Orchidee des Jahres 2010 - Gelber Frauenschuh (Cypripedium calceolus)

Orchidee des Jahres 2010 - Gelber Frauenschuh (Cypripedium calceolus)

Die Orchidee des Jahres 2010, der Gelbe Frauenschuh ist eine einheimische Orchidee und zweifellos eine der auffälligsten. Sie kann sich mit den schönsten der Welt messen. Es gibt ca. 50 Frauenschuharten. Der Gelbe Frauenschuh, auch Marienfrauenschuh genannt, zählt laut bundesweiter Roter Liste zu den gefährdeten (Kategorie3) Pflanzen. Regional ist die Gefährdung oft deutlich größer. Es gibt nicht mehr viele größere Vorkommen. Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis Juni.

Vorkommen

Der Gelbe Frauenschuh gedeiht in lichten Wäldern, vorwiegend auf

kalkhaltigen Böden. Er ist selten geworden. Das liegt zum einem am Ausgraben von Sammlern und Händlern und zum anderen an der zunehmenden Verschattung durch immer dichter werdende Wälder und die Aufgabe traditioneller Waldnutzungsformen. In Deutschland ist der Gelbe Frauenschuh die einzige natürlich vorkommende Frauenschuhart. In Nord-, über Mittel- bis Osteuropa sowie Asien und Japan gibt es außer dem Gelben Frauenschuh noch andere Arten. Die Pflanze gedeiht bis zu einer Höhe von etwa 2.000 m ü. NN.

Der Gelbe Frauenschuh stellt spezielle Ansprüche an Boden, Licht und Nährstoffe. Mit falschen Bodenverhältnissen kommt die
Orchidee nicht zurecht. Ein Ausgraben und Umsetzen funktioniert meist nicht. Auch kann die Pflanze nicht ohne ihren Mykorrhiza-Partner existieren, einem Pilz, mit dem die Pflanze in Symbiose lebt.

Aussehen

Frauenschuhe besitzen die größten Einzelblüten aller einheimischen Arten. Die Pflanzen werden bis zu 60 Zentimeter hoch. Das Vorderteil der Blüte ähnelt einem Pantoffel, daher stammt auch der Name. Der Schuh ist eine Kesselfalle, eine verführerische Insektenfalle. Mit Aprikosenduft werden Insekten angelockt. An den Rändern der Blüte befindet sich ein dünner Ölfilm. Insekten, vor allem Erdbienen, finden deshalb kaum Halt und rutschen ins Schuhinnere. Es gibt nur einen sicheren Weg nach draußen, vorbei an der Blütennabe. Im Vorbeikrabbeln wird automatisch die Pflanze bestäubt. Auch die Insekten gehen nicht leer aus, sie erhalten schmackhafte Safthaare zur Stärkung. Nach der Bestäubung entsteht eine Frucht mit unzähligen Samen. Diese sind so leicht und winzig, dass sie als Ballonflieger bis zu 10 km weit fliegen können.

Die etwa 8 cm großen Blüten sitzen an etwas gebogenen und behaarten Stängeln. Die Laubblätter sind breit elliptisch und stengelumfassend. Sie laufen nach außen hin spitz zu und sind 5 bis 13 cm lang. Die Blätter sind hellgrün und haben an der Unterseite eine flaumige Behaarung.

Die Triebe sind meist einblütig, manchmal erscheinen auch zwei oder mehr Blüten. Die Zeit bis der Gelbe Frauenschuh ausgewachsen ist, ist lang. Anfangs wird über den Wurzelpilz Nahrung aufgenommen. Das erste grüne Blatt wird erst im vierten Jahr angelegt.