Weintrauben aus Kernen ziehen - Anleitung zum Pflanzen

Wein kann man aus Traubenkernen selber ziehenWollten Sie schon immer einmal selbst Weintrauben aus Kernen ziehen? Die Weinpflanze ist nicht nur nützlich, sondern auch sehr schön und zudem auch noch eine der ältesten kultivierten Pflanzen. Hier einige Tipps, wie und mit welchen Trauben Erfolge im eigenen Garten erzielbar sind.

Einige der wichtigsten Sorten für den heimischen Garten

Insgesamt gibt es auf der Welt Tausende von Traubensorten. Nachfolgend einige robuste Traubensorten, die auch im heimischen Garten und teilweise unter widrigen Bedingungen

gedeihen. Phoenix ist eine robuste, starkwüchsige Rebsorte, die als Tafeltraube gilt. An sonnigen Südost- und Westwänden gedeiht sie am besten. Die Traube ist pilztolerant, hat keine besonderen Ansprüche an den Boden und ist blühfest, was sie auch als Pergolabegrünung in windoffener Lage geeignet macht.
  • Die Sorte Muskat bleu entstammt einer Schweizer Züchtung und ist eine ideale Tafeltraube für den Hausgarten, die in der Schweiz vereinzelt auch gekeltert wird. Perfekt geeignet sind Südost- und Westwände. Die Pflanze ist gegen Schädlinge wie Mehltau sehr robust und sowohl für die Pergolabegrünung wie auch den freien Stand in sonnigem und windgeschütztem Umfeld perfekt.
  • Die Regent ist eine Nachzucht aus der Kelterrebe. Die robuste und mittelstark wüchsige Rebe eignet sich für Südost- und Westwände. Sie ist pilz- und mehltautolerant. Als Kübelpflanze eignet sich die Traube, die zudem frostfest ist, sehr gut.
  • Die Palatina ist eine Tafeltraube für sonnige Südost- oder Westwände, für die Pergola oder den Zaun oder auch für eine Einzelpfahlziehung, die robust ist. Birstaler Muskat ist eine universelle Tafeltraube, die besonders gern im gewerblichen Bio-Tafeltrauben-Anbau genutzt wird, da sie eine sehr hohe Pilzresistenz aufweist und auch für feuchte Gebiete mit hoher Luftfeuchtigkeit - beispielsweise in Norddeutschland - gut geeignet ist. Durch ihre Robustheit kann sie auch unter Glas oder dem Folienzelt gehalten werden. Auch in windoffenen Lagen im Freiland gedeiht die Traube sehr gut.
  • Die Theresa ist ursprünglich eine spätreifende, ungarische Züchtung. Sie ist Pilztolerant und kann an Süd- oder Westwänden ohne intensive Verschattung und in geschützter Lage. Auch für die Pergolabegrünung in sonniger und windgeschützter Lage eignet sich die Traube.
  • Die Esther ist eine pilztolerante, ungarische Züchtung, die eine frühe Traubenreife mitbringt. Eher benachteiligte Orte und ungünstige klimatische Verhältnisse wie in Norddeutschland oder in Höhenlagen sowie im Freiland verträgt diese Traube problemlos. Dazu bringt die Esther noch eine hohe Frosthärte mit.
Die Traubenkerne müssen perfekte Qualität haben

Damit das Anpflanzen der Weinpflanze erfolgreich wird, müssen die Kerne eine optimale Qualität mitbringen. Erkennbar ist der gute Zustand der Kerne recht einfach. Zur Qualitätsprüfung werden die Kerne erst einmal einzeln leicht zwischen den Fingern gedrückt. Ein guter und gesunder Kern fühlt sich dann fest an. Wichtig für die Qualitätsprüfung ist auch eine visuelle Begutachtung. Ein gesunder Traubenkern hat einen weißen oder blassgrauen sogenannten Endosperm, der unter der Schale durchschimmert. Auch ein Wassertest bietet Aufschluss über die Kernqualität. Gibt man die Kerne in Wasser, dann sinken die gesunden Kerne nach unten. Folglich können alle schwimmenden Kerne sofort weggeworfen werden, da sie nicht austreiben werden. Keimfähige Kerne lassen sich erkennen an:
  • Festigkeit beim Druck zwischen Fingern
  • weißem oder blassgrauem Schimmer durch die Schale
  • Herabsinken in einer Wasserschale (schwimmende Kerne keimen nicht mehr)
Traubenkerne kann man im Haus oder im Freien ausgesät zur Keimung bringenDie

Kerne richtig vorbereiten


Die ausgewählten gesunden und keimfähigen Kerne werden jetzt gewaschen und gründlich von Schmutz sowie auch Fruchtfleischresten befreit. Danach werden die Kerne für 24 Stunden in einem kleinen Töpfchen mit destilliertem Wasser eingeweicht. Gerade bei Trauben brauchen einige Kerne eine Kälteperiode sowie auch relativ feuchte Klimabedingungen, bevor sie den Keimungsprozess starten. In der Natur bekommt der Kern automatisch diese wichtigen Bedingungen geliefert, indem er den Winter im Boden verbringt. Aber auch für die heimische Keimung kann man dem Kern die perfekten Bedingungen bieten. Stratifikation ist hier das Erfolgswort. Damit ist die gezielte Kältebehandlung innerhalb der Botanik gemeint.

