Gartenrotschwanz - Steckbrief und Nistkasten bauen

Der Gartenrotschwanz liebt halb offene Landschaften und lichte Wälder. Mit der Schaffung offener Waldstrukturen, dem Anlegen parkähnlicher Landschaftsgebiete und Streuobstwiesen haben Menschen über Jahrhunderte hinweg günstige Lebensräume für Gartenrotschwänze geschaffen. Noch bis Mitte des letzten Jahrhunderts war er so zahlreich vertreten, dass ihn ein Handbuch über Vogelkunde als häufigsten Brutvogel Deutschlands bezeichnete. Die Landschaft von heute bietet dem hübschen Vogel jedoch immer weniger Raum. Deswegen ist er bei uns selten geworden.

Steckbrief
  • wissenschaftlicher Name: Phoenicurus phoenicurus
  • gehört zur Gattung der Rotschwänze (Phoenicurus) innerhalb der Familie der Fliegenschnäpper
  • seltene Singvogelart (Zugvogel)
  • Größe: bis 14 cm
  • Spannweite: bis 22 cm
  • Gefieder:

    verschiedene Bereiche in Rostrot, Braun und Grau
  • Alter: 3 bis 5 Jahre
  • Gewicht: 12-20 Gramm
Aussehen und Erkennungsmerkmale des Gartenrotschwanzes

Früher hielt man den Gartenrotschwanz für eine Sommervariante des Rotkehlchens. Zwar sind die beiden Vögel miteinander verwandt (beide gehören zu den Rotschwänzen), sehen ansonsten aber doch recht unterschiedlich aus. Das Männchen des Gartenrotschwanzes ist sehr kontrastreich gefärbt. Kopf und Kehle sind schwarz mit Ausnahme eines reinweißen Streifens über den Augen, der von der Stirn weit nach hinten reicht. Die Brustpartie ist Gelborange bis Rostrot gefärbt, Nacken und Rücken Graubraun. Ein weiteres markantes Merkmal ist der ziegelrote Schwanz, der dem Vogel seinen Namen eingebracht hat. Weibchen sind sehr viel unscheinbarer. Die Kopf- und Rückenpartie ist bräunlich, die Bauch- und Brustseite hellbeige, manchmal mit einem Hauch von Orange an der Brust. Wie auch das Männchen besitzt es einen ziegelroten Schwanz.

Nahrungsquellen

Gartenrotschwänze ernähren sich hauptsächlich von wirbellosen Kleintieren und Insekten. Sie verweilen nur den Sommer über bei uns (April bis August) und fliegen schon vor Herbstbeginn in ihr weit entferntes Winterquartier.
  • Insekten
  • Spinnen
  • Schmetterlinge
  • Raupen (vor allem für die Brut)
  • Tausendfüßer
  • Asseln
  • Ringelwürmer
  • Schnecken
  • im Herbst auch Früchte
Nahrungsbeschaffung

Für den Gartenrotschwanz ist nicht die Menge der Beute in einem Gebiet ausschlaggebend, sondern eine gute Zugänglichkeit. Der Vogel lebt vorrangig von Insekten, die er am Boden vorfindet oder aus der Krautschicht aufnimmt. Manchmal fängt er sie auch in der Luft. Dazu darf die Vegetation nicht zu dicht und buschig, aber auch nicht zu spärlich sein. Im Herbst begibt sich der Gartenrotschwanz schon früh in sein Winterquartier in Zentralafrika (Sahelzone). Gartenrotschwänze gehören damit nicht nur zu den Zugvögeln, sondern auch zu den Weitstreckenziehern, die die Sahara überqueren, um im Savannengürtel Afrikas zu überwintern.

