Baumschnitt-Tipps: Apfelbaum, Kirschbaum und Nussbaum

Mit ein paar Grundregeln ist der Apfel-, Kirsch und Nussbaumschnitt auch für Laien kein ProblemApfelbaum, Kirschbaum und Nussbaum müssen beschnitten werden, damit sie nicht zu groß werden und damit sie schöne Früchte tragen. Es gibt einige Grundregeln, die beim Schnitt beachtet werden sollten:

Grundlegendes zum Schnitt von Apfelbaum, Kirschbaum und Nussbaum

Grundsätzlich hat der Baumschnitt den Zweck, vom Mitteltrieb ausgehend rundherum in regelmäßigen Abständen kräftige Haupttriebe entstehen zu lassen. Diese Leitäste sollen wie Stockwerke in gleicher Höhe abzweigen -

das Ergebnis nennt man "Saftwaage". Unter den weiteren Ästen sollte eine Rangordnung entstehen - innen dicker, außen dünner -, die gut erkennbar ist. Insgesamt soll der Baum eine symmetrische Dreiecksform ausbilden. Mit dieser Form vor Augen wissen Sie bereits beim jungen Baum, welche Äste entfernt werden müssen:
  • alle nach innen wachsende Triebe und alle Triebe, die zu nah nebeneinanderstehen
  • auch tote, faule und verkrüppelte Zweige
Jeder Baum braucht viel Licht in der Krone, er wird also insgesamt so ausgelichtet, dass möglichst jedes sich entwickelnde Blatt ausreichend Licht bekommt.

Ertragsschnitt bei Apfelbaum, Kirschbaum und Nussbaum


Beim Obstbaumschnitt geht es aber nicht nur um eine schöne Kronenform, sondern auch um die Förderung des Ertrags, der sich steigern lässt, wenn Sie dafür sorgen, dass der Baum seine Kraft auf die Früchte konzentrieren kann. Zu viele grüne Triebe ohne Fruchtansätze vergeuden die Wuchskraft des Baumes. Der Baum versorgt seine werdenden Früchte über die Blätter, z. B. werden etwa 7-9 Blätter gebraucht, um einen Apfel zu versorgen - aber diese schaffen das nur, wenn sie ständig Licht bekommen.
  • Überflüssige Grüntriebe beschatten die Blätter der fruchttragenden Äste.
  • Die Neutriebe, die im ersten Jahr bei den meisten Obstbäumen keine Blüten tragen und deshalb auch keine Früchte bilden können, werden Wasserträger oder Wasserschösser genannt.
Sie erkennen diese Triebe leicht, weil sie sehr gerade nach oben wachsen. Meist haben sie in der Jugend auch eine sehr glatte Rindenoberfläche. Die meisten Wassertriebe, die die Ernte behindern, sollten entfernt werden. Sie müssen bei dieser Entfernung aber auch die weitere Entwicklung Ihres Baumes im Auge haben: Er soll ja weitere Fruchtäste entwickeln und seine Krone weiter ausbauen. Sie suchen deshalb vor dem Schnitt zuerst alle neuen Triebe heraus, die für den weiteren Aufbau des Baumes erhalten bleiben sollen. Die restlichen steil aufragenden Triebe werden entfernt, und zwar möglichst nicht geschnitten, sondern gerissen. Ein abgeschnittener Wassertrieb wird spätestens im nächsten Jahr aus den unsichtbaren schlafenden Augen wieder austreiben. Ein gerissener Trieb verursacht eine kleine Wunde, die mit Kallus-Wundgewebe verschlossen wird, die schlafenden Augen werden hier mitentfernt.

Umstritten - der
Schnittzeitpunkt


Für die verschiedensten Schnittzeitpunkte gibt es gute Argumente, einen richtigen Schnittzeitpunkt gibt es also nicht. Denn eigentlich braucht ein Baum überhaupt keinen Schnitt - dieser ist immer ein unnatürlicher Eingriff, bei dem der Baum Nährstoffe und Fläche für die Fotosynthese verliert. Geschnitten wird also, wenn dieser Eingriff den Baum am wenigsten schädigt.