Der günstigste Zeitpunkt für den Beginn der Stratifikation ist der Dezember. Zunächst muss für die Kerne ein Bett vorbereitet werden. Dazu wird eine luftdichte Tüte oder ein andere Behältnis mit weichem Untergrund wie Papiertüchern, Sand, Kompost oder befeuchtetem Torf gefüllt. Am günstigsten ist Torf als Grundlage, denn er hat fungizide Eigenschaften und vermeidet die Schimmelbildung an den Kernen. Nun werden die Kerne in das vorbereitete Bett gefüllt und mit etwa 1,5 cm Erde bedeckt. Perfekte Temperaturen für die Stratifikation liegen bei 1 bis 3 °C und so ist der Kühlschrank der perfekte Lagerort. Die Kerne werden jetzt zwei bis drei Monate in ihrem kalten Bett gelagert. Achtung: Sie dürfen keinesfalls einfrieren!

Kerne Pflanzen

Im Frühjahr werden die Kerne ihrem
vorbereiteten Bett entnommen, um in mit hochwertiger Erde gefüllte Töpfe eingesetzt zu werden. Die Kerne sollten einzeln in kleinere Töpfe gesetzt werden oder wahlweise in größere Behältnisse, wobei dann mehrere Kerne it einem Abstand von mindestens vier Zentimetern zueinander in die größeren Gefäße gesetzt werden. Eingesetzt müssen die Kerne warm gehalten werden. Zur optimalen Keimung benötigen die Kerne eine Tagestemperatur von mindestens 20 °C und nachts eine Mindesttemperatur von 15 °C. Ein Treibhaus bietet für die Keimung perfekte Bedingungen. Die Erde muss zum Keimen der Kerne feucht, aber nicht zu nass gehalten werden. Die Benetzung mit einem feinen Wasserstrahl, wenn die Oberfläche trocken wirkt, ist am günstigsten. Während dieser Phase ist viel Geduld gefragt, denn die Kerne treiben erst nach zwei bis acht Wochen.

Setzlinge umpflanzen

Wenn die Kerne Setzlinge von etwa 8 cm Höhe erreicht haben, werden sie in größere Töpfe umgepflanzt. Damit die Setzlinge kräftig werden, sollten sie bis zu einer Höhe von 30 cm und bis sie etwa fünf bis sechs Blätter haben, im Innenbereich oder im Treibhaus gehalten werden. Erst dann sind die Setzlinge reif genug, um in den Boden umgepflanzt zu werden.

Einpflanzen der Setzlinge im Außenbereich - Standort, Drainage, Stütze

Wenn die Setzlinge in den Außenbereich umgepflanzt werden, sind die Standortwahl sowie auch die Auswahl des Bodens sehr wichtig. Wein braucht eine optimale Dosis an Sonne, also keinen Schatten, aber auch keine ständige, intensive Sonneneinstrahlung. Sieben bis acht Stunden volle Sonne reichen der Weinpflanze aus. Der Boden muss gut vorbereitet werden. Wein benötigt einen drainierten Boden. Ist Lehm als Untergrund oder ein schlecht drainierter Boden vorhanden, sollte der Untergrund mit Kompost, Sand oder anderen bodenverbessernden Zusätzen angereichert werden, damit die Drainage optimiert wird.

Gut geeignet für den Wein ist auch ein Hochbeet, das mit einem Mix aus Sand und Kompost aufgefüllt wird. Die einzelnen Pflanzen müssen in einem Abstand von 2,5 cm gesetzt werden. Weinpflanzen müssen als Rankpflanzen unbedingt gestützt werden. Dazu bedarf es einem Gerüst oder einer sonstigen stabilen Stütze. Im ersten Wachstumsjahr reichen für die zarte Weinpflanze noch Stöcke als Stütze, damit sie vom Boden hoch gehalten werden. Später benötigen die Pflanzen eine stabile Stütze, an der sie mittels Draht befestigt werden.

