Carnivoren- Pflege, Düngen, Zucht


pflanzen-setzen4_flSchon vorab sei gesagt: Fangen Sie niemals Ihre Sammlung mit einem größeren Carnivoren-Sortiment an. Beschränken sich am Anfang lieber auf ein höchstens zwei verwandte Gattungen und expandieren Sie Ihre Sammlung erst, nachdem Sie im Griff und Zeit für die „Intensivbehandlung" neuer Sorten. 

Zur Temperatur

Die Pflanzen aus verschiedenen Klimabereichen brauchen unterschiedliche Kulturtemperatur. Entsprechend sollten die Pflanzen aus kälteren Heimatgebieten tiefer gestellt werden und umgekehrt, die aus wärmeren Zonen höher. Bei tropischen Arten wird sehr oft die Nachtabsenkung am Standort übersehen. Tagsüber ist

es brütend heiß und nachts kann im Extremfall sogar Frost geben Diese Nachtabsenkung kann - muss aber nicht - für die Pflanze lebenswichtig sein. Da es in einer Vitrine oder in einem nicht unterteilten Gewächshaus kaum möglich ist, mehrere, deutlich verschiedene Klimabereiche  zu imitieren, sollten in solchen Fällen nur Pflanzen aus derselben oder aus ziemlich ähnlichen Klimazonen gehalten werden. Man sollte sich immer vor Augen halten, dass die Annahme, alle Tropenpflanzen brauchten es immer warm und nass, auf Unkenntnis beruht.

Luftfeuchtigkeit und Wasser

Auch für die Luftfeuchtigkeit gilt, dass man über das Klima im Heimatareal im Bilde sein muss. In diesem Zusammenhang sollte man deutlich machen, dass konstant hohe Luftfeuchtigkeit zwar Tropenpflanzen gut tut, für den Menschen aber ziemlich abträglich ist. Es sei ausdrücklich davon abgeraten, einen Teil der Wohnung zum „Gewächshaus" umzufunktionieren. Sicherlich gedeihen bestimmt karnivore Pflanzen in Kultur auch bei etwas niedriger Luftfeuchtigkeit als am natürlichen Standort. Man sollte dies aber nicht zur Regel machen.

Eine hohe Luftfeuchtigkeit in der Vitrine oder im Gewächshaus kann vor allem dadurch erreicht werden, dass die Böden während der Wachstumsperiode feucht gehalten werden. Feucht bedeut aber keineswegs triefend nass. Obwohl einige der karnivoren Pflanzen ein zeitlich begrenztes „Fußbad" gut vertragen, mögen meisten überhaupt keine „nassen Füße".

Bei Pflanzen, die eine Ruhezeit durchlaufen, sollte Substrat in das sie getopft sind, während dieser Erholungspause leicht feucht gehalten werden.

Karnivore Pflanzen sollten nach Möglichkeit mit entsalztem Wasser gegossen werden, da die im normalen Leitungswasser enthaltenen Salze sich mit der Zeit im Substrat anreichern und die Pflanzen langsam aber sicher eingehen lassen. Wo immer möglich, ist Regenwasser als die erste Wahl anzusehen. Eine Entsalzungsanlage dürfte für viele Zimmergärtner zu teuer sein.

Außerdem sei darauf hingewiesen, dass die Leitungswasserqualität von Ort zu Ort extrem variieren kann. Vor allem für frisch eingesetzte Pflanzen kann die Wasserqualität aber lebenswichtig sein. Geschwächte Importpflanzen sind empfindlicher als kräftige, seit längerem in Kultur befindliche Exemplare. Weil dem Leitungswasser oft Chlor oder Fluor zugesetzt ist, sollte solches Wasser, wenn überhaupt, nur dann Verwendung finden, wenn es einige Tage abgestanden ist.


Ruheperiode

Das Übersehen einer notwendigen Ruheperiode wird in den meisten Fällen zum Verlust der Pflanze führen. Indikationen für eine Ruheperiode sind- das Verlangsamen des Wachstums, es werden keine neuen Blätter mehr hervorgebracht,- Winterknospen werden geformt oft in Zusammenhang mit dem Absterben der oberirdischen Pflanzenteile.

Die Ruheperiode kann sowohl in unseren Sommer-  als auch in die Wintermonate  fallen. Einige karnivore Pflanzen haben keine definierte Ruhezeit. Aldrovanda- Arten z. B. können, wenn die Bedingungen gegeben sind, zu jeder Jahreszeit ins Ruhestadium eintreten. Wiederum gilt es also, die in Kultur
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befindlichen Pflanzen genau zu beobachten. Pflanzen, die naturgemäß eine Ruheperiode durchmachen, aber in Pflege „durchkultiviert" werden, zeigen oft einen Pilz- oder Schädlingsbefall, der nicht nur den Verlust der besagten Pflanze zur Folge haben kann, sondern auch andere Pflanzen gefährdet. Während einer Ruhezeit sind die Pflanzen grundsätzlich kühl und relativ trocken zu halten.

