Nektarine schneiden - Schnitt des Nektarinenbaums

Nektarine schneiden - Schnitt des Nektarinenbaums

Jeder Obstbaum muss beschnitten werden, für den Schnitt jedes Obstbaumes gelten jedoch etwas eigene Gesetze. Das sind die Besonderheiten, die Sie beim Schnitt des Nektarinenbaums beachten müssen:

pfirsichNektarine kommt von Pfirsich

Die Nektarine ist genauer gesagt einfach eine Mutation des Pfirsichs, die glatte anstatt pelziger Haut ausbildet. Schon der Kern ist von einem Pfirsichkern kaum zu unterscheiden, und da die glatte Haut ein rezessives genetisches Merkmal ist, kommt es vor, dass Pfirsichbäume Nektarinen tragen oder aus

dem Kern einer Nektarine ein Pfirsichbaum entsteht.

Wenn Ihnen wieder einmal die These begegnet, eine Nektarine sei eine Kreuzung aus einer Pflaume und einem Pfirsich, hören Sie nicht darauf, das ist eine Legende. Die Nektarine ist also fast ein Pfirsich, ein Steinobstbaum, für den etwas andere Schnittregeln gelten als für die Kernobstbäume Apfel und Birne:

Pflanzschnitt von Nektarinen

Während Kernobst vor allem in den fruchttragenden Ästen gestärkt wird, haben wir es bei Steinobstbäumen generell mit sehr wuchswilligen Bäumen zu tun, deren Wachstum eher gebremst werden muss. Im Gegensatz zu anderen Steinobstbäumen ist bei der Nektarine schon in Bezug auf den Pflanzschnitt die Besonderheit zu beachten, dass der Baum am ganzen Ast entlang Blütenknospen trägt. Er würde also am ganzen Ast Früchte entwickeln, vor allem für den jungen Baum natürlich eine unzumutbare Belastung.

Nektarinen sollten also gleich zu Beginn stärker beschnitten werden, sie stecken wie Pfirsiche sonst sehr viel Kraft in die Aufgabe, die nächste Pflanzengeneration hervorzubringen (Blüten und Früchte). Da sie so stark generativ orientiert sind, wird das vegetative Wachstum im Zweifel leiden. Das bedeutet, die Entwicklung der Pflanze selbst ist für die Nektarine eine nachrangige Aufgabe, bei der sie von Anfang an unterstützt werden sollte.

Sie fördern das vegetative Wachstum, indem Sie den Ertrag reduzieren und die Triebe ausdünnen. Eine Nektarine, die wachsen dürfte, wie sie möchte, wäre über und über mit Blüten und Früchten bedeckt und würde dann das Wachstum an diesen alten Trieben einstellen und vergreisen. Sie schneiden also beim Pflanzschnitt den Mitteltrieb kräftig, bis um die Hälfte, wenn er sehr hoch aufgeschossen ist. So soll er gezwungen werden, wieder selbst zu wachsen und nicht nur Früchte auszubilden. Die seitlichen Triebe werden weggenommen, wo sie sich
Konkurrenz machen, also zu nah nebeneinanderstehen.

Dabei schneiden Sie bei der Nektarine nie bis auf dem Stamm zurück, sondern lassen einen Stummel von ca. 20 cm stehen. Das hilft der Pflanze bei der Wundheilung, die kleinere Schnittfläche kann sich schneller schließen. Außerdem sollen sich aus diesen Stummeln im Idealfall neue Langtriebe entwickeln, die dann im nächsten oder im übernächsten Jahr Früchte tragen. Alle Triebe, die erhalten bleiben sollen, werden um etwa ein Drittel zurückgenommen, im unteren Teil werden die Knospen ausgedünnt. Dadurch werden sie stabilisiert, weil die Last verringert wird, außerdem geht es auch hier darum, den Baum zum Wachsen anzuregen.

Pflegeschnitt von Nektarinen

ca verschneidenAuch der jährliche Pflegeschnitt ist dazu da, das vegetative Wachstum zu fördern, um einen ausgeglichenen und länger fruchtbaren Baum zu erhalten, der nicht vergreist.

Bei stark wachsenden Sorten wie der Nektarine können dabei alle Schnittmaßnahmen während der Vegetationsperiode erfolgen, ein Formschnitt im Winter würde nur dazu führen, dass der Baum im nächsten Frühjahr um so stärker austreibt.

Das ist aber bei einer Nektarine nicht das vordringlichste Ziel. Sondern es geht vor allem darum, den Baum zur Ausbildung eines gleichmäßigen Wuchses anzuregen. Damit einher geht die Ertragssteuerung: Wenn Sie jedes Jahr eine erträgliche Menge an fruchtenden Ästen mit der richtigen Menge an Früchten am Baum belassen, hilft das der Qualität der Früchte und dem Baum insgesamt bei seiner Entwicklung.

Die ersten Schnittmaßnahmen werden nach der Blüte vorgenommen, zuerst entscheiden Sie sich, welche Triebe erhalten bleiben sollen. Alle anderen einjährigen Triebe, die zu viel sind, werden entfernt, erst einmal bis auf den oben beschriebenen Stummel, die endgültige Entscheidung über ihr Schicksal fällt beim Schnitt nach der Ernte.

Echte und falsche Fruchttriebe - weitere Tipps

Pfirsiche und Nektarinen halten übrigens eine Überraschung für Sie bereit: Es gibt neben den klassischen Wasserschossern (dünne Triebe mit wenigen Knospen) und Holztrieben (Trieben, die nur mit Blattknospen besetzt sind) auch noch echte und falsche Fruchttriebe. Echte Fruchttriebe haben rechts und links von der Blattknospe Blütenknospen, falsche Fruchttriebe haben nur eine Blütenknospe an der Blattansatzstelle. Natürlich kommt es bei der Auswahl der erhaltenswerten Triebe darauf an, dass Sie die echten Fruchttriebe am Baum belassen.

Die Fruchtäste werden auch jetzt schon etwas eingekürzt, damit sie zu neuem Wachstum angeregt werden und die Last ihrer Früchte tragen können. Dann können Sie auch gleich noch die Knospen im verbliebenen Astbereich ausdünnen, damit Sie schöne große gut versorgte Nektarinen erhalten. Dieser Schritt kann jedoch auch später erfolgen, indem Sie die kleinen Früchte ausdünnen.

Nach der Ernte erfolgt dann der endgültige Formschnitt, Sie können jetzt noch einmal überdenken, ob Sie vielleicht zu wenige der neuen Triebe entfernt haben. Sie sehen jetzt meist auch schon, ob sich aus den verbliebenen Stummeln neue günstige Triebe entwickeln werden oder ob Sie hier noch einmal Hand anlegen müssen. Ansonsten können Sie jetzt die Krone insgesamt noch weiter ausdünnen, indem Sie ältere Partien entfernen, die ungünstig wachsen. Insgesamt sollte Ihr Hauptaugenmerk darauf liegen, günstig stehende einjährige Langtriebe zu erhalten. Sie sind die fruchtbarsten Zonen, an denen die besten Qualitäten wachsen.