Kräuterlikör selber machen - ein Rezept

Kräuterlikör selber machen - ein Rezept

Wie wohl tut ein kleiner Verdauungsschnaps nach einem reichhaltigen Essen? - Der Alkohol hilft nicht wirklich bei der Verdauung. Dieser Irrglaube ist von der nüchternen Wissenschaft längst widerlegt worden.

kraeuter6 flEs sei denn, mit dem Alkohol werden dem Körper noch andere Stoffe zugeführt, die sich unstrittig positiv auf die Verdauung auswirken. Wie es bei einem Kräuterlikör der Fall ist, wenn er aus den richtigen Kräutern zusammengestellt wurde:

Rezept für einen Kräuterlikör

Das Grundrezept für einen

Kräuterlikör ist recht simpel:
  • 200 g frische Kräuter in gewünschter Mischung werden gewaschen, trocken geschleudert oder getupft und in eine helle, verschließbare Flasche gegeben. Diese wird mit ...
  • 1 l Weingeist (Ethanol bzw. Trinkbranntwein mit 90 bis 96 % Alkohol) aufgegossen und darf nun an einem hellen Platz etwa zwei Wochen ziehen. Als nächstes wird ...
  • 1 ungespritzte Zitrone heiß abgewaschen, die Schale wird abgerieben und zum Kräuterlikör gegeben, der darf dann noch einmal drei Tage ziehen. Nun wird er gesüßt, wozu ...
  • 1 kg Zucker mit 1 l Wasser aufgekocht wird.
  • Der sich bildende Schaum (mit allen Unreinheiten der Zuckerlösung darin) wird sorgfältig abgeschöpft.
  • Dieser Läuterzucker wird nach dem Erkalten zum Kräuteransatz gegeben.
  • Nach weiteren zwei Tagen ziehen kann der Inhalt durch ein Tuch abgeseiht werden.
Die Flaschen sollten gut verschlossen gelagert werden. Dieser Kräuterlikör hat einen beträchtlichen Alkoholgehalt, weshalb er zum Genuss auf die Hälfte verdünnt werden sollte.

Das ist kein Rezept, “frische Kräuter in gewünschter Mischung”? - Nein, wohl nicht, und gerade die Zusammensetzung der Kräuter ist ja das Wichtigste, aber eben auch ein wirklich weites Thema. Es hilft nichts: Man könnte hier mühelos ganz viele verschiedene Rezepte abdrucken, die Sie bloß leider wenig weiterbringen würden. Denn die Kräuter für Ihren Lieblings-Kräuterlikör werden Sie erst zusammenstellen können, wenn Sie genau wissen, welche Kräuter Ihnen so richtig gut schmecken in einem Likör.

Falls Sie sich an Kräuterlikören aus dem Handel orientieren möchten, wird das nicht ganz so leicht möglich sein: Die Rezepte der bekannten Kräuterliköre werden sorgsam geheim gehalten, eine Annäherung durch Ausprobieren wird schwer. Der Grundstoff für Jägermeister soll aus 56 Kräutern bestehen, der Kräuterextrakt eines Underberg soll 43 Kräuter enthalten, bei Ramazotti spricht man von 33
verschiedenen Kräutern und bei Campari von über 80 geheimen Zutaten. Deshalb ist es wahrscheinlich geschickter, wenn Sie sich von vornherein am Geschmack und an der Wirkung der Kräuter orientieren:

Welche Kräuter gehören also in einen Kräuterlikör?

  1. Darauf gibt es gleich mehrere Antworten:
  2. Die Kräuter, die Sie besonders gerne mögen. Wenn Sie ein ausgesprochener Fan des erfrischenden Geschmacks der Pfefferminze sind, liegt es nahe, sich einen reinen Pfefferminzlikör herzustellen, ganz ohne irgendwelche anderen Kräuter darin, die Sie dann wahrscheinlich nur stören würden.
  3. kraeutergarten flFür den oben beschriebenen Verdauungsschnaps können Sie grundsätzlich alle Kräuter zugeben, von denen bekannt ist, dass sie sich günstig auf die Verdauung auswirken. Das sind nicht wenige: Anis und Beifuß, Krauseminze und Muskatellersalbei, Löwenzahn, Wermut und Kümmel und noch mindestens 49 weitere (sonst wären ja im Jägermeister nicht 56 Kräuter). Jedes dieser Kräuter wirkt nicht einfach “verdauungsfördernd”, sondern die

    positive Wirkung “in Richtung Verdauung” kann meist etwas genauer beschrieben werden. Sie könnten sich also nach gründlichem Studium der jeweiligen Kräuterwirkungen genau den Kräuterlikör zusammenstellen, der genau Ihre Verdauung wahrscheinlich am besten befördern wird.
  4. In Liköre, die anderen Zielen dienen sollen, gehören jeweils die Kräuter, die dafür bekannt sind, eben diese Ziele zu fördern. Wenn Sie alle Wirkungen auswerten, die den Kräutern im Internet zugeschrieben werden, könnte ein Kräuterlikör-Rezept Ihr Leben verändern. So soll z. B. Basilikum im Likör in der Lage sein, untreue Ehepartner auf den Pfad der Tugend zurückzuführen. Auch wenn es sein mag, dass sogar ein untreuer Partner sich vermehrt daheim blicken lässt, wenn ein köstlicher Kräuterlikör lockt, lösen die meisten Menschen solche und ähnliche Probleme jedoch eher nicht mit ihren Likörrezepten. Es kann jedoch Sinn haben, wenn Sie Basilikum an Ihren Kräuterlikör geben, weil Sie seine beruhigende, krampflösende und stimmungsaufhellende Wirkung ausnutzen möchten.
Der Geschmack der Kräuter

Die Zusammenstellung der Kräuter bestimmt auch den Geschmack Ihres Kräuterlikörs, und der soll natürlich ebenfalls stimmen beim selbstgemachten Kräuterlikör. Da Sie wahrscheinlich mehr als ein Leben lang zu tun hätten, wenn Sie beginnen würden, mit den verschiedensten Kräutermischungen Ihren Lieblingsgeschmack zu erarbeiten, geht die einzig realistische Möglichkeit zur geschmacklich wirklich durchdachten Herstellung des persönlichen Kräuterlikörs über den Geschmack der einzelnen Kräuter.

Der Weg zur perfekten Kräutermischung für einen selbst hergestellten Verdauungs-Kräuterlikör, der Ihnen rundum köstlich schmeckt, sähe dann ungefähr so aus:
  1. Liste aller Kräuter zusammenstellen, denen die gewünschte Wirkung auf Ihr Verdauungsproblem zugeschrieben wird.

  2. Bekannte Kräuter nach Geschmack auswählen.

  3. Unbekannte Kräuter probieren. Das geht sehr gut, indem Sie sie einzeln und klein geschnitten unter einen Esslöffel Butter mischen und diese Mischung auf einem Stückchen Toastbrot konzentriert probieren.

  4. Mit den ausgesuchten Kräutern einen Kräuterlikör herstellen und probieren. Und beim nächsten Mal vielleicht ein wenig verändern ... Auf jeden Fall werden Sie bei der Herstellung eigener Kompositionen viel Spaß haben!