Tipps für den Apfelbaumschnitt

ApfelbaumschnittApfelbäume (Malus domestica) benötigen im Laufe ihres langen Lebens regelmäßige Pflege, ohne die sie nicht in der Lage wären, über Jahrzehnte hinweg Früchte in reichen Mengen und in guter Qualität hervorzubringen. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist der Obstbaumschnitt. Er wird ausgeführt, um die Voraussetzungen für eine lange Nutzungsdauer des Baumes bei guter Gesundheit zu schaffen.

Zusammenfassung zum Obstbaumschnitt
  • Scharfes Werkzeug verwenden
  • Schnittflächen mit Baumwachs verschließen
  • Schnitt erfolgt von November bis März
  • Ansatz des Schnittes über einem nach außen weisenden Auge
  • Vorsicht beim Gebrauch von Leitern
  • Junge Bäume kräftig stutzen, erwachsene

    Bäume nur noch mäßig regulieren
Einerlei, ob es sich bei dem zu schneidenden Baum um einen Spindelbaum (Ballerina), einen Spalierbaum oder um den üblichen Halb- oder Hochstamm mit buschigem Kronenaufbau handelt, egal, ob ein Erziehungs-, Unterhaltungs- oder Verjüngungsschnitt vorgenommen werden soll, einige Hinweise gilt es bei allen Baumformen und bei jeder Schnittmaßnahme zu beachten.

Beachtenswerte Tipps

Apfelbaum in der BlüteApfelbäume, die im Hausgarten wachsen, werden üblicherweise in der vegetationslosen Zeit, also etwa von November bis März geschnitten. Während dieser Zeit ruht der Saftfluss der Bäume, so dass die Pflanzen durch den Schnitt nicht an Kraft verlieren. Im Erwerbsgartenbau, der auf hohe Erträge abzielt, werden auch Schnitte während der Vegetationsperiode vorgenommen. Diese Maßnahmen können im Hausgarten jedoch getrost vernachlässigt werden.

Die mitunter extremen Bodenbedingungen in der kalten Jahreszeit erschweren den Schnitt bei Halb- oder Hochstämmen, da bei diesen Baumformen eine Leiter vonnöten ist. Frostharter Boden birgt die Gefahr des Abrutschens der Leiter. Abhilfe können hier lange Nägel schaffen, die bei Holzleitern in die Holme geschlagen werden und als „Krallen“ fungieren. Eine Alternative sind Klappleitern. Aber auch bei frostfreiem Boden ist der Schnitt nicht ganz gefahrlos. Die Leiter kann in den aufgeweichten Boden einsinken und wegrutschen. In jedem Falle ist also besondere Vorsicht geboten, wenn eine Leiter zum Obstbaumschnitt genutzt werden muss.

Zum Schnitt dürfen nur scharfe Astscheren oder Astsägen benutzt werden. Stumpfes Werkzeug würde die zu entfernenden Triebe eher abreißen und größere Wunden mit ausgefaserten Wundrändern erzeugen. Die Schnitte verheilen jedoch umso schneller, je glatter sie ausgeführt wurden. Somit minimiert die Verwendung scharfer Schnittwerkzeuge die Gefahr, dass Krankheitserreger über die Wunden in das Pflanzengewebe eindringen. Zudem lassen sich die Arbeiten mit scharfem Werkzeug wesentlich leichter
ausführen als mit stumpfen Geräten.

Die Schnitte sollten stets dicht an der Basis der zu schneidenden Triebe ausgeführt werden, so dass nach dem Schnitt keine „Stummel“ stehenbleiben.

Eine Ausnahme bildet lediglich die Entfernung sehr starker Äste. Diese werden zunächst bis ca. 25 cm über der Basis entfernt, wenn möglich wird von 2 Seiten her gesägt. Erst danach wird der restliche Ast dicht an seiner Verzweigungsstelle abgeschnitten. So wird das Einreißen oder „Schlitzen“ der Schnittstellen vermieden, welches eine unkontrollierte Verletzung des Baumes zur Folge haben würde.

