Hyazinthen im Glas ziehen - Pflanzen und Pflege nach der Blüte


HyazinthenDie reizvolle Tradition, Hyazinthen im Glas zu ziehen, erlebt eine mitreißende Renaissance. Dabei nutzen kundige Gärtner die beeindruckende Fähigkeit der Blumenzwiebeln, ohne Substrat zu treiben. Das gibt den Blick frei auf das Wunder der Natur, wenn das filigrane Wurzelsystem gedeiht. Benötigt werden eine große Zwiebel, ein nostalgisches Hyazinthenglas und Wasser. Die folgende Anleitung weist Ihnen den Weg, den Zauber des Frühlings mitten im tiefsten Winter zum Leben zu erwecken. Pflanzen und die fachgerechte Pflege nach der Blüte

sind unkompliziert umzusetzen.


Das geeignete Glasgefäß

Für jeden Einrichtungsstil gibt es ein stilechtes Hyazinthenglas im Fachhandel zu entdecken. Von authentischem Charme sind nostalgische Gefäße vom Flohmarkt oder mit ein wenig Glück vom eigenen Dachboden. Aus welcher Quelle auch immer das Glas stammt, es sollte über die folgenden Attribute verfügen:
  • Der obere Bereich ist schalenförmig und groß genug für eine Blumenzwiebel
  • Darunter befindet sich eine Verengung, ähnlich einer Sanduhr
  • Der untere Bereich des Behälters ist bauchig geformt und groß genug für das Wurzelsystem
Geformt in diesen Proportionen, kommt die Hyazinthenzwiebel nicht mit dem Wasser in Berührung. Gleichwohl können die Wurzeln ungehindert aus dem Zwiebelboden in den unteren Teil hinein wachsen, ohne dass hierzu Substrat erforderlich wäre.

Tipp: Hyazinthen sind in allen Teilen giftig. Tragen Sie daher bei den Arbeiten stets schützende Handschuhe, um keine bösen Überraschungen zu erleben.

Vorziehen im Glas

Wenn sich im Herbst das Angebot an Blumenzwiebeln auf dem höchsten Stand befindet, ist dies die ideale Zeit für den Erwerb. Wählen Sie eine möglichst voluminöse Hyazinthe, weil diese über das maximale Potenzial zum Ziehen im Glas verfügen. Stehen alle Materialien bereit, geht es in folgenden Schritten ans Werk:

Startschuss fällt im November

Hyazinthe im GlasJetzt öffnet sich das Zeitfenster, um die Frühblüher für die nächste Saison im Glas vorzuziehen. Sollten sich lose Schalen an der Blumenzwiebel befinden, werden sie entfernt. Daraufhin füllen Sie das Gefäß soweit mit Wasser, dass zur Hyazinthe ein Abstand von etwa 0,5 Zentimetern gewahrt bleibt. Bevor Sie die Zwiebel in die kleine Schale legen, ritzen Sie den Boden mit einer Rasierklinge minimal an, um das Wurzelwachstum zu animieren. So gestaltet sich die weitere Abfolge:
  • Die Hyazinthe im Glas für 8-12 Wochen am dunklen, frostfreien Platz aufstellen
  • Die Temperaturen übersteigen nicht die 10-Grad-Marke
  • Am hellen Standort ein Hyazinthenhütchen überstülpen
  • Während dieser Phase den Wasserstand regelmäßig kontrollieren und auffüllen
  • Trübes Wasser sogleich komplett austauschen
Der Vorgang wird beschleunigt, wenn Sie Glas und Hyazinthe in den Kühlschrank stellen. Hier reagiert sie auf den simulierten Winter innerhalb von 4-6 Wochen mit
dem ersten Austrieb der Wurzeln.

Tipp: Aquarium- oder Teichwasser enthalten wertvolle Nährstoffe und gelten als eine sinnvolle Alternative zu Leitungswasser.

Behandlung nach dem Austrieb

Präsentieren sich Knospen und Wurzelspitzen simultan, steht ein Standortwechsel auf dem Plan. Die Hyazinthen ziehen um an einen etwas wärmeren Platz bei 15-16 Grad Celsius. Die Zwiebeln sollten indes weiter abgedunkelt bleiben, sodass sich wiederum die Verwendung der dekorativen Hütchen empfiehlt. Lüften die Frühlingsboten ihre Kopfbedeckung wie zum Gruß, siedeln sie um auf die sonnige Fensterbank. Ab jetzt können Sie sich an der bezaubernden

Blüte erfreuen, während der Garten noch im tiefen Winterschlaf ruht. Behalten Sie weiterhin das Wasser im Hyazinthenglas im Auge, um es auf einem angemessen hohen Stand zu frisch zu halten. Ein Tröpfchen Flüssigdünger oder Wurmtee wird nun dankend angenommen.