Bis zur Weinernte ist es ein langer Weg - der Rückschnitt gehört zu PflegeBeim Wunsch nach Ernte ist Geduld gefragt

Wer die Weinpflanze anbaut, um eine Ernte an Früchten zu erzielen, benötigt Geduld. Die Weinpflanze benötigt bis zu drei Jahren Wachstum, bevor sie mit der Produktion von Früchten beginnt. Für eine optimale Ernte ist in dieser zeit die richtige Pflege notwendig. Im ersten Jahr sollten nur die drei stärksten Triebe der Pflanze stehen bleiben, alle anderen werden entfernt. So unterstützt man das Wachstum der stärksten Triebe. Im zweiten Jahr sollte ein sogenannte Balancedünger zum Einsatz kommen. Blütenstände sollten jetzt noch entfernt werden, denn der Weinstock verschwendet bei zu früher Ausbildung von Blütenständen Energie. Sämtliche Knospen und Triebe unterhalb der drei Haupttriebe sollten entfernt werden. Im dritten Jahr wird weiter gedüngt und tiefe Knospen und Triebe werden entfernt, die Blütenstände können aber inzwischen bestehen bleiben. In diesem Jahr kann bereits eine kleine Traubenernte erfolgen. Ab dem vierten Jahr wird die Pflanze gedüngt und geschnitten.

Häufig gestellte Fragen
  • Muss ich die Kerne sofort nach der Stratifikation im Kühlschrank einsetzen? - Nein, Traubenkerne können sogar jahrelang innerhalb der Stratifikation gehalten werden, denn sie ruhen in dieser Zeit einfach, sind aber dann jederzeit keimfähig.
  • Was tun - die Kerne treiben nicht aus? - Treiben die Kerne nicht beim ersten Versuch aus, können sie einfach wieder in die Stratifikation gegeben werden und zur nächsten Saison zum Keimen ausgesetzt werden.
Wissenswertes zum Pflanzen von Wein in Kürze

Standort und Pflanzzeit
  • Weintrauben wachsen am besten an einer warmen Hauswand Richtung Süden, wo sie vor Wind geschützt sind.
  • Sie benötigen ein Spalier, Drähte oder Seile, an denen die Triebe entlang geleitet werden.
  • Diese Kletterhilfe sollte etwa 3 m hoch sein, weil die Weinreben an einem guten Standort schnell wachsen und je nach Sorte pro Jahr mehrere Meter zulegen.
  • Werden mehrere Rebstöcke nebeneinander gepflanzt, benötigen sie untereinander einen Abstand von 2 bis 3 m.
  • Weintrauben können zwar das ganze Jahr über gepflanzt werden, am besten ist jedoch die laublose Zeit vom Herbst bis zum Frühling geeignet.
  • Die ideale Pflanzzeit ist das zeitige Frühjahr, wenn die stärksten Fröste vorüber sind.
  • In milden Lagen kann bereits ab Mitte März gepflanzt werden, in Gegenden, in denen es häufig zu Spätfrösten kommt, ist der April besser geeignet.
Pflanzen

Das Pflanzloch für den Weinstock sollte etwa doppelt so tief und so breit wie der Topfballen sein, damit die Erde gut gelockert ist und die Weinreben leicht neue Wurzeln schlagen können. Der untere Teil wird jedoch wieder mit Pflanzerde aufgefüllt, damit die Reben wieder in der gleichen Höhe aus dem Boden herausragen wie sie vorher im Topf gestanden haben.
  • Wichtig ist es, dass die Veredelungsstelle einige Zentimeter über der Erdoberfläche verbleibt.
  • Staunässe vertragen die Weintrauben nicht, deshalb wird ein sehr dichter Boden vor dem Pflanzen mit etwas Kies oder Sand durchlässiger gemacht.
  • Der Abstand zur Hauswand sollte etwa einen halben Meter betragen, damit ausreichend Platz für das Wurzelwerk bleibt.
  • Nach der Pflanzung wird reichlich gewässert und auch in den folgenden Wochen müssen die neu gesetzten Reben regelmäßig gegossen werden.
Wein rankt gerne an HauswändenHilfreich ist es, einen Gießrand um die Pflanzen anzulegen. Hierzu wird etwas Erde rund um die Stämme angehäufelt, sodass das Wasser nicht zu den Seiten hin abfließen kann.

Weintrauben im Kübel

Ein Rebstock kann auch in einem Kübel auf der Terrasse kultiviert werden. Dann benötigt er allerdings einen großen Topf mit einem Volumen von mindestens 30 Litern, weil die Pflanze sehr tiefe Wurzeln bildet. Außerdem ist auf eine gute Versorgung mit Wasser und Nährstoffen zu achten. Der Dünger sollte nur wenig Stickstoff enthalten, denn dieser fördert nur das Wachstum der Blätter, für eine reiche Ernte von Trauben ist dagegen Phosphor wichtiger. In der Winterzeit benötigen Weinreben in einem Kübel einen Schutz gegen die Kälte. Dann wird der Kübel in Noppenfolie oder Vlies eingewickelt und die Pflanze muss hin und wieder an frostfreien Tagen gegossen werden, damit der Topfballen nicht vollständig austrocknet.