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Gedanken über den Tod

Der Herbst ist für den Gärtner ein melancholischer Abschied von einem Sommerfest, ist das Ableben der einjährigen Blumen und natürlich auch vieler anderer, kurz- wie langlebiger Pflanzen. Und im Herbst ist ja auch der November ...



mit seinen Totengedenktagen - eine alljährliche Begegnung mit dem Tod, der nach Thuja und Eibe, nach Moos und Erde riecht. Diese Konfrontation mit dem Sterben macht uns Angst, lässt Trostlosigkeit in uns hochkommen. Wir Menschen, die wir doch sogar wollen, dass Blumen immerwährend blühen, tun uns unendlich schwer in der Auseinandersetzung mit dem Sterben. Unbekümmert verdrängen wir in unserer Jugend erfolgreich dieses Bewusstsein um den Tod, der medizinisch und nüchtern betrachtet oftmals nur das natürliche Ende eines Jahrzehnte dauernden Verschleissprozesses ist. Ein Prozess, der doch so sichtbar ist, dass wir eigentlich nicht davor die Augen verschliessen können. Aber irgendwie hoffen wir in der privilegierten Situation zu sein, dass es nicht uns betrifft, nicht unsere Familie - und dass er eine Ausnahme macht. So, wie wenn die Toten zu einer anderen Rasse Menschen zählten, einer Rasse, der wir nicht angehören. Und der Heimgang eines geliebten, uns nahestehenden Menschen wird immer eine Thematik bleiben, die wir nur zu gerne aus unserem Bewusstsein ...



verdrängen.

Dass das Ableben einfach nur natürlich ist, das will uns der Herbst erklären und vorleben. Denn Wandelbarkeit ist der Stoff, aus dem jedes Leben gemacht ist. Und nichts währt ewig. So wie die Blumen blühen und verblühen, so kommen auch Menschen und vergehen, weil die Natur mit ihren Gesetzen immer das letzte Wort haben wird. Der Tod kann zuschlagen, schicksalhaft und hinterhältig, von einer Sekunde auf die andere ü oder er kann sich ankündigen, langsam und sanft. Aber niemals, niemals werden wir wirklich vorbereitet sein.  Schicksal ist nicht manipulierbar - Schicksal wird auferlegt. Oder ist es einfach Bestimmtheit, ausgelöst durch biologische oder soziale Gesetzmässigkeiten? Belegbare Ursachen mit logischen Konsequenzen? Schicksal ist unbestechlich, ist stärker als alles Geld, alle Macht und alle Privilegien dieser Welt. Trotzdem, dass es den Tod gibt, so selbstverständlich wie die Nacht neben dem Tag. Das zu begreifen fällt uns am allerschwersten.

Zugvügel im Herbst Wenn geliebte Menschen versterben verändert sich das ganze Leben ü man gerät in eine Ausnahmesituation. Der Schmerz ist unermesslich ü die Trauer macht waidwund. Der Verlust und die Ereignisse rund um ihn haben das Leben in eine Dunkelheit getaucht, die man bislang nicht kannte, und die einen für lange Zeit begleiten wird. Man sieht keine Farben mehr, denn die Trauer trägt Schwarz. Man ergibt sich hilflos, geht unter - oder beginnt den zähen, kräfteraubenden Kampf zu trachten, dies in sein Leben zu integrieren. Trauer zulassen und zugleich die alltäglichen Pflichten bewältigen ü das ist eine Überforderung, der man sich nicht gewachsen fühlt. Und man sucht händeringend nach Trost. - Aber die Welt dreht sich weiter, als wäre nichts geschehen.

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Trost ist etwas, das Leid und seelischen Schmerz lindert, das seelisch wieder aufrichtet, sagt das Lexikon. Trost kann die Trauer nicht nehmen, Trost aber kann mittragen, mitfühlen und vor allem sich miterinnern. Im Erinnern besiegen wir den Tod, hier sind wir die Stärkeren, denn dagegen ist selbst er machtlos. Schweigen zu müssen bedeutet den Toten immer wieder sterben zu lassen. Die beste Seelenstütze erfolgt durch Menschen, denen es ebenso geht oder ergangen ist wie einem selbst: Man ist auf einer Gefühlsebene: Schicksal verbindet. Der Zuspruch aller anderen klingt fahl ü  oftmals wirkt der stille Beistand aufrichtiger. Denn sie sind wichtig, die Zuhörer, die einfach nur da sind, auch ohne viel zu sagen.

Ich glaube auch das Jenseits ist eine Art Lebenshilfe, die als milder Trost gedacht ist, weil es eine zweite Welt eröffnet, eine, in der es keine Sorgen gibt, keinen Schmerz ü nur Licht und Liebe. Eine Vorstellung, an die sich Gläubige klammern, und die sicherlich hilfreich ist. Für andere ist aber vielleicht der philosophische Gedanke wertvoll: dass es Anfang und Ende nicht gibt, sondern nur unablässige Wandelbarkeit, zu deren Zeuge uns die Natur täglich aufs Neue macht. So ähnlich wird es auch mit uns sein. Auch wir Menschen kommen und gehen. Vielleicht ist das ein Trost, wenn wir begreifen, dass nichts verloren geht, sondern sich einfach nur der Kreislauf des Entstehens und Vergehens schliesst, vielleicht hilft uns das ein wenig die Vergänglichkeit zu akzeptieren. So wie der Kranz, der ohne Anfang und ohne Ende die ewige Abfolge des Werdens, Seins und Vergehens symbolisiert.

Den Schmerz kann uns dieser Gedanke freilich nicht nehmen, und der Weg vom Herzen zum Kopf kann ein langer sein, aber vielleicht ermöglicht er uns die Vergänglichkeit und den Tod ein wenig leichter als das zu akzeptieren was es ist: ein Stück Menschlichkeit.

von Vilma-Sonja Zugmaier




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