Brutzeit

Ab Anfang Mai legt das Weibchen etwa sechs Eier und bebrütet diese zwei Wochen lang, bis die Jungvögel schlüpfen. Schon nach zwei weiteren Wochen fliegen die Jungen dann aus. Dort werden sie noch für ungefähr eine Woche von den Eltern gefüttert, danach sind sie auf sich alleine gestellt. In warmen Gebieten brüten Gartenrotschwänze zweimal im Jahr, in kalten Lagen reicht die Zeit dazu selten.

Neststandort und Nestbau

Der Gartenrotschwanz brütet - wie auch Meisen - in Höhlen. Hauptsächliches Auswahlkriterium für einen geeigneten Brutplatz ist eine relativ große Öffnung und die Lage in zwei bis fünf Meter Höhe. Dort baut das Weibchen dann ein lockeres Nest aus vertrocknetem Gras, Moos, Wurzeln und Fasern wie Federn oder Haare. Bevorzugte Nistplätze:
  • Baumhöhlen
  • Fels- oder Mauerlöcher
  • Mauersimse
  • manchmal auch alte Schwalbennester
  • Nistkästen
Der richtige Nistkasten für den Gartenrotschwanz

Dem seltenen Vogel nur einen Nistkasten zu bieten, reicht nicht aus, um den Bestand wieder zu erhöhen. Nur dann, wenn er in seinen Brutplätzen, Raststellen und Überwinterungsquartieren gute Bedingungen vorfindet, wird er langfristig gute Chancen haben. Doch jeder kann seinen kleinen Beitrag

dazu leisten. Ein guter Anfang ist ein geeigneter Nistkasten für den Gartenrotschwanz. Akzeptiert werden nahezu alle Höhlenbrüterkästen, die über ein relativ großes Einflugloch verfügen.

Nistkasten bauen

Es ist gar nicht schwer, einen Nistkasten selbst zu bauen. Wichtig ist, den richtigen Typ Nistkasten anzubieten. Infrage kommen nahezu alle Varianten eines Höhlenbrüterkastens, gelegentlich ziehen sie auch in Halbhöhlenkästen (die Vorderwand ist nur halb geschlossen). Zwar haben die Vögel einen recht zierlichen Körperbau, nisten aber nur in solchen Höhlen oder Nistkästen, die eine relativ große Einflugöffnung aufweisen.
  • Aufhängehöhe der Nisthilfe: 1,5-3,5 Meter
  • Flugloch: 47 Millimeter Durchmesser
  • Nistkastenmaße innen (B x T x H): 140 x 140 x 250 Millimeter
  • Legebeginn: Anfang Mai
Bauanleitung

Am besten besorgt man sich im Baumarkt ein paar Bretter aus leichtem Massivholz (Tannenholz oder Kiefer). Verwendet werden sollte nur unbehandeltes, trockenes Holz, das nach dem Zusammenbau mit einer umweltfreundlichen Lasur gestrichen wird, damit es Wasser abweisend wird. Die Brettstärke sollte etwa 2 cm betragen. Wer handwerklich nicht sonderlich geschickt ist oder keine Säge zur Hand hat, kann die Bretter schon in der passenden Größe im Baumarkt zuschneiden lassen. Zu Hause werden dann nur noch die Einzelteile zusammengesetzt. Tipp: Verwenden Sie nur Lasuren, die den Sicherheitsanforderungen von Spielzeugen für Kinder genügen. Chemikalien können den Vögeln schaden.

Nötiges Werkzeug:
  • Säge für die Bretter
  • Hammer
  • Bohrmaschine
Die Holzbretter können innen mit einer Drahtbürste angeraut werden, damit die Jungvögel gut hinaufklettern können.

