Giftpflanze des Jahres 2010 - Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)

Giftpflanze des Jahres 2010 - Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)

Die Herbstzeitlose ist eine dekorative Gartenblume, dem Krokus nicht unähnlich, aber leider giftig. Nun wurde sie zur Giftpflanze des Jahres 2010 gewählt. Während ihrer Ähnlichkeit zum Krokus wird die Pflanze auch Giftkrokus genant.

Sinn der Wahl der Giftpflanzen ist es, dass sich die Menschen kritisch mit dem Thema auseinander setzen. Man muss die Pflanzen nicht aus den Gärten vertreiben, man muss nur verantwortungsbewusst mit ihnen umgehen. Dafür muss man sich gut informieren.

Die Herbstzeitlose

war schon in der Antike als Droge bekannt. Ebenso wussten die Ärzte damals schon von ihrer tödlichen Wirkung. Sie wurde als Mittel gegen Gicht und Gelenkschmerzen eingesetzt.
Heute findet das Gift in der Medizin und Pflanzenzucht Anwendung.

Die Herbstzeitlose erscheint nur zweimal im Jahr für kurze Zeit. Im Frühjahr wachsen Blätter und Fruchtkapseln und im Herbst sprießen die Blüten. Die übrige Zeit überdauern die Pflanzen in ihren unterirdischen Speicherknollen. Die Pflanze liebt feuchte, nährstoffreiche Wiesen und Böschungen. Sie mag einen sonnigen bis halbschattigen Standort, der warm und windgeschützt sein sollte. Bei idealen Bedingungen tritt die Herbstzeitlose in
Massen auf.

Nutzung der Giftstoffe

In den Herbstzeitlosen ist das Alkaloid Colchicin enthalten. Das spielt eine große Rolle bei der Züchtung von Nutzpflanzen. Colchicin ist ein Mitosegift, es verhindert die Zellteilung. Das Resultat sind Zellen mit doppeltem Chromosomensatz. Man nutzt sie zur Vergrößerung von Zuchtpflanzen, z.B. von Erdbeeren.
In der richtigen Dosierung setzt man Colchicin zur Behandlung von Gelenkschmerzen bei Gicht ein. Auch in der Homöopathie findet die Herbstzeitlose Verwendung.

Risiken/Vergiftungen

Zum einen ist die Verwechslung mit dem Krokus riskant, aber gefährlicher ist die mit Bärlauch. Krokusse isst man gewöhnlich nicht, Bärlauch schon. Das Blattwerk der Herbstzeitlosen im Frühjahr ähnelt dem von Bärlauch zwar nur schwach, aber wer sich nicht auskennt, kann schon mal daneben liegen. Ganz leicht ist Bärlauch an seinem charakteristischen Knoblauchgeruch zu erkennen.

Am giftigsten sind die Blüten der Herbstzeitlosen. Sie enthalten bis zu 2 % des Alkaloids. Aber auch in Samen, Knolle und Blätter ist noch genügend davon enthalten, dass es zu Vergiftungen kommen kann. Selbst in getrockneten Pflanzenteilen bleibt das Alkaloid enthalten.

Die ersten Vergiftungserscheinungen treten nach zwei bis sechs Stunden auf, also mit Verzögerung. Sie beginnen meist mit einem Brennen im Mund. Dann folgen Schluckbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen, oft auch blutige Durchfälle.

Je nach Dosis kann es zum Tod durch Atemlähmung oder Kreislaufversagen kommen. Besonders für Kinder wird es schnell kritisch. Häufig kommt es zu Nierenschädigungen.

Als tödliche Dosis gelten bei Erwachsenen etwa 20 mg. Das entspricht etwa 5 g Samen oder 50 g Blätter.
Es sind sogar Fälle bekannt, bei denen kam es zu Vergiftungen durch Milch, die von Schafen und Ziegen stammte, die Herbstzeitlose gefressen hatten.

Die Blume ist auch giftig für Pferde, Rinder, Kühe, Schafen, Ziegen, Hunde, Katzen, Kaninchen, Hasen, Meerschweinchen, Hamster und sogar für Vögel.

Gegenmaßnahmen

Magenspülungen sind nur im Verdachtsfall oder bei Frühfällen sinnvoll. Wichtig ist, den Kreislauf aufrecht zu halten und den Wasser-Elektrolyte-Haushalt. In jedem Fall ist so schnell wie möglich

die Rettung zu alarmieren.