Bäume schneiden im Frühling, Sommer oder Herbst?

baumschnitt3 flDass Bäume im Garten beschnitten werden müssen, darüber herrscht Einigkeit. Denn junge Triebe entwickeln mehr Blattwerk, überalterte Triebe sind auch krankheitsanfälliger.

Außerdem möchte jeder Baum möglichst viel Licht auch in der Krone bekommen, ein Mangel an Licht und Luft kann ebenfalls Krankheiten begünstigen. Denn geht es natürlich um die Wuchsform, sie wird durch den regelmäßigen Schnitt ebenfalls verbessert. Doch wann soll der Schnitt durchgeführt werden, im Frühling, Sommer oder Herbst?

Sommerschnitt - die Regel für den Obstbaum

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Die Fachleute sind sich heute weitgehend einig, wenn es darum geht, die am häufigsten im Garten auftretenden Bäume zu beschneiden: Für Kernobstbäume und Steinobstbäume ist der Sommer die richtige Jahreszeit für den Schnitt.

Der Baumschnitt in der Wachstumsphase schädigt den Baum am wenigsten, nach Austrieb der Blätter ist er mitten im Wachstum und hat alle Möglichkeiten zur Verfügung, um Wunden schnell zu schließen. Da die Triebe für dieses Jahr bereits angelegt sind, lässt sich mit dem Sommerschnitt auch sehr gut steuern, wo das Wachstum im nächsten Jahr hingehen soll.

Welcher Zeitpunkt im Sommer, hängt von der Obstsorte ab: Kernobstbäume wie Äpfel und Birnen sollten nach dem Ende der Triebbildung beschnitten werden, meist liegt dieser Zeitpunkt um den 15. August. Wenn die Triebspitzen keine neuen Blätter mehr hervorbringen, darf geschnitten werden, auf keinen Fall zu früh, sonst könnte sich der Baum nochmals zu einem Austrieb entschließen. Wer zum ersten Mal mit dem Sommerbaumschnitt konfrontiert wird, hat meist Skrupel, potenzielle Früchte abzuschneiden, aber diese Angst ist unbegründet: Das sommerliche Auslichten bewirkt vielmehr, dass die restlichen Früchte eine tiefere Farbe bekommen und größer und aromatischer werden. Außerdem tut es dem Baum sehr gut, wenn er im Herbst, der Zeit der Vorbereitung auf die Mangelzeit, viel Licht und Luft bekommt, auch das wird mit dem Sommerschnitt gewährleistet.

Schnitt im Frühling

Wenn ein Frühlingsschnitt empfohlen wird, der noch vor dem Ausschlagen der Bäume im März erfolgen solle, geht es eigentlich um einen Winterschnitt. Ein solcher Winterschnitt war früher die Regel, ein Landwirt hat zu
anderen Jahreszeiten keine Zeit, die Baumpfleger übernahmen diese Zeitvorgaben einfach.

gartenschere-teleskop flHeute wird dieser Schnittzeitpunkt nicht mehr empfohlen, die Bäume haben Mühe, ihre Wunden zu verschließen, und sie quittieren die Verluste außerhalb der Vegetationsperiode in der Wachstumszeit mit der Ausbildung zahlreicher Wassertriebe. Wenn Sie jedoch die Absicht haben, genau diese zahlreichen Triebe hervorzulocken, weil Sie weniger Wert auf Früchte legen, sondern Ihren Baum zu einer Art Hecke dressieren möchten, wäre jedoch dieser Schnittzeitpunkt genau richtig.

Ein Schnitt im Frühling, und zwar wirklich im Frühling, wenn die Vegetation also bereits eingesetzt hat, empfiehlt sich in anderen Fällen: Obstsorten wie Pfirsiche, die gerne lange Triebe entwickeln, werden jetzt beschnitten. Diese Äste würden ohnehin später unter der Last der Früchte zusammenbrechen, wenn Sie früh schneiden, fördern Sie die Bildung vieler fruchtbarer Kurztriebe. Sie schneiden dann nach der Blüte und entfernen alle überflüssigen einjährigen Triebe. Die fruchttragenden Äste können ebenfalls jetzt schon etwas eingekürzt werden, die verbliebenen Früchte werden dann besser versorgt, werden also

größer und aromatischer.

Schnitt im Herbst

Alle bereits im Frühjahr beschnittenen Obstbäume bekommen nach der Ernte ihren endgültigen Formschnitt. Die Frühjahrstriebe werden heute ja nur bis auf einen Rest von ca. 20 cm heruntergeschnitten (kleinere Wunde, bessere Wundheilung), sie haben über den Sommer häufig Seitentriebe entwickelt. Vielleicht stehen diese Triebe günstig und dürfen weiterwachsen, vielleicht werden sie wieder weggeschnitten. Vielleicht entfernen Sie überhaupt noch ein paar Neutriebe, weil der Schnitt im Frühjahr zu zaghaft war. Außerdem wird jetzt die Krone im Ganzen ausgedünnt, beim Ausdünnen des belaubten Baumes können Sie sehr gut erkennen, welche Triebe immer im Schatten liegen, diese müssen weichen.

Auch alle Bäume, die dazu neigen, beim Schnitt sehr viel Pflanzensaft zu verlieren, werden im Herbst geschnitten. Solch ein “Bluter” ist die Walnuss, auch Ahorn und Birke lassen gerne viel Saft. Gegen Ende des Sommers zirkuliert nur noch recht wenig Pflanzensaft in diesem Bäumen, zu diesem Zeitpunkt schadet ihnen ein Schnitt am wenigsten. Die Wundheilung ist aber jetzt noch aktiv, sodass die Wunden noch vor dem Winter verschlossen werden können. Vor allem bei der Walnuss wird jedoch empfohlen, vorher durch einen Testschnitt den Saftdruck zu prüfen. Wenn der Baum noch zu heftig blutet, sollte der Schnitt noch etwas verschoben werden.

Viel wichtiger als alle genauen Schnittzeitpunkte ist es, dass Sie Ihre Bäume von Anfang an recht regelmäßig beschneiden. Denn den Bäumen sollten nur möglichst kleine Wunden zugefügt werden. Je größer die Wunde ist, desto größer ist die Gefahr, dass sie fault oder dass Pilze eindringen. Wenn Sie von Anfang an regelmäßig schneiden, nehmen Sie immer nur sehr dünne Äste weg. Wenn der Schnitt lange vernachlässigt wird, müssen Sie irgendwann dicke Äste wegschneiden, worunter der Baum dann wirklich leiden kann.