Bauteile (Maße: B x H):
  • Rückwand: 18 x 27 cm
  • Vorderwand: 18 x 24 cm
  • Boden: 18 x 18 cm
  • Dach: 24 x 26 cm
  • Leiste: 5 x 50 cm
  • 2 Seitenwände (laufen an der Oberseite nach vorne hin abschüssig): Breite 22 cm, Höhe hinten 27 cm, Höhe vorne 24 cm
  • Nägel
  • Verschluss für die Vorderseite (Reiber, Schatullenverriegelung oder rechtwinklig krumm geschlagener Nagel)
Zunächst werden in den Boden mit einem 5-mm-Holzbohrer drei Löcher gebohrt, damit Nässe abfließen kann. Erst wird die Rückwand an den Boden genagelt, dann die beiden Seitenwände, zuletzt das Dach (abschüssig nach vorne). In die Vorderwand muss zunächst ein Loch von etwa 47 Millimeter Durchmesser eingefügt werden. Die Vorderwand wird nicht vernagelt, da sie später noch einfach zu öffnen sein soll, um den Nistkasten zu säubern. Sie wird so eingebaut, dass die Frontseite später nach oben aufklappbar ist. Hierzu wird die Vorderwand oben zwischen zwei Nägeln an den Seitenwänden befestigt. Damit sich die Nägel wie Scharniere drehen lassen, müssen die Seitenwände an dieser Stelle vorher durchbohrt werden (etwa im Durchmesser des Nagels).

Zur Fixierung der unteren Seite kann ein drehbarer Haken (beispielsweise ein sogenannter Reiber) verwendet werden. Anschließend wird die Leiste senkrecht an die Rückwand geschraubt, sodass oben und unten etwa gleiche Stücke überstehen. Aufgehängt wird der Nistkasten an eine sonnen- und wetterabgewandte Seite eines Baumes, einer Hauswand oder Ähnlichem in mindestens 1,5 Meter Höhe. Tipp: Verleimen oder verkleben der Holzteile ist ungünstig, da der Nistkasten auch extremen Witterungsverhältnissen standhalten muss.

Wissenswertes zu Gartenrotschwanz
  • Rotschwänzchen sind Nischenbrüter.
  • Man unterscheidet zwischen Gartenrotschwanz und Hausrotschwanz. Gartenrotschwänzchen sind wesentlich seltener.
  • Die Brutbestände sind in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen.
  • Der Gartenrotschwanz ist in die Liste der bedrohten Vogelarten aufgenommen worden.
  • Der Brutkasten für den Gartenrotschwanz muss ein schräges, nach vorn und den Seiten sehr überhängendes Dach haben.
  • Die Grundfläche des Kastens sollte etwa 11 x 14 cm betragen.
  • Das Dach hat dann eine Fläche von 27 x 35 cm, es ist also wesentlich größer. Dies dient der Verdunklung.
  • Der Nistkasten wird nach Möglichkeit in luftiger Höhe platziert. In das Anflugloch darf den ganzen Tag keine Sonne scheinen.
  • Das Loch wird nach Norden ausgerichtet. Das Einflugloch ist nicht rund, sondern oval oder eckig und breit.
  • Bewährt hat sich eine Größe von etwa 32 mm Breite und 48 mm Höhe.
  • Das Problem des Gartenrotschwanzes ist, dass er sehr spät aus seinem Winterquartier, welches in der Sahara liegt, zurück kommt.
  • Die meisten Nistplätze sind dann schon belegt. Spezielle Nistkästen für das Rotschwänzchen sollten deshalb erst ab dem 25. April aufgehängt werden.
  • Der Hausrotschwanz nimmt auch manchmal eine Halbhöhle als Nisthilfe an.
  • Beide Nistkästen, sowohl vom Gartenrotschwanz als auch vom Hausrotschwanz, sind sehr durch Katzen bedroht.
  • Als Schutzmaßnahme ist das Anbringen von Katzenabwehrgürteln empfehlenswert.
  • Für Gartenrotschwänze wurde ein ganz besonderer, raubzeugsicherer Spezialnistkasten entwickelt.
  • Interessierte können ihn sich unter www.wildvogelzuechter.de/Vogelschutz/hauptteil_vogelschutz.html anschauen und nachbauen.