Was sind klimakterische Früchte?

apfel2_flHaben Sie schon einmal etwas von klimakterischen Früchten gehört? Ein Klimakterium kennen Sie vermutlich, das sind beim Menschen die Wechseljahre. Bei der Frau ist das bekannt, in neuerer Zeit wurde auch dem Mann ein Klimakterium (virile) zugebilligt. Aber auch die Früchte kommen ins Klimakterium, das hat für uns Bedeutung für ihr Reifeverhalten.

Was machen klimakterische Früchte (im Klimakterium)

Wenn eine Frucht ins Klimakterium kommt, wird ihre Sauerstoff-Aufnahme und Kohlenstoffdioxid-Abgabe (also quasi ihre Atmung) zweimal bis dreimal so häufig. Das hat Folgen: Nur Früchte, die

ins Klimakterium kommen, deren Kohlenstoffdioxidabgabe also nach Beginn ihres Reifeprozesses ansteigt, können nach der Ernte weiter reifen. Diese Früchte machen biochemische Veränderungen durch: Zellwandpektin wird abgebaut, Stärke wird durch Reaktion mit Wasser aufgespalten (Hydrolyse). Dadurch wird ein Reifeprozess eingeleitet, Ethen wird aufgenommen, das regt die zellinterne Ethensynthese an, anschließend wird dieses Gas wieder abgegeben.

Klimakterische Früchte müssen allerdings eine gewisse Mindestreife, also ein bestimmtes Stadium der Kohlenstoffdioxidveratmung erreicht haben, um nach der Ernte weiter reifen zu können. Sie müssen also zu einem bestimmten Zeitpunkt geerntet werden, das nenne man Pflückreife, es wird auch von Erntefenster gesprochen. Während der Lagerung entwickeln sich diese Früchte bis zur Genussreife.

Welche Früchte sind klimakterisch?

So einfach ist es leider wieder einmal nicht. Es gibt nicht einfach
Früchte, die klimakterisch sind, und Früchte, die nicht klimakterisch sind. Vielmehr gibt es Früchte, die eine hohe Ethen-Produktion haben und Früchte, deren Ethen-Produktion niedriger bis nicht vorhanden ist. Diesen gegenüber stehen Früchte, die gegen Ethen empfindlich sind, auch das geht von sehr empfindlich bis zu eigentlich unempfindlich. 

Dabei ist es häufig so, dass die Früchte, die viel Ethen produzieren, auch gegen Ethen empfindlich reagieren, das ist bei Apfel, Aprikose, Avocado, Banane, Birne, Cherimoya, Honigmelone, Mango, Mangostane, Papaya, Passionsfrucht, Pfirsich, Pflaume und Tomate der Fall.

Andere Früchte produzieren zwar Ethan, sind aber nicht empfindlich gegen andere Ethan-Produzenten. Das sind Baumtomate, Feige, Fidjoa, Jackfrucht und Litchi. Dann gibt es noch Früchte, die kein oder nicht viel Ethan produzieren, die aber empfindlich gegen das Ethan von anderen sind. Es handelt sich um Blumenkohl, Brokkoli, Brunnenkresse, Chicorée, Chinakohl, Dattelpflaume, Eisbergsalat, Grünkohl, Gurke, Kiwi, Quitte, Rosenkohl, Rotkohl, Spinat, Weißkohl und Wirsingkohl.

Klimakterische Früchte beeinflussen andere Früchte

kiwi2Klimakterische Früchte produzieren also das Gas Ethen, gegen Ethen empfindliche Früchte werden dadurch beeinflusst, indem ein Reifeprozess ausgelöst beziehungsweise beschleunigt wird. Ethen-Produzenten sollten nicht neben Früchten gelagert werden, die auf das Ethen mit beschleunigter Reife reagieren (es sei denn, Sie wollen gerade diese Reife auslösen). Außerdem reagiert eine ganze Reihe von Früchten empfindlich auf das Ethen anderer, obwohl sie selbst nicht zu den potenten Produzenten gehören. Die oben genannten Früchte sind eine beispielhafte Auswahl mit mittlerer bis hoher Ethen-Produktion und hoher Ethen-Empfindlichkeit, die Übergänge sind fließend.

Ethen ist übrigens schwerer als Luft, sinkt also nach unten, die unter den ethenempfindlichen Gemüsen gelagerten Äpfel werden also wahrscheinlich keine beschleunigte Reifung verursachen.