Traditionell wird der Winterschnitt empfohlen. Wenn der Baum sein Laub verloren hat, habe er seine Säfte wieder in Stamm und Wurzel zurückgezogen und verliere durch den Schnitt die wenigsten Nährstoffe. Außerdem könne der Gärtner den Aufbau des

Baumes gut erkennen und er habe auch weniger Pflanzenmaterial zu entsorgen.
 
Sommer- oder Winterschnitt? - Zwei Experten, zwei MeinungenEs gibt jedoch immer mehr Fachleute, die sich für einen Sommerschnitt aussprechen. Zuerst wurde dieser Sommerschnitt für Kirschbäume propagiert, weil sie ein sehr starkes Wachstum zeigen, das durch den Schnitt während der Vegetationszeit gebremst wird, wodurch gleichzeitig die Fruchtbarkeit in der nächsten Saison gefördert wird. Denn Kirschen tragen am zwei- bis dreijährigen Holz, die Fruchtzweige werden durch zu viele Grüntriebe in ihrer Entwicklung behindert (s. o. Wasserträger). Der Sommerschnitt drosselt die Ausbildung dieser Wasserträger. Ein weiteres entscheidendes Argument ist jedoch, dass die Schnittwunden im Sommer viel schneller heilen und weniger anfällig für Bakterien- und Pilzbefall sind.

Deshalb empfehlen viele Fachleute heute auch für Apfelbäume und Birnbäume einen Sommerschnitt. Auch bei Apfelbäumen ist es sinnvoll, die Wasserschosser zu einem Zeitpunkt zu entfernen, der der bevorstehenden Ernte noch zugutekommt. Das Argument der besseren Sicht könne auch ins Gegenteil verkehrt werden: Im Sommer sehe man genau die Triebe des alten und des neuen Jahres und welche Zweige Früchte tragen und welche nicht. Auch Krankheiten wie Mehltau könnten besser erkannt und weggeschnitten werden. Das alles sei viel wichtiger, als den Aufbau des Baumes besser zu sehen (um den nicht zu erkennen, weil Blätter am Baum sind, muss man wohl auch schon ziemlich schlecht sehen).

Überhaupt erhalte das Freischneiden des Baumes im Sommer den Baum besser gesund, Pilzkrankheiten hätten in der nun folgenden feuchten Jahreszeit nämlich viel weniger Chancen. Die Folgen eines Sommerschnitts sind auch, dass sich im nächsten Frühjahr sehr viel weniger Wasserschosser bilden werden als nach einem Winterschnitt.

Empfindlicher Nussbaum

Für den Nussbaum gilt grundsätzlich alles oben angeführte - er ist jedoch in Bezug auf den Schnittzeitpunkt noch einmal ein Spezialfall, weil er mehr als empfindlich reagiert, wenn man ihn zur falschen Zeit schneidet. Wenn der Walnussbaum zum Zeitpunkt des Schnitts voll unter Saftdruck steht, sprudelt er förmlich aus dem Schnitt und kann bei mehreren Schnitten verbluten. Deshalb sollte der Schnitt erfolgen, wenn im Baum am wenigsten Saft zirkuliert, was gegen Ende des Sommers der Fall ist. Der Nussbaum kann also im August beschnitten werden, auch wenn er noch belaubt ist. Er verliert dann zwar eine Menge an Blattwerk, aber keine Unmengen Pflanzensaft. Außerdem gilt auch hier, dass beim Sommerschnitt die Wunden sehr gut verheilen.

Der geringe Saftdruck bleibt dann erhalten, bei mäßig kaltem Wetter kann die Walnuss also auch im Winter beschnitten werden. Kälter als 4 °C sollte es dann aber nicht sein. Beim Winterschnitt verliert der Walnussbaum nun kein wertvolles Blattwerk. Sie sollten jedoch beachten, dass die Heilungsmechanismen für Wunden ebenfalls nicht aktiv sind. Zu dieser Zeit sollte also kein wirklich radikaler Schnitt erfolgen, sonst könnte es passieren, dass der Nussbaum nicht rechtzeitig mit der Wundheilung fertig wird und im Frühling dann zu bluten beginnt, auch wenn der Schnitt schon länger zurückliegt. Aus dem gleichen Grund sollte die Walnuss nicht sehr spät im Winter beschnitten werden.