Pflanzen im Beet

Hobbygärtner ziehen Hyazinthen im Glas nicht nur, um sich bis zum Ende der Blüte an ihnen auf der Fensterbank zu erfreuen. Diese Methode dient zugleich dem Vorziehen für die Kultivierung im Freiland, wobei das Glasgefäß faktisch als Durchgangsstation fungiert. Sobald der Boden im Garten aufgetaut ist, pflanzen Sie die jungen Frühlingsblumen in ihrer vollen Pracht. Dabei gehen Sie wie folgt vor:
  • Einen Standort wählen mit sonnigen bis halbschattigen Lichtverhältnissen
  • Das Erdreich ist nährstoffreich, humos und vor allem durchlässig beschaffen
  • Tiefgründig harken, jäten und mit Kompost aufbessern
  • Eine ca. 15 cm tiefe Pflanzgrube ausheben und darin einen Wühlmauskorb einsetzen
  • Den Boden ca. 2-3 cm hoch mit Sand bedecken und vom Aushub ca. 2 cm wieder einfüllen
  • Die vorgezogenen Hyazinthen in einem Tuff pflanzen, mit jeweils 10 cm Abstand
  • Die restliche Erde einfüllen, andrücken und gießen
In der Folgezeit ist lediglich darauf zu achten, dass die Hyazinthen nicht austrocknen. Die Gabe von Dünger ist in der mit Kompost angereicherten Erde nicht erforderlich.

Pflanzen in Kübel und Blumenkasten

Nahansicht HyazintheDie fröhlich bunten Frühlingsblumen begrüßen die schöne Jahreszeit ebenfalls gerne im Pflanzgefäß auf dem Balkon. Als geeignetes Substrat bietet sich Blumenerde auf Kompostbasis an. Mit einigen Handvoll Sand oder Perlite verleihen Sie der Pflanzerde die erwünschte Durchlässigkeit. Eine Drainage über dem Wasserablauf beugt Staunässe vor. Auf den Wühlmauskorb können Sie an dieser Stelle getrost verzichten. Die Pflege beschränkt sich wiederum auf regelmäßiges Gießen. Sofern Sie die Blumenzwiebeln alljährlich umtopfen, erübrigt sich das Düngen.

Pflege nach der Blüte

Ist es irgendwann einmal vorbei mit der Herrlichkeit, wird zunächst der Blütenkopf gekappt. Auf diese Weise hindern Sie die Blume daran, ihre Energie in das Wachstum von Kapselfrüchten und Samen zu investieren. Die grünen Pflanzenteile verbleiben an der Zwiebel, bis sie vollständig verwelkt sind. Bis dahin assimiliert die Frühlingsblume alle darin enthaltenen Nährstoffe, um daraus ein Depot anzulegen für die kommende Saison. Die Wurzeln sterben zeitgleich ab. Blumenzwiebeln, die sich jetzt noch im Glas befinden, kommen in einem Topf mit Substrat. Darin verbringen sie die Zeit bis zum Herbst im dunklen, kühlen Keller. Sie nach nur einer Saison zu entsorgen, wäre viel zu schade, denn im Garten gedeihen sie unter geeigneten Bedingungen noch einige Jahre. Zierte die Hyazinthe im Topf den Balkon und die Terrasse, verbringt sie darin die sommerliche Ruhezeit, um ebenfalls im Herbst ausgepflanzt zu werden. Völlig austrocknen sollte das Substrat in dieser Phase nicht.

Fazit

Hyazinthen besitzen die wundervolle Fähigkeit, ohne Substrat zu gedeihen. Somit eröffnen sie die Möglichkeit zu einem fesselnden Schauspiel auf der winterlichen Fensterbank. Mit wenigen Handgriffen lassen sich die Frühlingsboten im Glas ziehen, um bereits im tiefsten Winter zu erblühen. Es bleibt anschließend Ihrer Entscheidung überlassen, ob sie die vorgezogenen Hyazinthen im Beet oder auf dem Balkon pflanzen. Berücksichtigen Sie die unkomplizierte Pflege nach der Blüte, dürfen Sie sich im nächsten Jahr auf ein erneutes Blütenwunder freuen.