt Petersilie nicht
  • Austrocknen darf Petersilie auch nicht, besonders wenn draußen große Hitze herrscht, braucht sie regelmäßig Feuchtigkeit
  • Im Topf wird sie gegossen, wenn die obere Erdschicht abgetrocknet ist
  • In sehr magerem Boden kann die Petersilie ein paar Nährstoffe vertragen, aber bitte keinen frischen Dünger, den schätzt sie nicht sehr
  • Und bitte auch keinen Kunstdünger, wegen des Geschmacks und weil Petersilie (zu) gut Nitrat speichert
  • Besser ist es, wenn Sie ins Petersilien-Beet vorher reifen Kompost einarbeiten
  • Petersilie ist zweijährig und gewöhnlich unkritisch winterhart, bei großer Kälte nimmt sie gerne ein wenig Reisig als Winterschutz an
Wenn eine Petersilie trotz vorbildlicher Pflege kümmert, sollten Sie nicht in Schwermut verfallen, wahrscheinlich liegt es einfach an den Temperaturen.

Petersilie ernten und einfrieren

Wenigstens etwas, was bei Petersilie ganz leicht funktioniert:

Ernten heißt Stiele mit Blättern abschneiden - immer von außen, Petersilie wächst aus den Herzblättern in der Mitte nach. Wenn Sie diese Blätter im Inneren mit abernten würden, bis auf den letzten kleinen Fitzel, würde kein Blatt mehr nachwachsen. Einfrieren ist die einzige Möglichkeit, reines Petersilienaroma zu konservieren. Trocknen geht nicht, da bleibt außer dem Gedanken an grünes Gras kein Geschmackseindruck übrig, andere Konservierungsmöglichkeiten wie Einsalzen, in div. Gewürzpulvern schichten usw. verändern immer den Geschmack (wenn auch durchaus positiv). Einfrieren können Sie Petersilie in größeren Portionen am Stiel, einfach in eine schmale Gefriertüte stecken, in kleineren Portionen als Blätter, ebenfalls locker in Tüten geschichtet, oder portionsfertig gehackt im Eiswürfelbehälter.

Fazit

Petersilien-Anbau lohnt sich. Schon allein deshalb, damit Sie das wohlschmeckende Blattkraut immer frisch verfügbar haben, denn einmal geerntete Petersilie lässt sich im Kühlschrank kaum lagern und auch nicht gut trocknen. Die Petersilie gibt sich anfangs ziemlich zickig, aber wenn sie erst einmal am richtigen Platz im Garten steht, ist die Pflege eher unkompliziert.