Düngung

duenger-blaukorn2-maAuch die Düngung wird verschieden gehandhabt. Während einige Kultivateure nie düngen, wird andernorts oft Dünger verwendet. Wenn aber überhaupt gedüngt wird, sollte man mit sehr niedrigen Konzentrationen von anorganischen Düngemitteln arbeiten. Eine Überdüngung führt sehr leicht zum Verlust der Pflanzen.

Vermehrung

Die Vermehrung von Blütenpflanzen kann grundsätzlich auf zwei unterschiedlichen Wegen erfolgen. Einerseits kann man die Pflanzen schlecht - über Saat-, anderseits vegetativ - durch Teilung oder über die Meristemkultur  vermehren. Beide Methodenhaben Vor- und Nachteile und verlangen einen ganz unterschiedlichen Aufwand.

Generative Vermehrung

Bei allen Blütenpflanzen kann man Samen ernten. Die Samen werden von der Pflanze nach einer erfolgreichen Bestäubung hervorgebracht. Die Bestäubung erfolgt in der Natur im Allgemeinen durch Wind, Wasser oder einen tierischen Bestäuber. Andere Blütenpflanzenhaben sich auf Selbstbestäubung speziaisiert. Soweit bekannt, werden alle karnivoren Pflanzen durch Insekten bestäubt. Die Bestäubung erfolgt durch den Transfer der Pollen auf die Narbe. Falls sie erfolgreich verläuft und der Pollen mit der Mutterpflanze kompatibel ist, wird entweder geerntet und kontrolliert auf ein Aussaatsubstrat gebracht, oder man lässt die Kapsel mal „ausreifen", so dass die Saat sich automatisch auf das Kultursubstrat der Mutterpflanze verteilt.

Die Saatkeimung erfolgt oft nur, wenn besondere Bedingungen vorhanden sind. So braucht die Saat der Arten, die eine deutliche Winterruhe bei niedrigen Temperaturen haben, oft eine Frostperiode, um keimfähig zu werden. Die natürliche Frostperiode kann in Kultur durch eine Lagerung im Kühlschrank ersetzt werden. Grundsätzlich werden die Kultivateure, die eine Saatvermehrung durchführen, über die Kulturbedürfnisse ihrer Pflanzen Bescheid wissen und die entsprechende Aussaatmethode wählen.

Am einfachsten ist es, die Saat auf das Substrat der Mutterpflanze zu bringen und der Natur ihren freien Lauf zu lassen. Eine andere Methode, die aber mehr Aufwand bedarf, ist das gezielte Aussäen auf Substraten, die eigens für diese Vermehrung vorbereitet wurden. Dies erfordert zwar mehr Arbeit, ist aber im Allgemeinen, was die Zahl der zu erwartenden Sämlinge anbelangt, erfolgreicher.

Eine gezielte und kontrollierte Saatvermehrung umfasst auch mindestens einen Pikiervorgang: Die Sämlinge werden in geeigneter Zahl in einen Gemeinschaftstopf umgesetzt. Je nach Art ist außerdem später noch ein Umpflanzvorgang notwendig, wobei die Jungpflanze einzeln in ihre endgültigen Kulturbehälter gesetzt werden. Die Saatvermehrung hat den Vorteil, dass es sich um einen „normalen" Vorgang handelt, wie er auch in der freien Natur vorkommt. 

Vegetative Vermehrung

Unter vegetativer Vermehrung versteht man in erster Linie eine physische Teilung der Mutterpflanze. Der Hobby- Kultivateur wirs dies meistens erreichen, indem er größere Pflanzen während des Umtopfens einfach vorsichtig auseinanderreißt oder das Rhizom zerschneidet. 

Stecklingsvermehrung

Eine  Methode der vegetativen Vermehrung ist die Stecklingsvermehrung. Hierzu werden am besten Laubblätter samt Blattstiel von der Mutterpflanze abgeschnitten. Mit einem Schneidewerkzeug wird ein Längsschnitt durch den Blattstiel bis hinauf zu ungefähr 1/3 der Blattspreite geführt. Das so behandelte Blatt wird dann in Sphagnum oder feucht gehaltenes Kultursubstrat eingebettet. An der Schnittstelle entstehen Jungpflanzen. Auch diese Methode ist ziemlich einfach anzuwenden, hat aber auch den Nachteil, dass nur eine begrenzte Vermehrungsrate erzielt werden kann. 

Meristenkultur

Diese Vermehrungskultur beruht auf der Tatsache, dass alle Pflanzen während ihres gesamten Lebenszyklus über ein so genanntes undifferenziertes Gewebe verfügen. Die Zellen dieses Gewebes sind auf keine Form oder Funktion festgelegt, Dies bedeutet, dass man aus jeder einzelnen Meristemzelle eine vollständige Pflanze „erzeugen“ kann. Dies bedarf aber eines sehr großen Aufwands und ist für den Liebhaber kaum geeignet.