In jedem Falle werden größere Wunden mit elastischem Baumwachs verschlossen, welches man in den Gartenabteilungen der Baumärkte oder im Gartenfachhandel kaufen kann.
Der Schnitt wird stets kurz über einem Auge angesetzt, welches nach außen weist. So wird verhindert, dass der Neuaustrieb in das Innere der Krone erfolgt und diese zu dicht

werden lässt.

Beim Obstbaumschnitt gilt der Grundsatz, dass ein starker Rückschritt einen starken Neuaustrieb hervorbringt, während ein schwacher Rückschnitt nur mäßigen Zuwachs hervorruft. Somit werden hauptsächlich junge, im Wachstum befindliche Bäume kräftig gestutzt, während Apfelbäume im Ertragsalter kein übermäßiges Wachstum mehr benötigen und nur noch mäßig reguliert werden. Eine Ausnahme bildet hier der sogenannte Verjüngungsschnitt, der bei älteren, bereits ertragsschwachen Bäumen vorgenommen werden kann, um ihre Leistungsfähigkeit noch einmal zu steigern. Hier werden die Leitäste und der Mitteltrieb um mindestens die Hälfte gekürzt, um einen kräftigen Neuaustrieb zu induzieren.

Wer sich nun immer noch davor scheut, den Obstbaumschnitt selbst auszuführen, kann einen Fachmann für Obstbaumschnitt damit beauftragen.

Apfelbaumschnitt - wann?

Zweige schneidenGeschnitten werden sollte der Apfelbaum möglichst direkt nach der Blüte, dann können sich die Triebe am besten entwickeln. Ansonsten ist Auslichten das große Geheimnis. Hierzu werden alle Äste entfernt, die sich kreuzen, die zu dicht zusammen gewachsen sind, die beschädigt oder alt sind und die störende Wucherungen oder Gabelungen vorzuweisen haben, die das Wachstum der Hauptäste und des Gerüstes beeinträchtigen.

Auf die Krone sollte man beim Apfelbaumschnitt besonderes Augenmerk legen Auch hier muss ein großzügiger Schnitt erfolgen, damit die Baumform ordnungsgemäß erhalten bleibt und das Sonnenlicht bis zu den Äpfeln des gesamten Baumes durchdringen kann.

Schwieriger ist der Schnitt sicherlich bei besonders hohen Apfelbäumen, doch auch dann muss man diese Pflegemaßnahme durchführen. Der Apfelbaumschnitt muss in jedem Fall erfolgen, weil sonst bei der nächsten Ernte weniger Äpfel zu geerntet werden können und die Ausbeute dementsprechend nicht nur geringer ist, sondern sich der Baum auch schlechter entfalten kann.

Man unterscheidet - je nach Alter und Entwicklungsphase des Apfelbaumes - verschiedene Arten von Schnitten, die durchgeführt werden. Dies sind der Pflanzschnitt, der Erziehungsschnitt und der Erhaltungsschnitt.

Der Pflanzschnitt wird beim noch jungen Apfelbaum angewandt, dabei achtet man vor allem auf den unteren Teil des Baumes und auf Maßnahmen, die für die spätere Entwicklung wichtig sind.

Beim Erziehungsschnitt werden beim Apfelbaum die Triebe, die wiederum an den Leittrieben entstanden sind, weg geschnitten. Fehlt noch der Erhaltungsschnitt. Er kommt bei älteren und lange Jahre im Garten stehenden Apfelbäumen zum Einsatz. Hier werden alte Äste entfernt, um Platz für neue, nachkommende Äste zu schaffen, auch die nötige, bereits erwähnte Lichtung, sollte wieder Bestandteil der Arbeiten sein.

Quelle: Franz Böhmig, Rat für jeden Gartentag, Neumann Verlag 1978